Der Wende-Plan - Kommt Rot-Grün?

Der Wende-Plan - Kommt Rot-Grün?

Kommt Rot-Grün? Schwarz-Blau stagniert, Anhänger der rot-grünen Koalition legen in NEWS-Umfrage um zehn Prozent zu. Immer mehr SP-Spitzen laufen ins rot-grüne Lager über. Was bringt Rot-Grün? Wie sich Gusenbauer und Van der Bellen fürs Regieren rüsten. Und wer im ersten rot-grünen Kabinett die besten Ministerchancen hat.

Die Büros in den schmucken Containern vor der SP-Zentrale sind bezogen, die mehr als hundert Köpfe, die in der heißen Phase des Wahlkampfes rauchen sollen, haben sich versammelt – doch wirklich anfangen kann man in Alfred Gusenbauers Stabsquartier noch nicht. Alles wartet auf die Ankunft des großen Meisters.

1 Million in Bewegung
Stanley Greenberg, der immerhin schon Nelson Mandela, Bill Clinton oder Gerhard Schröder im Wahlkampf betreut hat und nun aus dem spröden SPÖ-Chef einen Verkaufsschlager machen soll, wird kommende Woche einfliegen. Das politische PR-Genie, dessen engster Mitarbeiter Tal Silberstein bereits in Wien ist, findet eine Situation vor, die große Risken, aber wahrscheinlich noch größere Chancen birgt: Nur drei Wochen nach der Ausrufung der Neuwahl sind in Österreich bis zu eine Million Wähler in Bewegung. Bei der nächsten Strategiesitzung zwischen Greenberg und Gusenbauer soll das gesamte bisherige rote Wahlkampf-Konzept noch einmal neu überdacht werden.

Die NEWS-Gallup-Umfrage dieser Woche zeigt, dass zunächst einmal nicht die „schwarz-blaue Mehrheit“ Hauptgegner der SPÖ ist, sondern die Person Wolfgang Schüssel. Der Kanzler hat nach der Implosion der FPÖ praktisch alle „Wende-Fans“ aus der FPÖ kassiert – und liegt mit 35 Prozent in der Sonntagsfrage nur noch zwei Punkte hinter der SPÖ mit 37 Prozent. Die SPÖ muss jetzt an zwei Fronten kämpfen: um Platz eins und um die rot-grüne Mehrheit, die nur noch hauchdünn mit 50 zu 49 Prozent „abgesichert“ ist.

Denn: Hatte es nach dem Kollaps der Wende danach ausgesehen, dass die nächste Regierung nur Rot-Schwarz sein könnte, hat die Stimmung jetzt gedreht. Und Rot-Grün verliert für immer mehr Österreicher an Schrecken und holt auf. In der NEWS-Umfrage legte Rot-Grün in nur einer Woche stolze 10 Prozent auf 32 Prozent an Beliebtheit zu, Schwarz-Blau bleibt mit 34 Prozent stabil in Front – und mit nur noch 23 Prozent und minus sieben Punkten rangiert die einstmals so geschätzte Große Koalition schlecht wie noch nie in der Geschichte der modernen Meinungsforschung.

Rot-Grün wird salonfähig
Die Koalition des Experiments gewinnt wichtige Zielgruppen: Bei den Frauen liegt Rot-Grün vor Schwarz-Blau, bei den jungen Wählern unter 30 und sogar bei den Arbeitern. Schwarz-Blau führt bei den Männern und bei den Pensionisten.

Will die SPÖ nicht nach der rot-grünen Ansage Eva Glawischnigs riskieren, alle Wendewilligen an die Grünen zu verlieren, muss der SP-Chef jetzt den Spagat wagen und die Tür zu Rot-Grün ganz weit aufstoßen, gleichzeitig aber die verbliebenen Großkoalitionäre – stark bei den Pensionisten, im Süden und Westen Österreichs, bei Männern und bei der Wirtschaft – nicht gänzlich vergraulen, indem er auch noch eine Koalition mit einer „total veränderten ÖVP“ offen hält.

Das Experiment
Rhetorisch muss sich Gusenbauer also alle Optionen offen lassen – die tatsächlichen Vorbereitungen laufen aber in Richtung Rot-Grün. NEWS-Recherchen erlauben einen ersten Blick hinter die Kulissen, wie weit die Vorarbeiten für eine rot-grüne Regierung zwischen Denkwerkstätten wie André Hellers Villa am Gardasee oder dem Domizil Hans-Peter Haselsteiners am Millstätter See und dezenten Treffen bei ein paar Gläsern guten Rotweins zwischen dem Quartett Alexander Van der Bellen, Eva Glawischnig, Michael Häupl und Alfred Gusenbauer in der Wiener Innenstadt schon gediehen sind.

Autoren: J. Galley, B. Blumencron

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