"Der wertvollste Sieg meiner Karriere": Hamilton in Monaco auf legendären Spuren

Erster englischer Sieger seit Graham Hill 1969 Vierfach-Seb als Glücksbringer für Toro Rosso

"Der wertvollste Sieg meiner Karriere": Hamilton in Monaco auf legendären Spuren

"And the winner is ..." wieder einmal McLaren-Mercdedes. Während Ferrari trotz Pole von Felipe Massa weiter seit 2001 auf einen Sieg in Monaco warten muss, haben die Silberpfeile mit Lewis Hamilton an der Spitze auch die 66. Auflage des prestigeträchtigsten Formel-1-Grand-Prix der Welt gewonnen.

Der 23-Jährige übernahm damit nicht nur die WM-Führung sondern wandelte auch in den Spuren von Legenden. Er siegte im Fürstentum als erster Engländer seit 39 Jahren (Graham Hill 1969) und gestand, dabei viel an Ayrton Senna gedacht zu haben.

"Wertvollster Sieg meiner Karriere"
"Das ist der wertvollste Sieg meiner Karriere und er bleibt es für den Rest meines Lebens. Selbst wenn ich hier nochmals gewinnen sollte", gestand Hamilton nach dem Rennen ein, dass sich hier mit seinem sechsten GP-Sieg gerade ein Bubentraum für ihn erfüllt habe. Nach der Formel 3 und der GP2 hat der britische Jungstar nun erstmals auch in der Formel 1 in Monaco gewonnen, nachdem er im Vorjahr beim Debüt noch verärgerter Zweiter gewesen war.

Mit viel Glück freilich, denn schon in der 6. Runde musste Hamilton nach einer Leitplanken-Berührung mit Reifendefekt an die Box. Danach brachte ihn nur eine Safety-Car-Phase wieder an den bereits weit voraus liegenden Massa heran und über die letzten Runden schleppte sich Hamilton nach dem Rosberg-Unfall mit einem schleichenden Patschen.

Mit viel Verstand aber auch, denn nach dem frühen Vorfall wechselte man bei McLaren blitzschnell von Drei- auf Zweistopp-Strategie und hatte damit den Nagel auf den Kopf getroffen. "Danach war ich so schnell, dass ich allen davonfuhr und mich das Team sogar bremsen musste", erzählte Hamilton lachend. "Ich hatte jedenfalls den Spaß meines Lebens."

Räikkönen WM-Führung weggeschnappt
Hamilton hat wie Weltmeister Kimi Räikkönen und Massa nun zwei Saisonsiege zu Buche stehen. Nach sechs Saisonläufen übernahm er mit 38 Zählern drei Punkte vor Räikkönen (35) auch die WM-Führung.

Mehr als das alles zählte für ihn aber der Sieg in Monte Carlo. Einem Rennen, dass er immer schon gewinnen wollte. "Ich habe früher alle Monaco-Rennen im Fernsehen angeschaut. Es ist die beste Strecke der Welt", schwärmte der dunkelhäutige Pilot.

Gegen Ende des chaotischen und vom Regen beeinträchtigten Rennens habe er viel an Senna und daran gedacht, wie oft der legendäre Brasilianer hier gewonnen habe (sechs Mal/Anm.) gedacht, erzählte Hamilton. Das klingt, als ob er selbst ebenfalls mehr vorhat. "Natürlich kann ich nicht hergehen und sagen, ich gewinne nächstes Jahr wieder. Aber ich werde es versuchen und ich hoffe, das heute war der Beginn von etwas ganz Großem", machte der Vizeweltmeister des Vorjahres aus seinen Ambitionen kein Geheimnis.

Bittere Pille für Ferrari
Kleinlaut musste hingegen Ferrari Monaco 2008 den Rücken kehren. Nach einer wahren Fehlerorgie bei Team und Fahrern reichte selbst die Massa-Pole nicht, um die seit 2001 andauernde Sieglosigkeit zu beenden. Während McLaren den bereits 15. Monaco-Sieg und nach dem Vorjahres-Triumph von Fernando Alonso das "Double" feierte, verlor man bei Ferrari Rennen und WM-Führung. Räikkönen boxte im Finish nicht nur sich selbst sondern auch Pechvogel Adrian Sutil, der im auf Platz vier liegenden Force India das Rennen seines Lebens fuhr, von der Strecke.

"Es tut mir leid für Adrian, ich konnte es nicht mehr verhindern", entschuldigte sich Räikkönen beim Deutschen, der kurzfristig in Tränen aufgelöst war. "Aber ich habe mich selbst dadurch ja auch um Platz fünf gebracht", beteuerte der Finne, der eingestand: "Das war ein weniger gutes Rennen von uns. Das Team und die Fahrer haben Fehler gemacht, für so etwas muss man eben einen Preis bezahlen". Er sei aber überzeugt, dass es in zwei Wochen in Kanada schon wieder besser laufe.

Jubel bei Red Bull
Das Räikkönen-Manöver wurde umgekehrt zum Glücksfall für Red Bull. Denn Mark Webber wurde dadurch im RB4 Vierter und holte zum bereits fünften Mal in Folge WM-Punkte. Der junge Sebastian Vettel wurde im nagelneuen und unerprobten Toro Rosso Fünfter. Es waren die ersten Saisonpunkte für den bisher vom Pech verfolgten Deutschen, der deshalb selbst nach einem Regenrennen bereitwillig ins Monaco-Hafenbecken sprang und nochmals nass wurde.

Glücksbringer könnte durchaus der "Vierfach-Seb" gewesen sein. Weil auch Rallye-Weltmeister Sebastien Loeb zu Gast in Monaco gewesen war, hatten sich auf der Energy-Station erstmals alle vier von Red Bull unterstützten "Sebastians" für ein Foto zusammengefunden. Loeb, die beiden Toro-Rosso-Fahrer Vettel und Sebastien Bourdais sowie der Schweizer Testpilot und GP2-Fahrer Sebastien Buemi.

(apa/red)