Logistik von

Deutsche Bahn: Rekordstreik

Lokführer legen Arbeit bis Montag nieder - Bahn geht juristisch dagegen vor

Die Lokführer haben am frühen Donnerstagmorgen mit ihrem Rekordstreik im Personenverkehr der Deutschen Bahn begonnen. "Betroffen ist von Betriebsbeginn am frühen Morgen an der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr", sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin. Der Streik soll am Montag um 4.00 Uhr enden, hieß es von der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Die Deutsche Bahn geht nun juristisch gegen den Streik vor. Es werde eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht Frankfurt beantragt, teilte das Unternehmen heute, Donnerstag, mit.

Die Deutsche Bahn greift jetzt doch zu juristischen Mitteln, um gegen den derzeit laufenden Lokführerstreik in Deutschland vorzugehen. Eine einstweilige Verfügung soll die Gewerkschaft GDL zum Abbruch zwingen - die Erfolgschancen sind ungewiss. Ein entsprechender Antrag sei beim Arbeitsgericht Frankfurt/Main gestellt worden, wie das Unternehmen am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) habe das Angebot zu einer Schlichtung "offenbar ohne ernsthafte Prüfung abgelehnt".

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Bahn am Mittwoch aufgefordert, gegen den Streik vor Gericht zu ziehen: "Eine Klage wegen Unverhältnismäßigkeit des Streiks ist im Interesse der Bahnkunden, der Beschäftigten und der Aufrechterhaltung der Güterversorgung in Deutschland geboten."

ÖBB: Kaum Einschränkungen für Österreich

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erwarten durch den deutschen Lokführerstreik "wenige bis keine" Einschränkungen für den Verkehr in Österreich, auch beim Personenfernverkehr wird großteils Entwarnung gegeben. Züge über den Deutsche-Bahn-Korridor sind dank ÖBB-Lokführern nicht betroffen, EC-Verkehre auf der Strecke Italien-Innsbruck-München über Kufstein werden planmäßig erwartet, das Gleiche gilt für Nachtverkehre. Auch der Railjet Wien-München sollte ohne Verspätungen unterwegs sein, so die Bundesbahnen. Das Kundenservice unter der Telefonnummer 05-1717 sei personell aufgestockt worden.

Ersatzfahrpläne

Die Bahn selbst reagierte mit Ersatzfahrplänen, um die wichtigsten Verbindungen aufrecht zu erhalten. Im Güterverkehr hat der Ausstand bereits am Mittwochnachmittag begonnen. Ein Schlichtungsangebot des Konzerns hatte die GDL am Mittwochnachmittag abgeschmettert - und mit noch längeren Streiks gedroht.

"Wir werden zu keinem Zeitpunkt unsere Grundrechte an der Garderobe abgeben, um dem Arbeitgeber Deutsche Bahn einen Gefallen zu tun", gab sich Claus Weselsky, der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), zum Auftakt am Mittwoch kampfbereit. Er warf dem Konzern eine Blockade vor. Es ist bereits die sechste Streikaktion im laufenden Tarifkonflikt.

"Müssen so reagieren"

"Wir müssen so reagieren, weil die bisherigen Aktionen nicht zum Erfolg geführt haben", sagte der Vorsitzende des GDL-Bezirks Berlin-Sachsen-Brandenburg, Frank Nachtigall, der "Berliner Zeitung". Zugleich brachte er einen noch härteren Streik ins Spiel: Es sei "im Bereich des Möglichen, dass die nächste Aktion für eine noch längere Zeit angesetzt wird."

Der seit dem frühen Morgen andauernde Streik fällt zusammen mit den Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, zu denen in Berlin Hunderttausende Besucher erwartet werden, und mit dem Ferienende in Bremen und Niedersachsen. Viele Reisende setzen erneut auf Fernbusse und Mitfahrzentralen. Die Anbieter verzeichnen Rekordanfragen. Wer zunächst kein Ticket mehr für eine bestimmte Strecke bekommen hat, braucht etwas Geduld. "Interessenten sollten immer wieder im Internet nachschauen, weil weitere Kapazitäten aktualisiert werden", sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen in Berlin.

Die Bahn hatte am Mittwoch vergeblich versucht, die Arbeitnehmerseite zu einer Schlichtung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt zu bewegen. Sie kritisierte den Streik als maßlos, respektlos und verantwortungslos. Auch Mahnungen der deutschen Bundesregierung änderten nichts.

Die Gewerkschaft will einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter durchsetzen, für die bisher die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelt. Die GDL fordert zudem fünf Prozent mehr Einkommen und eine kürzere Wochenarbeitszeit.

Kommentare