Wann ist der richtige
Zeitpunkt für...

... Entscheidungen, Hochzeit oder Mittagsschlaf? Das verrät Daniel H.Pink

Der richtige Zeitpunkt ist oft entscheidend im Leben. Das ist klar. Doch wann ist dieser richtige Zeitpunkt? Dies ist, so Daniel H. Pink, eine eigene Wissenschaft. Der Sprachwissenschaftler, Jurist und Redenschreiber für Al Gore hat sich mit dem – richtigen – Timing beschäftigt und gibt in seinem Buch „When – Der richtige Zeitpunkt“ Tipps für Übungen und Maßnahmen, um dieses zu optimieren.

von Zeitpunkt © Bild: iStockphoto

Verschiedene Untersuchungen bieten neue Einsichten über den Menschen – und stellen die Grundlage für einen nützlichen Leitfaden für effektiveres Arbeiten und besseres Leben, schreibt Daniel H. Pink im Vorwort zu seinem Buch „When – Der richtige Zeitpunkt“. Darin widmet sich der amerikanische Wissenschaftsjournalist, visionäre Denker und Autor für die „New York Times“ oder das Magazin „Wired“ der inneren Uhr des Menschen, die bestimmt, wie geistig und körperlich leistungsfähig wir sind.

Dass es diese innere Uhr gibt, ist weitgehend bewusst, doch Pink versucht in seinem Buch zu erklären, wie man sich dieser eigenen Rhythmen und Phasen bewusst werden kann, um in weiterer Folge besser zu schlafen, im Wachzustand fitter zu sein und dadurch Möglichkeiten für Höchstleistungen sowie ein gesünderes Leben für sich selbst zu eröffnen.

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Pinks sogenanntes „Zeithacker-Handbuch“ gibt Tipps und schlägt Maßnahmen und Übungen zum perfekten Timing – und dadurch besseren Leben vor. Zunächst einmal gilt es, herauszufinden, ob man, um es mit Pinks Worten auszudrücken, eine Lerche (ein Morgenmensch), ein Normalvogel oder eine Eule (Nachtmensch) ist. Dies hat man zwar meist im Gefühl, aber mittels eines Tests lässt es sich in dem Buch genau eruieren. In weiterer Folge gibt es dann konkrete Beispiele für den perfekten Zeitpunkt.

Eine wichtige Entscheidung

Eine wichtige Entscheidung soll nie nachmittags getroffen werden, denn egal welcher Typ man ist, gibt es am Morgen (früher oder später) positive, aktive, hoffnungsvolle Stimmung und am Nachmittag ein Tief, das gegen Abend wieder besser wird, so Pink.

Tipps für Nachteulen

Ist man bei Entscheidungen meist nicht an eine Uhrzeit gebunden, so ist man dies aber bei Meetings zum Beispiel. Was also sollen Nachtmenschen machen, wenn sie zu einem frühen Termin müssen? „Präventivmaßnahmen treffen“, rät Pink, und zwar in Form von einer Liste, die man etwa Abends anlegt mit allen Dingen die man beim Meeting braucht. Kurz vor der Konferenz empfiehlt er einen kurzen Spaziergang (zehn Minuten) sowie einem Kollegen eine kleine Freude zu machen, wie etwa Kaffee mitzubringen. Das hebe die Stimmung. Beim Meeting rät er weiters, besonders aufmerksam zu sein, die Fragen, die gestellt werden vor der Beantwortung zu wiederholen, damit man sicher geht, diese richtig verstanden zu haben.

Wann Sport machen?

Und wie sieht es mit dem richtigen Zeitpunkt für Sport aus? Das kommt drauf an, erläutert der Wissenschaftsjournalist. Am Morgen (noch vor dem Frühstück) wäre Sport am besten zur Fettverbrennung, Abends diene er jedoch mehr zur Stimmungsaufhellung. Nachmittags und Abends gäbe es zudem weniger Verletzungen und auch eher Höchstleistungen, da hier die Muskeln bereits warm sind.

Nachmittags-Tiefs überstehen

Und wie übersteht man diese Nachmittags-Tiefs am besten? Am besten mit einem kleinen Mittagsschlaf, rät Pink, sofern möglich. Dieser soll jedoch nicht beliebig stattfinden, sondern genau geplant werden. Zunächst gilt es, herauszufinden, wann das Tief genau ist (dazu einfach mehrere Tage lang beobachten). Bei den meisten Menschen findet es ziemlich genau sieben Stunden nach dem Aufstehen statt. Dauern sollte der Schlaf zwischen zehn und 20 Minuten. Davor (!) soll man bereits seinen Kaffee trinken, rät Pink, denn: Es dauert 25 Minuten bis das Koffein im Blutkreislauf angekommen sei – und würde dann genau mit dem Aufwachen wirken.

Gibt es, wie so oft, keine Möglichkeit zum Schlaf, rät der Experte zu verschiedenen Pausen (die sogar in einer Art To-Do-Liste vermerkt werden sollen, damit man sie auch wirklich macht). Von Mikropausen (einige Sekunden konsequent den Kopf heben und den Blick vom Bildschirm abwenden) bis zu gemeinsamen Pausen mit Kollegen oder einem Spaziergang in der Natur ist hier alles dabei.

Der richtige Anfang

Ist man bereits am Nachmittag angekommen, hat man bereits etwas hinter sich: Den Anfang. Doch wann ist dieser richtig getimt? Was den täglichen Arbeits- oder Schulbeginn betrifft, plädiert der Wissenschaftler aufgrund von Studien, diesen nach hinten zu verlegen. So wurde bei der US Air Force Academy der Unterrichtsbeginn nach hinten verschoben und je später die erste Stunde anfing, desto besser wurden die Noten. Die beste Anfangszeit für die Hochschule sei in etwa 11 Uhr, ergaben Studien.

Geht es darum, etwas größeres, wie größere Projekte oder Diäten oder ähnliches anzufangen, kann laut Pink jedes Datum gut sein, es müsse nur als individuell bedeutsam identifiziert werden (muss nicht der 1. Jänner sein, kann auch der Geburtstag des Kindes oder der eigene Namenstag sein). Weiters empfiehlt er, vor Projektstart Prävention zu betreiben, um nicht zu scheitern. Und zwar gerade dadurch, durch das Scheitern. Dies solle man Vorhersehen, nämlich alles was schief gehen kann. Durch die Fehler, die man im Kopf mache, würde man sie eher in der Realität vermeiden.

Wann als Erster?

Das perfekte Anfangs-Timing umfasst auch noch Tipps zu Startreihenfolgen. Wann soll man als erster in den Ring steigen – und wann nicht? So empfiehlt es sich bei schwacher Konkurrenz, unbekannten Situationen oder einer großen Anzahl von Mitbewerbern nicht den Anfang zu machen.

Heiraten, ja, aber wann?

Und wann soll man heiraten? Auch dafür hat Pink Ratschläge parat, die jedoch auch von Otto-Normalverbraucher-Eltern stammen könnten: Wenn man alt genug, nicht jedoch zu alt ist, seine Ausbildung fertig hat und die Beziehung gefestigt ist. Keine Antwort können übrigens sämtliche durchforstete Studien auf die Frage nach dem richtigen Scheidungs-Zeitpunkt geben.

Abwarten und Tee trinken

Gibt es denn auch, an denen es sich empfiehlt, einfach abzuwarten? Ja, sagt Pink, zum Beispiel bei einem Tief in gewissen Lebensphasen. Hier sei manches Mal abwarten das beste, nichts zu tun, denn „kein Schritt“ sei hier oft „der bessere Schritt“.

Das richtige Ende

Der Zeitpunkt, diesen Text zu beenden, ist nun gekommen. Doch wie macht man ein Ende so angenehm wie möglich? Da hat Pink Tipps für den Alltag, nämlich den Arbeitsalltag parat. Er rät, nicht, wie die meisten, so schnell wie möglich zu fliehen, wenn der Feierabend gekommen ist, sondern die letzten fünf Minuten zu nutzen, um dem Arbeitstag ein befriedigendes Ende zu geben, zum Beispiel in Form einer Liste, was man alles geschafft hat. Und bleibt noch eine Minute übrig, kann man auch jemandem ein Dankes-Mail schicken. Das helle die Stimmung auf.

Und so etwas schönes wie einen Urlaub? Auch dieser muss natürlich beendet werden. Am besten mit etwas besonderem, etwas schönem, denn „wie der Urlaub endet, bestimmt die Art und Weise, wie man später darüber berichtet“, erklärt der Timing-Experte. Wir hoffen, das Thema „Urlaub“ war nun auch für diesen Text ein passendes Abschlussthema, um in positiver Erinnerung zu bleiben.

Das Buch erhalten Sie hier (*).

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Daniel H. Pink ist amerikanischer Wissenschaftsjournalist und ehemaliger Redenschreiber des Vizepräsidenten Al Gore. Bekannt wurde er durch seine New-York-Times- und BusinessWeek-Bestseller "A Whole New Mind und Drive – Was Sie wirklich motiviert". Seine Bücher wurden bisher in 33 Sprachen übersetzt und allein in den USA mehr als eine Million Mal verkauft. Pink genießt den Ruf eines visionären Denkers und mitreißenden Sachbuchautors, seine Artikel zu Themen über Arbeitswelt, Wirtschaft und Technik erscheinen u.a. in der New York Times, der Harvard Business Review und im Magazin Wired. Er hält weltweit Vorträge über den Wandel der Arbeitswelt bei Unternehmen, Gesellschaften und Universitäten. Daniel Pink lebt mit seiner Familie in Washington, D.C.