Der Verdacht: Deckte Polizei Killer?

Der Verdacht: Deckte Polizei Killer?

Fahnder sollen einen schuldlosen zum Täter stilisiert haben, um einen Mörder zu schützen.

Es war nicht „bloߓ eine milieubedingte Schießerei, diese Tat, die in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2006 im Café „Cappuccino“ in Wien-Ottakring geschah. Es war eine Blutorgie der Balkan-Mafia.

Fazit: Renato T., 33, wurde am Gehsteig vor dem Kaffeehaus im Kugelhagel tödlich verletzt, sein Freund Vjekoslav J., 35, lag mit Bauchschuss, Stichwunden und blutig geschlagenem Schädel vor der Theke.

Keiner wusste, wer der Täter war. Zwischen 20 und 25 anwesende Gäste gaben später bei Einvernahmen an, nicht gesehen zu haben, wer der Schütze war – trotzdem präsentierte die Kripo bereits 48 Stunden nach dem Verbrechen den (vermeintlichen) Täter: Enver Hoxha, von „Beruf“ Hütchenspieler.

Fakt ist: Hoxha war am Tatabend im „Cappuccino“ gewesen, „aber als dann ein paar seltsame Männer in das Gasthaus kamen und begannen, Radau zu machen, bin ich abgehauen“, sagt der Albaner. Auch der Polizei habe er „das alles immer schon genau so erklärt“ – trotzdem wurde er unter dem dringenden Verdacht des Mordes verhaftet. Der einzige Beweis gegen ihn: Laut Ermittlern war der 39-Jährige von einem Passanten als Schütze identifiziert worden.

Und bald gab es noch einen Haftbefehl: Der Besitzer des „Cappuccino“, in der Szene als „Edo“ bekannt (siehe Exklusiv-Interview nächste Seite), wurde der Mittäterschaft verdächtigt – noch bevor ihn die Kripo fassen konnte, setzte er sich allerdings ins Ausland ab.

Vor einigen Monaten kam er dann jedoch wieder nach Österreich zurück, ganz „offiziell“. Und blieb auf freiem Fuß. Ohnehin: Jetzt, eineinhalb Jahre nach der Tat im „Cappuccino“, scheinen frühere „Fakten“ plötzlich ganz anders. Vor wenigen Tagen musste sogar „Mörder“ Enver Hoxha aus der Haft entlassen werden. Jener Zeuge, der diesen einst als Killer bezichtigt hatte, erklärte nun nämlich bei Hoxhas Prozess, dass er von Beamten der Wiener Polizei zu einer (Falsch-)Aussage „überredet“ worden sei. Dass ihm Fahnder im Frühsommer 2006 Fotos von Hoxha vorgelegt und gemeint hätten: „Sag, dass er geschossen hat – dann ist für dich alles gut.“ Womit gegen mehrere Kriminalisten schwere Vorwürfe im Raum stehen: einen Killer gedeckt und einem Schuldlosen mithilfe einer erzwungenen Zeugenaussage ein Tötungsdelikt in die Schuhe geschoben zu haben.

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