Der Titelverteidiger zeigt Temperament:
Griechen sind offen, laut und gefühlsbetont

Essen und Trinken spielen neben Religion große Rolle Fußball populärster Sport im Land der 9.841 Inseln

Der Titelverteidiger zeigt Temperament:
Griechen sind offen, laut und gefühlsbetont © Bild: Reuters/Karahalis

"Fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen", sagte schon Vergil. Nach ihrem Sieg bei der Europameisterschaft 2004 fehlt es dem stolzen Volk nicht an guten Voraussetzungen für die Euro 2008: "Wir Griechen sind offen, laut, temperamentvoll, gefühlsbetont und haben weniger Berührungsängste als andere Mitteleuropäer." So klingt es, wenn Marios Koptsas-Anastassiou über seine Landsmänner spricht. Seit 23 Jahren ist der griechische Musiker in Österreich, er ist Obmann des Vereins "Busuki", der sich die Pflege der griechische Kultur an die Fahnen geheftet hat.

"Trinkt, lebt wie die Griechen, fresst euch voll, schlachtet das Mastvieh", empfahl Plautus, Komödiant im alten Rom. Auf die Österreicher wird zur Euro einiges zukommen, die Hellenen wissen ihre Feste zu feiern. Essen und Trinken spielt neben der Religion die größte Rolle: "Bei uns sitzen wir bei Festen nicht um einen Tisch herum, da wird getanzt, gesungen und gegessen", erzählt er. Wie wichtig Essen ist, zeigt sich auch in den verwendeten Sprichwörtern: Statt "Vorsicht ist besser als Nachsicht" heißt es hier "Die Kinder der Vernünftigen kochen, bevor sie hungern." Oder auch "Eile backt das Brot, aber sie backt es schlecht", statt "Gut Ding will Weile haben."

Maria!
Nahezu jeder Grieche ist ein orthodoxer Christ, ein großer Teil hört auf den Namen "Maria". Es ist der weitaus beliebteste Frauenname, auch wahlweise abwandelbar in das männliche "Marios". Es ist daher wenig verwunderlich, dass das größte "Panigiria" oder Volksfest am 15. August zu Maria Himmelfahrt stattfindet. Weil der Namenstag in Griechenland um einiges wichtiger ist als der Geburtstag, ist das ein großer Tag für viele Familien.

"Panigiri" gibt es in jedem Ort, zu verschiedenen Zeiten und verschiedenen Anlässen. Zum Beispiel hat jede Stadt einen eigenen Schutzheiligen, dem natürlich ordentlich gehuldigt wird. "Es gibt Millionen von Bräuchen, aber das größte religiöse Fest ist sicherlich das Osterfest", erzählte Koptsas-Anastassiou. Von Gründonnerstag an besuchen die Griechen täglich den Gottesdienst, Mindestdauer: drei Stunden. Am Ostersonntag wird dann nach langem Fasten - zur Abwechslung - wieder gegessen. Ganz Griechenland gleicht dann einem Picknickplatz. Zur Feier der Auferstehung Christus fährt fast jede griechische Familie auf das Land und grillt ein Lamm im Freien.

Griechen trinken mehr Whisky als die Schotten
Fußball ist eindeutig die populärste Sportart in dem Land der 9.841 Inseln: "Auch dieses Jahr werden wieder alle mitfiebern", ist er sich sicher. Die Griechen bringen neben guter Stimmung aber auch das fehlende anglo-sächsische Flair nach Österreich: "Wir trinken wahnsinnig gern Whisky, sogar mehr als die Schotten", erzählte Koptsas-Anastassiou. Und: "Als wir 2004 die EM gewonnen haben, sind alle auf die Straße gegangen mit Fahnen und haben gefeiert, sogar die 80-jährigen Omas." Die Griechen sind daher auch nicht zimperlich, wenn es um Schlachtrufe geht. Der Bekannteste beginnt mit "Sikose to" - "Heb's hoch" - und bezieht sich auf den Pokal, der zu gewinnen ist. Darauf folgt eine Tirade von Schimpfwörtern, die Koptsas-Anastassiou besser nicht übersetzen will: "Schimpfen tun wir eigentlich auch gerne."

Rund 5.000 Hellenen leben in Österreich
Die Verbindungen zwischen Griechenland und Österreich reichen bis ins Jahr 1148 zurück. Damals heiratete Heinrich II. Jasomirgott die byzantinische Prinzessin Theodora Komnena. Im 17. und 18. Jahrhundert ließen sich dann viele Griechen in Österreich nieder. Davon zeugt unter anderem noch das alte griechische Viertel in der Wiener City, in dem sich auch die "Griechengasse" zwischen zwei orthodoxen Kirchen befindet. Heute leben rund 5.000 Hellenen in Österreich, die meisten davon in Wien, Graz und Linz. Touristisch gesehen betreiben die beiden Völker regen Austausch: Im Sommer zieht es die Alpenländler in den schönen Süden, im Winter die Hellenen nach Österreich.
(apa/red)