Fakten von

Designer boykottieren Melania Trump

Künftige First Lady kauft am liebsten online ein

Sie ist groß, schlank und ehemaliges Model. Eigentlich müssten sich die Modemacher darum reißen, Melania Trump einzukleiden. Doch mehrere Designer haben bereits öffentlich erklärt, nicht für die künftige First Lady der USA arbeiten zu wollen - aus politischen Gründen.

Die in New York lebende französische Designerin Sophie Theallet, zu deren Kundinnen auch Michelle Obama zählt, verkündete Mitte November als erste ihren Boykott. "Die Rhetorik des Rassismus, Sexismus und der Fremdenfeindlichkeit, die vom Präsidentschaftswahlkampf ihres Mannes entfesselt wurde, ist mit den Werten, nach denen wir leben, nicht vereinbar", sagte sie zur Begründung.

Andere taten es Theallet gleich, unter anderen Marc Jacobs, Derek Lam, Phillip Lim und Christian Siriano. "Ich verwende meine Energie lieber darauf, jenen zu helfen, die die Opfer von Trump und seinen Anhängern sein werden", sagte Jacobs der Zeitschrift "Women's Wear Daily". Traditionell unterstützt die Modebranche mehrheitlich die Demokraten, und viele Firmen steckten Geld in den Wahlkampf von Donald Trumps Gegnerin, Hillary Clinton.

Das Thema ist emotional aufgeladen. Als sich der italienische Modemacher Stefano Gabbana öffentlich darüber freute, dass Melania Trump zu Silvester ein schwarzes Kleid seines Labels Dolce & Gabbana trug, peitschte ihm in den sozialen Netzwerken ein Sturm der Kritik entgegen.

Designer wie Carolina Herrera, Calvin Klein, Diane von Fürstenberg und Tommy Hilfiger schlagen allerdings einen anderen Ton an. Jeder sollte stolz sein, die neue First Lady und Trumps Tochter Ivanka einkleiden zu dürfen, sagte Hilfiger, der ein Büro im Trump Tower in New York hat. "Melania gebührt der gleiche Respekt wie den anderen First Ladys", meinte die Modeschöpferin Fürstenberg, die zugleich Präsidentin des einflussreichen US-Berufsverbandes der Modedesigner ist. "Unsere Rolle in der Modewelt ist es, Schönheit, Offenheit und Vielfalt zu fördern."

Ob die Modemacher sie nun unterstützen oder boykottieren, für Melania Trump und ihre Kleiderwahl dürfte das keine große Rolle spielen. Bisher hat sie die meisten Outfits für ihre öffentlichen Auftritte selbst ausgewählt und eingekauft - im Internet. Eindeutig bevorzugt die gebürtige Slowenin dabei europäische Mode. Ihr Look entspricht meist dem der wohlhabenden New Yorkerinnen: glatt, figurbetont und wenig individuell.

Der Kontrast zu ihrer Vorgängerin Michelle Obama könnte nicht größer sein. Die bisherige First Lady kombinierte Kleidung aus dem Einkaufszentrum mit Haute Couture, wählte bewusst Entwürfe wenig bekannter schwarzer Designer - und ihr Chic wirkte immer mühelos und ungezwungen.

Kritiker wie Unterstützer der Trumps aus der Modewelt erwarten gespannt, was die First Lady am Freitag trägt. "Es ist schwer, ein großartiges Kleid für die Amtseinführung zu finden", sagte Donald Trump der "New York Times". Dass Melania Trump die richtige Kleiderwahl trifft, dafür sorgt ihre langjährige Freundin Stephanie Winston Wolkoff. Die ehemalige Mitarbeiterin der Modezeitschrift "Vogue" ist mit der Planung der Feier beauftragt und mahnt: "Unterschätzen Sie Melania nicht, nur weil sie still und zurückhaltend ist."

Kommentare