Der Turm. Geschichten aus einem versunkenen Land.

Der Turm. Geschichten aus einem versunkenen Land. © Bild: Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3-518-42020-1, Uwe Tellkamp, Suhrkamp Verlag

Vier Jahre lang hat die Literaturwelt gespannt auf die Fertigstellung von Uwe Tellkamps Schlüsselroman gewartet. Mit Auszügen daraus gewann er bereits 2004 den renommierten Ingeborg Bachmann-Preis. Jetzt ist es endlich so weit. Auf knapp 1000 Seiten walzt er jetzt jene Kritiker nieder, die ihn nach der Veröffentlichung seines Debütromans ,Der Eisvogel’ schon als literarische Eintagsfliege abgetan haben. Er blickt in der Zeit von 1982 bis 1989 in die Villen des damals noblen Dresdner Turmstraßen-Viertels, wo die Elite der DDR zwischen staatskonformer Angepasstheit und rückwärtsgewandtem Bildungsbürgertum in einer Art Winterschlaf verharrt. Seine Protagonisten sind desillusionierte Vertreter der Elite. Lektor Meno Rohde, der sich immer tiefer in seine fiktive Bücherwelt zurück zieht, sein Schwager, der Chirurg Richard Hoffmann, der von der Stasi wegen seines Doppellebens erpresst wird und dessen Sohn Christian, der von der NVA direkt in die Isolationshaft wandert. Es hat diese gescheiterten Existenzen gebraucht, um die DDR, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, auch literarisch endlich einstürzen zu lassen und sie von jeder verklärenden Vergangenheitsbetrachtung loszulösen und zu zeigen was sie wirklich war: Ein Unterdrückungsstaat der übelsten Sorte, der seine Untertanen mit dem bislang wohl unglaublichsten Machtapparat, der allmächtigen Staatssicherheit, bis ins Intimleben verfolgt und bespitzelt hat. Statt real existierendem Sozialismus war die DDR nur ein engstirniger Spießerstaat übelster Sorte. Und Tellkamp gebührt die Ehre, das ein für alle mal in epischer Sprache niedergeschrieben zu haben. C.N.