Deutsche Bahn-Chef erklärt den Rücktritt:
Mehdorn stolperte über Bespitzelungsaffäre

Konzernboss will sich Verantwortung nicht entziehen Deutsche Bahn gesteht mittlerweile Datensammlung

Deutsche Bahn-Chef erklärt den Rücktritt:
Mehdorn stolperte über Bespitzelungsaffäre © Bild: Reuters

Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, tritt nach massivem Druck wegen der Datenaffäre des Konzerns zurück. Er geht davon aus, dass noch vor der Sommerpause ein Nachfolger gefunden werde. Er sehe zwar keine eigene Schuld in der Datenaffäre, wolle sich seiner Verantwortung als Konzernchef aber nicht entziehen. Mehdorn war in der Datenaffäre zuletzt immer stärker in die Kritik geraten.

Mehdorn stand seit Freitag massiv unter Druck. An diesem Tag hatten die Bahn-Sonderermittler Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin sowie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihre Ergebnisse zur Datenaffäre vorgelegt. Danach soll die Bahn jahrelang die E-Mails von 70.000 bis 80.000 Mitarbeitern systematisch gefiltert haben - täglich bis zu 145.000.

E-Mails mit Streikaufruf gestoppt
Am Wochenende musste der Konzern dann noch einräumen, dass er im Herbst 2007 E-Mails mit einem Streikaufruf der Lokführergewerkschaft GDL gestoppt hatte. Danach rückte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel von Mehdorn ab. Die Bahngewerkschaften, die SPD und die Opposition hatten schon zuvor seine Ablösung verlangt.

Der Bahnchef sprach von einer Kampagne zur Änderung der Unternehmensführung und der Bahn-Politik. Kein Mitarbeiter und kein Organ habe sich im Sinne des Strafrechts falsch verhalten. Wenn überhaupt, habe es Ordnungswidrigkeiten im Einzelfall gegeben. "Das nunmehr unterstellte unbefugte Ausspähen von E-Mails hat es bei der DG AG nicht gegeben", betonte Mehdorn. Das E-Mail-System sei wegen Massenzusendung aus technischen Gründen zusammengebrochen. Zudem sei die Nutzung des Bahn-Systems durch die Lokführergewerkschaft GDL für Arbeitskampfmaßnahmen nicht zulässig gewesen.

(apa/red)