Des Infrastrukturministeriums ESA-Wunsch:
"Müssen weiter in die Zukunft investieren"

Will österreichische Weltraumstrategie evaluieren An großen Technologieprogrammen zu wenig beteiligt

Nahezu eine Verdoppelung des Beitrags Österreichs zur Europäischen Weltraumorganisation ESA strebt das Infrastrukturministerium (BMVIT) an. "Derzeit trägt Österreich mit rund 35 Mio. Euro pro Jahr etwa 1,3 Prozent des ESA-Budgets. Ziel wäre es, Österreich an den 2,2 Prozent-BIP-Schlüssel heranzuführen, wie wir ihn auch bei der EU haben", sagte der stellvertretende Leiter der Forschungssektion und Bereichsleiter für Innovation im BMVIT, Ingolf Schädler, anlässlich des bevorstehenden 20-Jahr-Jubiläums von Österreichs ESA-Beitritt im Gespräch mit der APA.

Der ESA-Beitrag gliedert sich in einen Pflicht- und einen Kürteil. Beim Pflichtanteil, der vor allem Administration und grundlegende wissenschaftliche Programme und damit den wesentlich kleineren Teil des gesamten ESA-Budgets umfasst, muss Österreich schon seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) entsprechend 2,2 Prozent des ESA-Budgets zahlen.

ESA-Beitritt erster wichtiger Schritt
Dagegen beteilige sich Österreich an den wesentlich größeren Technologieprogrammen (an den einzelnen Missionen beteiligen sich die ESA-Mitgliedsländer freiwillig), "nach wie vor unterdurchschnittlich und konzentriert sich dort nur auf einige Themenfelder", sagte Schädler, der vor allem diesen Anteil steigern will. "Das geht nicht von heute auf morgen, aber das heißt doch, dass wir bis etwa 2020 massiv in Weltraumforschung und -technologie investieren müssen."

Der Beitritt Österreichs zur ESA vor 20 Jahren war für Schädler "noch lange vor der Europäischen Union ein erster großer Schritt zur Internationalisierung der österreichischen Wissenschaft". Gab es zuvor von einigen Weltraum-Pionieren wie Willibald Riedler nur "anekdotische Beteiligungen" an Weltraumaktivitäten, habe man seit dem ESA-Beitritt versucht, die österreichischen Aktivitäten auf diesem Sektor zu konzentrieren. Dabei sei klar gewesen, dass man sich in einem so hoch wissenschaftlichen und kompetitiven Feld auf Stärken konzentrieren muss, um mitzuspielen.

In einigen Bereichen top
Das sei in den vergangenen Jahren auch gelungen, und es gebe Bereiche, "wo wir sowohl wissenschaftlich als auch industriell top-führend sind und uns nicht zu verstecken brauchen", so Schädler. Er nennt u.a. im Wissenschaftsbereich das Institut für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften in Graz und im Industriebereich "die zwei größten österreichischen Weltraum-Unternehmen, die Austrian Aerospace und Siemens". Zudem sei es über das österreichische Weltraumprogramm ASAP gelungen, eine Unternehmens-Szene im Bereich der Nutzung der Weltraum-Infrastruktur zu etablieren.

"Das sind Bereiche, wo sich Österreich in den vergangenen Jahren erfolgreich etabliert habt. Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir weiter investieren müssen für die Zukunft", sagte Schädler - u.a. vor dem Hintergrund der vor wenigen Monaten verabschiedeten "European Space Policy", dem ersten gemeinsamen politischen Aktionsplan zwischen der ESA, der EU und den nationalen Weltraumagenturen, also den Mitgliedstaaten. Kernpunkte dieser gemeinsamen Politik sind klare Bekenntnisse zu einem unabhängigen Zugang Europas zum Weltraum, also für weitere Investitionen in die europäische Raketentechnologie (Stichwort: Ariane), zur kommerziellen Nutzung der Weltraum-Infrastruktur und schließlich zu einer führenden Rolle Europas bei der Erforschung des Weltalls.

Schwerpunkte weiterentwickeln
Vor diesem Hintergrund soll die österreichische Weltraumstrategie evaluiert werden. Derzeit wird die Ausschreibung dafür vorbereitet. Noch vor der nächsten ESA-Ministerkonferenz 2008 sollen die Schwerpunkte weiterentwickelt werden. Schädler will die Verstärkung des Hightech-Segments Luft- und Raumfahrt auch im Rahmen des Forschungsdialogs zur Diskussion stellen, der in den nächsten Monaten von den mit Wissenschaft und Forschung befassten Ministerien geführt wird. "Entscheiden muss dann die Politik." (apa/red)