Der europäische Reisemarkt im Umbruch:
Flexible Kunden brauchen flexible Angebote

Pauschalangebote in Zukunft nur moderat wachsend Neuausrichtung der Geschäftsmodelle erforderlich

Der europäische Reisemarkt im Umbruch:
Flexible Kunden brauchen flexible Angebote

Europäische Reiseveranstalter müssen ihre Geschäftsmodelle grundlegend überdenken. Da nationaler wie internationaler Reisemarkt im traditionellen Geschäftsmodell der Pauschalreisen zukünftig nur noch moderat wachsen, sind alternative Vertriebswege wie beispielsweise Online-Buchungen bzw. eine umfassende Betreuung der Gäste am Urlaubsort für einen zusätzlichen Umsatz erforderlich. Um am künftigen Wachstum des Tourismusmarkts teilzuhaben, müssen Reiseveranstalter viel flexibler sein sowie Marke, Produkt und Vertrieb konsequent auf das veränderte Kundenverhalten ausrichten. Das sind die Kernaussagen der aktuellen Studie "Europäischer Reisemarkt im Umbruch" von Mercer Management Consulting.

Europa ist nach wie vor der weltweit größte Tourismusmarkt. Die
Europäer haben im Jahr 2005 rund 982 Milliarden US-Dollar für private
Reisen ausgegeben. Im Jahr 2004 wurden die deutschen Urlauber mit
Ausgaben von 71 Milliarden US-Dollar für internationale Reisen erneut
Reiseweltmeister, gefolgt von den USA, Großbritannien, Japan und
Frankreich. Doch die Lage für die Reiseveranstalter ist trotz dieser
beeindruckenden Zahlen nicht rosig. Gemessen in Euro, das heißt ohne
die deutliche Abwertung des US-Dollars, die die weltweiten Statistiken verfälscht, ist der europäische Reisemarkt in den letzten Jahren nicht gewachsen, sondern sogar leicht geschrumpft.

Tief greifende Veränderungen im Kundenverhalten
"An die Stelle der Wachstumsdynamik ist die Veränderungsdynamik getreten", fasst Dieter Schneiderbauer, Leiter des europäischen Touristik- und Transportbereichs bei Mercer, den Wandel in Marktstruktur und Wettbewerbsumfeld zusammen. An die Stelle der klassischen Badeferien mit einer Länge von ein bis zwei Wochen treten heute mehrere kürzere Reisen. Zudem werden die Kundenanforderungen hinsichtlich Reiseart und -dauer, Angebotsqualität und Zusatzleistungen immer vielfältiger. Das Resultat: Die Nachfrage nach Pauschalreisen ist deutlich zurückgegangen - von 45 Prozent der gesamten Ferienreisen in Deutschland im Jahr 2001 auf nur noch 36 Prozent im Jahr 2004. Der Trend hin zum so genannten "De-Packaging", das Zusammenstellen der einzelnen Reisebausteine auf Internetplattformen durch den Kunden selbst, trifft den Kern des klassischen Veranstalterangebots.

Flexibilität wird entscheidender Erfolgsfaktor
In den letzten Jahren, die von starken Veränderungen gekennzeichnet waren, hat sich die Inflexibilität der Reiseangebote zunehmend als nachteilig erwiesen. Einige Veranstalter reagierten bereits darauf und passten ihr Geschäftsmodell an. TUI versucht beispielsweise, seine Kapazitäten bestmöglich auszulasten. Das Unternehmen hält eigene Flugzeuge für maximal 65 Prozent und eigene Hotels für maximal 15 Prozent der Kunden vor. Darüber hinausgehender Kapazitätsbedarf wird flexibel zugekauft. Einzelne Reisebausteine können die Kunden direkt bei den TUI-Leistungsträgern buchen, seien es Flüge, Hotels oder Incoming-Services wie etwa Ausflüge vor Ort. Der englische Veranstalter First Choice gestaltete sein Angebot neu und passte sein Kapazitätsmanagement an. Waren im Jahr 2000 noch 65 Prozent der Hotelkapazitäten von First Choice fix garantiert, sind dies 2004 nur noch 40 Prozent gewesen. Zusätzlich wurde etwa ein Drittel der Flugzeugflotte auf flexiblere Leasing-Verträge umgestellt. Die durchschnittliche Leasing-Laufzeit von sechs Jahren ermöglicht es zudem, jährlich ein Sechstel der Flugzeugkapazität zu reduzieren.

Individueller Weg durch schwieriges Gelände
Auch wenn sich das Umfeld in den letzten Jahren stark verändert hat, besitzt der Reisemarkt weiterhin großes Wachstumspotenzial. Die Reiselust insbesondere der Deutschen, Engländer und Schweizer ist ungebrochen. "Jeder Reiseveranstalter muss seinen eigenen Weg finden,
den Wandel erfolgreich zu meistern", so Schneiderbauer. "Was wir jedoch künftig von den erfolgreichen Veranstaltern sehen werden, ist ein flexibles Geschäftsmodell mit einer ausgeprägten Differenzierung des Angebots für die strategischen Kundensegmente und einer Professionalisierung des Kapazitäts-, Marken- und Vertriebsmanagements." (OTS/red)