Der Pleitegeier hat Europa im Visier: Jetzt drohen auch in der Euro-Zoone Staatspleiten

Das brächte die Währungsunion ernsthaft in Gefahr FORMAT: Griechenland und Italien sind Sorgenkinder

Der Pleitegeier hat Europa im Visier: Jetzt drohen auch in der Euro-Zoone Staatspleiten © Bild: APA/DPA/Tittel

In der „Financial Times Deutschland“ (FTD) wird nicht mit schwarzer Farbe gespart. „In den angelsächsischen Ländern“, liest man da, „fragen die Investoren mittlerweile nicht mehr, ob die Europäische Währungsunion zusammenbricht, sondern nur noch wann.“ Es gelte als „selbstverständlich“, dass Griechenland oder Portugal den Euro „bald aufgeben werden, weil gar kein anderer Ausweg bleibt“. Und dann folgt ein ebenso unerfreulicher Zwischentitel: „Von der Krise zur Katastrophe“. Ähnlich tönte in der Vorwoche George Soros in Davos.

Was Ewald Nowotny, der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, als „völlig theoretische Debatte“ qualifiziert, nämlich eine Explosion der Währungs­union, wird nicht nur in der FTD als durchaus realistisches Zukunftsszenario dargestellt. Auch die „Neue Zürcher Zeitung“ stellt die Pleite eines EU-Staates als „reale Gefahr“ dar, und der „Spiegel“ machte die Frage, ob ein Staatsbankrott bevorstehe, jüngst sogar zur Coverstory.

Zinsen werden unbezahlbar
Die Reihenfolge der Ereignisse, die zu einem Staatsbankrott führen könnten, wäre die folgende: Ein Land übernimmt sich in seiner Staatsverschuldung und sieht sich außerstande, den gestiegenen Schuldendienst zu bedienen. Es ist zahlungsunfähig: Staatsbankrott. Vorher steigen die Zinsen für die Staatsschulden dieses Landes noch ins Aschgraue, Unbezahlbare. Wenn, wie es in einer Währungsunion der Fall ist, dann der Wechselkurs der Währung dieses Landes kein Ausgleichsscharnier mehr darstellt (vor dem Euro konnte ein Land ja zu seiner Ent­lastung abwerten), dann werden Risikoaufschläge auf die Zinsen der staatlichen Schuldentitel zum einzigen Puffer.

Vertrauen in Problemländer schwindet
Zurzeit verschärft sich die Kluft zwischen den EU-Ländern dramatisch. Das Grundvertrauen der Anleger ist zerstört. Erstmals seit der Euro-Einführung werden Staatsanleihen aus den Problemländern Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Irland mit saftigen Risikoaufschlägen abgestraft. Sogar das ökonomische Schwergewicht Frankreich muss mehr Zinsen zahlen als Deutschland und Österreich – wobei auch Österreich den Deutschen im Anlegervertrauen nachhinkt. Von allen EU-Ländern scheint das Vertrauen in die Berliner Staatsfinanzen noch am ehesten ungebrochen.

Ukraine als warnendes Beispiel
Die – früher nur marginal auftretenden – Zinsdifferenzen zwischen den Ländern sind „ein Gegenstand ernster Besorgnis“, meint der EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung Joaquín Almunia. Auch der US-Ökonom und Euro-Experte Barry Eichengreen sorgt sich, ob „ein ­Euro-Mitglied wie Griechenland zahlungsunfähig wird“, und die Ratingagentur Standard & Poor’s hat jüngst die Kreditwürdigkeit Griechenlands, Portugals und Spaniens herabgestuft und Irland unter „verschärfte Überwachung“ gestellt.

Freilich – so schlimm es um manchen EU-Staat auch stehen mag (Großbritannien hat übrigens ebenfalls ein gewaltiges Banken- und Budget-, wenn auch nicht Staatsschuldenproblem): Verglichen mit der Ukraine oder auch Rumänien geht es diesen „westlichen“ Ländern noch gold.

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