Der Trainerfuchs soll es wieder richten:
Zauberer Guus Hiddink ist Erfolgsgarantie

Niederländer soll Chelsea Champions-League sichern 62-Jähriger vollbrachte schon öfter wahre Wunder

Der Trainerfuchs soll es wieder richten:
Zauberer Guus Hiddink ist Erfolgsgarantie © Bild: Reuters/Doherty

Fußball-Trainerfuchs Guus Hiddink soll's wieder einmal richten. Nachdem es der Niederländer im Vorjahr als Teamchef geschafft hat, Russland erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion wieder in ein EM-Halbfinale zu führen, hofft nun Chelsea auf die Coaching-Qualitäten des 62-Jährigen. Heute Abend soll mit einem Heimsieg über den FC Barcelona im Halbfinal-Rückspiel (Hinspiel 0:0) der nächste Schritt in Richtung Champions-League-Triumph gemacht werden.

Für den dank der großzügigen Investitionen des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch zum internationalen Topclub aufgestiegenen Chelsea FC reichte es bisher nur zu einer Final-Teilnahme in Europas Eliteliga: Im Vorjahr verloren die "Blues" erst im Elferschießen im Moskauer Luschniki-Stadion gegen den englischen Liga-Rivalen Manchester United, der auch heuer wieder im Endspiel warten könnte.

Alle nationalen Titel - die Premier League (2005, 2006), den FA-Cup (2007), den Liga-Cup (2005, 2007) und den Community Shield (2005) - hat Chelsea in der Ära von Mäzen Abramowitsch (seit 2003) bereits geholt, doch der Gewinn der Champions League ist auch für den Oligarchen aus Saratow das höchste der Gefühle. Nicht umsonst bat der 42-jährige Russe nach der Trennung von Luiz Felipe Scolari, der Brasilien 2002 immerhin zum WM-Titel geführt, mit Chelsea aber die hochgesteckten Ziele nicht erreicht hatte, Mitte Februar seinen Freund Hiddink um den Gefallen, bis zum Saisonende als Chelsea-Trainer einzuspringen.

Geldlawine dank Abramowitsch
Der fußballverrückte Abramowitsch war bereits im Frühjahr 2006 bei der Bestellung des Niederländers als russischer Teamchef federführend gewesen, ebenso wie bei der Bezahlung des millionenschweren Jahressalärs von Hiddink. Erst im Dezember 2008 hatte der Milliardär, der auch diverse Nachwuchsprojekte in seiner Heimat finanzkräftig unterstützt, dem russischen Fußball-Verband fünf Millionen Dollar (3,77 Mio. Euro) zum Teamchef-Gehalt zugeschossen.

"Er hat sehr viel für den russischen Fußball getan. Jetzt möchte ich ihm etwas zurückgeben", lautete deshalb die Erklärung für Hiddink, warum er einwilligte, mehr als vier Monate die Trainer-Doppelbelastung Russland - Chelsea auf sich zu nehmen. Seither darf Abramowitsch wieder intensiv vom Champions-League-Triumph träumen, ist doch Hiddink für die Mission Europacup-Sieg der goldrichtige Mann, weil er die wichtigste Fußball-Club-Trophäe bereits 1988 als Coach des PSV Eindhoven geholt hat.

Erfolg mit Nationalteams
Seinen großen Namen hat sich Hiddink aber nicht als Club-, sondern als Nationaltrainer gemacht, denn mit all seinen Teams überstand er stets die Gruppenphase bei Großereignissen: In seiner Amtszeit als Bondscoach führte er die "Elftal" seines Heimatlandes zur EM 1996 in England, wo im Viertelfinale gegen Frankreich erst im Elferschießen (4:5 - 0:0 n.V.) das Aus kam. Und 1998 bei der WM in Frankreich wurden die groß aufspielenden Niederländer erst im Halbfinale von Titelverteidiger Brasilien im Elferschießen (2:4 - 1:1 n.V.) gestoppt und am Ende Vierter.

Diese WM-Platzierung wiederholte Hiddink 2002 mit Co-Gastgeber Südkorea (0:1 im Semifinale gegen Deutschland) und sorgte damit für eine der größten Sensationen der Fußball-Historie. Nach seinem Südostasien-Abstecher betätigte sich Hiddink zunächst wieder erfolgreich als Trainer beim PSV Eindhoven, den er 2005 bis ins Champions-League-Halbfinale führte. Doch nach dem insgesamt sechsten niederländischen Meistertitel mit PSV (1988, 1989, 1990, 2003, 2005 und 2006) wurde der ehemalige Defensivspieler erneut als fußballerischer "Entwicklungshelfer" aktiv - diesmal in Australien, wo Hiddink wieder für einen historischen Erfolg gefeiert wurde.

Australien und Russland
Unter der Führung des Mannes aus Varsseveld zogen die "Socceroos", die zuvor erst einmal eine WM-Endrunde (1974) erreicht hatten, 2006 in Deutschland als Gruppenzweiter hinter Titelverteidiger Brasilien erstmals in ein Achtelfinale ein. In diesem waren sie dem späteren Weltmeister Italien ein absolut ebenbürtiger Gegner, erst ein Elfergeschenk in letzter Minute an die "Squadra Azzurra" besiegelte das Aus der tapferen "Aussies", die Hiddink nach der WM in Richtung Russland verließ.

Dort wurde er der erste ausländische Fußball-Teamchef und deshalb anfänglich noch kritischer als seine Vorgänger beäugt. Doch durch die Erfolge der "Sbornaja" wurden sämtliche Skeptiker im größten Land der Welt eines Besseren belehrt. Und seit dem EM-Halbfinaleinzug wird Guus Hiddink als "Zaubertrainer" und Liebling der Massen in Russland teilweise sogar abgöttisch verehrt: So ist etwa im Dorf Maloretschensk nahe Aluschta am Schwarzen Meer ein lebensgroßes Hiddink-Denkmal errichtet worden.

(apa/red)