"Der Staat sollte mir helfen": Angriff auf Präsident Köhler war verzweifelter Hilferuf

44-jähriger Obdachloser packte Politiker "am Krawattl" Delogierung und Schulden: Ingenieur drehte durch

Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler war nach einer Veranstaltung von einem 44-Jährigen angegriffen worden. "Ich wollte ein Signal setzen, den Bundespräsidenten um Hilfe bitten", zitierte die "Bild"-Zeitung den Ingenieur. Wegen einer falschen Nebenkostenabrechnung habe er sieben Jahren rund 2.000 Euro zu viel zahlen müssen, später habe ihm sein Vermieter fristlos gekündigt. Anschließende Gerichtsprozesse habe er verloren.

Der Zwischenfall ereignete sich, als Köhler mit dem Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, dem israelischen Historiker Saul Friedländer, auf dem Weg von der Paulskirche zum Römerberg war. Der Mann bekam Köhler lediglich am Anzug zu fassen, ehe er rasch von Sicherheitskräften überwältigt wurde.

Wegen Hausfriedensbruch angezeigt
"Diese Tat war ein Alarmsignal", erklärte der Täter. "Der Staat sollte mir helfen." Im Jahr 2001 fuhr der Ingenieur aus Offenbach nach eigenen Angaben dreimal nach Berlin zum Bundespräsidialamt. "Immer wieder wurde ich vertröstet", sagte er dem Bericht zufolge. Beim dritten Mal sei er deshalb über den Zaun des Bundespräsidialamtes gesprungen und daraufhin wegen Hausfriedensbruch angezeigt worden. Den Angriff nach der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am Sonntag habe er eigentlich schon für vergangenes Jahr geplant, Köhler damals jedoch verpasst. Als der Bundespräsident nun aus der Frankfurter Paulskirche gekommen sei, habe er ihn umarmt. "Ich hätte ihn auch verletzen können, aber das wollte ich nicht", zitierte das Blatt den Mann.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt prüft derzeit strafrechtliche Schritte gegen den 44-Jährigen. Es wird untersucht, ob er wegen versuchter Körperverletzung oder versuchter Nötigung angeklagt werden kann. Mit einer Entscheidung werde jedoch erst kommende Woche gerechnet, sagte eine Sprecherin. Im Zuge der Ermittlungen wurde den Angaben zufolge auch die Wohnung des Täters durchsucht. Dabei sei jedoch nichts Relevantes entdeckt worden. Auch Hinweise darauf, dass der Täter besonders gewalttätig sei, gebe es nicht.
(APA/red)