"Der Sonntag war ein Lehrbeispiel": Heftige Diskussionen um Gewalt bei Wiener Derby

Edlinger: Für Hooligans heißt der "Außenfeind Polizei" Gehen Derbys bald ohne Auswärts-Fans über Bühne?<br>MITSTIMMEN: Hilft Stadionsperre für Auswärtsfans?

Zu heftigen Kontroversen führten die Ausschreitungen beim Wiener Derby zwischen Austria und Rapid auch bei der SPÖ-Sportenquete. Rapid-Präsident Edlinger und Bundesliga-Vorstand Pangl warfen der Exekutive vor, nicht deeskalierend vorgegangen zu sein. Der Leiter der nationalen Fußballinformationsstelle, Günther Marek, fordert dagegen die Vereine auf, Verantwortung zu zeigen.

"Der Sonntag war ein Lehrbeispiel", betonte Edlinger. Hardcore- Fans, "um den Begriff Hooligans zu vermeiden", hätten kaum noch politische Motive bei ihren Aktionen. "Der Außenfeind heißt Polizei." Wenn diese nicht versuche, deeskalierend vorzugehen, habe dies solidarisierende Effekte innerhalb der Fans. "Die Polizei ist nicht hineingegangen, nachdem Bänke geflogen sind, sondern die Bänke sind geflogen, nachdem die Polizei hineingegangen ist, um zwei Betrunkene zu verhaften", sagte Edlinger.

Pangl fragte, warum zunächst medial angekündigt worden war, das Match habe Testcharakter für die Sicherheit, weil Österreich in der Auslage stehe. Man habe damit erst auf die Bedeutung des Spiels und auf das Interesse der Öffentlichkeit daran hingewiesen. Außerdem erneuerte der Bundesligavorstand seine Kritik an der mangelnden Deeskalation seitens der Polizei.

Marek wies die Kritik Edlingers zurück: "Man muss sich die Vorgeschichte anschauen." Begonnen habe es mit der Demonstration der Rapid-Fans durch Favoriten. Dabei soll es schon erste Auseinandersetzungen gegeben haben.

Gehen Derbys bald ohne Auswärts-Fans über Bühne?
Die Sicherheitsvertreter würden es begrüßen, wenn Derbys künftig nur noch im sicheren, weil weitläufigen Happel-Stadion über die Bühne gingen. Dem kann Edlinger nichts abgewinnen, dafür aber könnte er sich eine andere Variante vorstellen, die Ausschreitungen bei Duellen der beiden Wiener Erzrivalen unterbinden würde. "Die Exekutive könnte solche Spiele im Vorfeld als Hochsicherheitsrisiko-Spiele bezeichnen und Zuschauer nur gemäß der UEFA-Richtlinien ins Stadion lassen."

Dies würde etwa bedeuten, dass im Horr-Stadion nur rund 5.500 Besucher Platz finden würden, da auf der West- und Osttribüne nur Stehplätze zu finden sind, die bei internationalen Spielen verboten sind. Auch mit der Maßnahme wie vor einem Athen-Derby Olympiakos - Panathinaikos, zu dem keine Fans der jeweiligen Auswärtsmannschaft zugelassen werden, könnte sich der Rapid-Präsident gegebenenfalls anfreunden.
(APA/red)