Der Test: Faymann gegen Molterer

Wie Kanzler-fit sind die Kandidaten?

Der Test: Faymann gegen Molterer © Bild: APA/Pfarrhofer

Was Werner Faymann und Wilhelm Molterer wirklich können. Wie Kanzler-fit die zwei Kandidaten sind.

Beide Herren haben grau melierte Haare und tragen meist graue Anzüge. Beide Herren sind seit Jahrzehnten Politprofis. Und doch ist es ihr erstes Mal. Ihr erstes Mal an der Spitze der Partei, das erste Mal als Kanzlerkandidat. Doch so ähnlich sich Werner Faymann und Wilhelm Molterer auf den ersten Blick auch sein mögen, so unterschiedlich sind sie. Der SPÖ-Spitzenkandidat, der mit dem Image des „Manns ohne Eigenschaften“ in den Wahlkampf startete, ist mittlerweile zur effizienten (Medien-) Wahllokomotive geworden. Er hat Freund und Feind mit seinen teils angriffigen Fernsehkonfrontationen gegen die anderen Spitzenkandidaten überrascht. Und er hat vor allem die ÖVP, die ihn in seinen eineinhalb Jahren als Regierungskoordinator stets als geschmeidig-kompromissbereiten Verhandler erlebt hatte, mit seinem populistischen Antiteuerungspaket auf dem falschen Fuß erwischt. Keine Frage, Werner Faymann hat die Chancen der SPÖ auf Verteidigung von Platz eins – und damit seine eigenen Kanzleraussichten – am Leben erhalten.

Der Herausforderer. Das liegt freilich auch an der wenig glanzvollen Performance seines schwarzen Herausforderers Wilhelm Molterer. Der VP-Chef mit dem Hang zur Sparsamkeit kämpft in diesem Wahlkampf nicht nur gegen die amtierende rote Nummer eins, sondern auch gegen Teile seiner eigenen Partei. Erst in den letzten Tagen vor der Wahl mischte die schwarze Giftküche Angriffsrezepturen gegen Faymann. Die ÖVP warnt vor „roter Schuldenpolitik“ und vor Rot-Blau. Die SPÖ kontert mit der „schwarzen sozialen Kälte“ und Schwarz-Blau. Doch wer ist der bessere Kanzlerkandidat? Was spricht für, was gegen die zwei Herren?

Kanzler-Check. Werner Faymann war 13 Jahre als Wohnbaustadtrat in der Wiener Landesregierung und 18 Monate Infrastrukturminister. Er gilt als Pragmatiker und Techniker der Macht. Seine Kritiker werfen ihm einen „zu engen Horizont und mangelnde internationale Erfahrung für den Kanzlerjob“ vor. Im Fadenkreuz der Kritik steht er aber vor allem wegen seiner extremen Nähe zu Hans Dichands „Krone“ und der Tageszeitung „Österreich“. Mediale Freundschaften, die ihm in diesem Wahlkampf freilich nicht zum Nachteil gereichten.

Wohl aber seinen Kontrahenten Molterer in die Defensive drängten, der etappenweise einen Wahlkampf gegen die „Krone“ führte. Molterer, der jetzige Vizekanzler und Finanzminister, weist eine mehr als zehnjährige Regierungserfahrung im Bund auf und galt als Klubchef unter Ex-VP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als perfekter zweiter Mann. Genau hier liege aber seine Schwäche, argumentieren Kritiker. Er habe sich nie aus dem langen Schatten Schüssels befreien können und stehe fürs Gestern statt für das Morgen.

Show versus Fadesse. Molterer, der Mann mit dem Spitznamen „Pater Willi“, verabscheut jegliche Polit-Show und bleibt stur bei seinem Konzept der „Verlässlichkeit und Seriosität“. Während Faymann teilweise auf Wahlkampf à la USA mit modernen Showelementen setzt. Beiden Herren drohen jedenfalls enorme Stimmenverluste in ihrem Kampf um Platz eins. Wer immer auch am Wahlsonntag am 28. September der „Sieger“ sein wird, er wird wohl das historisch schlechteste Ergebnis seiner Partei verantworten.

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