Deutsche Bundesliga boomt vor Saisonstart:
Klubs lassen sich Neuzugänge teuer kommen

Bestmarken bei Abo-Verkauf und Trikotsponsoring Starker Kader: Bayern zahlt rund 70 Mio € für Spieler

Deutsche Bundesliga boomt vor Saisonstart:
Klubs lassen sich Neuzugänge teuer kommen

Transferrausch, Finanzoffensive, Zeitenwende - schon vor dem Start in ihre 45. Saison sorgt die deutsche Bundesliga für Schlagzeilen. Mit einer mutigen Einkaufspolitik samt kostspieliger Neuzugänge schürten die 18 Klubs bei den Fans die Vorfreude. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef von Großinvestor Bayern München, gab den Trend vor: "Die Bundesliga muss radikal umdenken. Wenn wir international wettbewerbsfähiger werden wollen, brauchen wir mehr Spieler der Kategorie Ribery und Toni."

Die oft angefeindeten Bayern setzten nach einer Saison ohne Titel ein deutliches Zeichen: Kein Verein griff tiefer in die Kasse als der Rekordmeister, der seinen Kader mit Spielern um mehr als 70 Millionen Euro verstärkte. Erst mit gehörigem Abstand, aber ebenfalls im zweistelligen Millionen-Bereich, liegen Werder Bremen (18,5), der VfL Wolfsburg (15,45), Bayer Leverkusen (13,7) und Meister VfB Stuttgart (10,7). "Es ist zum Schluss ein richtiges Jagdfieber entstanden", beschrieb Bayern-Manager Uli Hoeneß den vorherrschenden Trend.

Vor dem Eröffnungsspiel zwischen Titelverteidiger Stuttgart und "Vize" Schalke 04 investierten die Bundesligisten über 170 Mio. Euro in neues Personal und lagen damit weit über der bisherigen Rekordmarke von 147 Mio. Euro aus der Saison 2001/02. Anders als vor sechs Jahren, als mit der Hoffnung auf den Geldsegen des später kollabierten Kirch-Imperiums die Konten vielerorts leichtfertig geplündert wurden, mutet das Risiko diesmal geringer an - schließlich scheint der Fußball-Boom ungebrochen.

Aboverkaufsboom
So sind in der zweiten Saison nach der Heim-WM 2006 Dauerkarten gefragter denn je. Dank neuer Stars wie Franck Ribery, Luca Toni (beide Bayern München) oder Carlos Alberto (Werder) wurden schon vor dem Ankick rund 380.000 Abos verkauft. "Dauerbrenner" ist Borussia Dortmund mit einem Absatz von 50.549 Dauerkarten und einem damit verbundenen Gewinn von 14 Mio. Euro.

Trikotsponsering
Darüber hinaus meldet die Liga eine Bestmarke beim Trikot-Sponsoring: Bei entsprechenden Erfolgen können sich die Clubs auf Einnahmen von bis zu 122,7 Mio. Euro freuen. Allein das Telekommunikationsunternehmen T-Com überweist jährlich bis zu 20 Mio. Euro an die Bayern, der Gaskonzern Gazprom sponsert Schalke mit 125 Mio. Euro für fünfeinhalb Jahre. Einzig Bayer Leverkusen steht noch ohne Trikotsponsor da, wirbt stattdessen jedoch für den eigenen Konzern.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Investitionen auf den Unterhaltungswert der Liga auswirken. Taugt der Ligapokal als Gradmesser, steht ein spannungsarmer Alleingang der Bayern bevor, nachdem diese scheinbar mühelos jene drei Mannschaften abfertigten, die ihnen zuletzt den Weg in die Champions League versperrt hatten. Bundestrainer Joachim Löw hält jedoch auch Stuttgart, Schalke, Bremen, Leverkusen und den HSV für konkurrenzfähig. "Alles spricht für Bayern München. Aber ich erwarte eine interessante und spannende Saison", meinte der DFB-Coach.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze würde nicht nur die TV-Zuschauer freuen. Ohne die hohe Medienpräsenz der Liga und die frühen Bilder im Free-TV wären die beachtlichen Zuwächse vor allem beim Sponsoring kaum zu erlösen. Noch bis 2009 läuft der bestehende TV-Vertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), der eine Berichterstattung in der ARD-Sportschau garantiert.

Für die Zeit danach wird mit einem Vorstoß von Premiere-Chef Georg Kofler gerechnet, dem die Bundesliga-Zusammenfassung im Free-TV zu zeitnah nach Spielschluss ausgestrahlt wird. Für mehr Exklusivität wäre Premiere, das nach einjähriger TV-Pause eine Kooperation mit Rechtsinhaber arena einging, bereit, mehr als 220 Mio. pro Saison an die DFL zu zahlen. (apa)