Der Protestmotor ist ins Stottern geraten:
Weitere Audimax-Besetzung hat keinen Sinn

KOMMENTAR: Über ein mögliches "Kompromisserl"

Mit dem Weihnachtsfrieden im Audimax der Uni Wien wird es also offenbar nichts, die Besetzung durch die Studierenden soll auch über die Weihnachtsferien aufrecht erhalten werden. Allerdings könnten bald wieder Lehrveranstaltungen im größten Hörsaal der Uni Wien stattfinden - unter gewissen, noch zu erarbeitenden Bedingungen, wie die Besetzer wissen lassen. Dieses mögliche "Kompromisserl" zwischen den Audimaxisten und dem Uni-Rektorat könnte man getrost als typisch österreichische Lösung bezeichnen. Ein bisserl Besetzung für die einen, ein bisserl mehr Lehrveranstaltungen für die anderen.

Sollten die Vorschläge der Okkupanten von der Universitätsleitung akzeptiert werden, haben die Protest-Studenten wohl ihre letzte Chance verspielt, die sündteure Okkupation aufzugeben und stattdessen an ernstzunehmenden Konzepten zur Verbesserung der Situation im tertiären Bildungssektor weiterzuarbeiten. Das Verständnis der Öffentlichkeit für die teils absurden Forderungen der "Uni-brennt-Fraktion" und die Lahmlegung des Studienbetriebs ist sowieso schon seit längerem endenwollend.

Gewiss, die Audimax-Besetzung hat das von der Politik vernachlässigte Thema Bildung wieder aufs Tapet gebracht und das verantwortliche Wissenschaftsministerium zum raschen Handeln gezwungen. Den Hauch von Revolution, der durch die überfüllten Hörsäle wehte, empfanden viele als charmant. An Kreativität und rebellischem Eifer hat es den Besetzern sicherlich nicht gemangelt. Nicht umsonst wurden auch "Audimaxismus" zum Wort und "Reiche Eltern für alle" zum Spruch des Jahres 2009 gekürt.

Dennoch: Die anfänglich kraftvolle Protestbewegung ist bereits ordentlich ins Stottern geraten und läuft Gefahr, den argumentativen Boden unter den Füßen zu verlieren, sollte die Besetzung nicht baldigst ihr Ende finden. Wenn die Uni schon brennt, hilft weder Besetzen noch eine gemeinsame Party am Weihnachtsabend. Um vielleicht noch ein paar mehr "halbe Schritte in die richtige Richtung" zu tätigen und die Brände an den Unis zu löschen, ist nun endlich Konstruktivität seitens der Studierenden gefragt.

(jt)