Der Neue bei der AUA: FIRST sprach mit Sheikh Mohammed Ben Issa Al Jaber

Der geheimnisvolle Scheich und seine Liebe zu Wien Das ganze FIRST-Interview mit dem Öl-Millionär

Der Neue bei der AUA: FIRST sprach mit Sheikh Mohammed Ben Issa Al Jaber © Bild: FIRST/Ungar

Der Deal ist perfekt. Selfmade-Millionär und Big Player Sheikh Mohammed Ben Issa Al Jaber ist mit 150 Millionen Euro beim heimischen Luftfahrtsunternehmen Austrian Airlines eingestiegen. Aber wer ist der geheimnisvolle Saudi, der vor zwei Jahren wie aus dem Nichts im lauschigen Wien auftauchte und seither hinter den Kulissen bei der Neuordnung der Bundeshauptstadt mitmischt? FIRST sprach mit dem Selfmade-Millionär. Das Interview führte William Tadros.

FIRST: Wieso haben Sie ausgerechnet Österreich für Ihren Firmensitz gewählt?

Al Jaber: Österreich spielt eine große Rolle für Investments im Osten, könnte aber eine noch größere Rolle spielen. Neue Gesetze erleichtern den Investoren ihr Business. Wien hat eine gute Lage und gute alte und neue Beziehungen mit Osteuropa. Die Qualität österreichischer Firmen ist hoch, Manager und Arbeitskräfte sind auf hohem Niveau, weshalb Österreich eine gute Brücke zwischen internationalen Investitionen und Osteuropa abgibt. Darum habe ich entschieden, zusätzlich zu London und Paris eine Firmenzentrale auch in Wien zu eröffnen. Das ist eine langfristige Planung seit 15 Jahren, von hier aus werden wir in Zukunft nach Osteuropa gehen, weil die gesellschaftliche und politische Lage in den osteuropäischen Ländern jetzt dazu reif ist.

Verfolgen Sie Erdöl-Projekte in Österreich?

Das kommt vielleicht in Zukunft. Wir werden eine Aufstellung all unserer Projekte mit österreichischen Firmen veröffentlichen.

Wie viel haben Sie bisher insgesamt in Österreich investiert?

Über 200 Millionen Euro. Oder etwas darüber.

Welche Rolle kann ein arabischer Geschäftsmann in Europa spielen, um zwischen der westlichen und der islamischen Welt heute eine gute Beziehung zu schaffen?

Durch meine 25-jährige Präsenz in Europa habe ich viel von europäischer Wirtschaft, Kultur, Mentalität, Gedankenwelt mit bekommen, wie sie in Europa durch Jahrhunderte gewachsen sind. Ich sehe meine Aufgabe als Business-Mann darin, diesen Reichtum in die arabischen Länder zu tragen. Ich sehe darin die Aufgabe aller arabischen Geschäftsmänner im Westen, Grenzen und Geografie zu überspringen, um Weltbürger zu werden. Sie sollen westliche Bildung und Werte in ihre Länder tragen. Alles, was es in Europa gibt. Arabische Geschäftsmänner sollten in Europa mehr Disziplin und Verantwortung zeigen. Die arabischen Botschafter in Europa sind zum Beispiel alle ziemlich unfrei und durch die Politik ihrer Länder sehr beengt und befangen. Manchmal sagen sie Dinge, von denen sie überhaupt nicht überzeugt sind. Die Geschäftsleute sollten davon möglichst frei sein und ihre Business-Welt auch um kulturelle Freiheit bereichern. Erst wer Business und Kultur im gleichen Maße ausbalanciert, kann ein kluger und reifer Investor werden. Investieren ist letztendlich eine kulturelle Leistung. Die europäische Gesellschaft ist transparent, solidarisch und dem Gemeinwesen verpflichtet, was wir leider in unseren Gesellschaften nicht haben. Wir müssten mehr Loyalität dem Allgemeinwohl gegenüber aufbringen. Ich bin von der europäischen Welt begeistert.

Was denken Sie über Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Demokratie in arabischen Ländern?

Ich glaube, es gibt jetzt einen guten Neubeginn. Alle arabischen Länder schauen heute anders aus als noch vor zehn Jahren. Es gibt Fortschritte, in manchen Ländern werden Presse-und Meinungsfreiheit sogar mit Zwang entwickelt, andere haben sie nur unter Druck eingeführt. Letztlich können wir sagen, dass es einige positive Schritte in diese Richtung gibt. Aber leider kommen Veränderungen sehr langsam und kommen nicht von einem Tag auf den anderen. Das wichtigste aber ist, dass der Wille zur Veränderung da ist. Kritik war früher in unseren Ländern ein Tabu, aber jetzt sprechen wir schon mit einer anderen Sprache. Wir haben angefangen, Kritik und Toleranz in unsere Sprache aufzunehmen. Natürlich ist dies von Staat zu Staat verschieden. Ich wünsche mir, dass in den nächsten zehn Jahren, noch mehr Schritte Richtung Freiheit und Demokratie verwirklicht werden.

Sie sind UNESCO-Botschafter für Bildung im arabischen Raum. Was können Sie bewirken?

Anfang 2000 haben wir mit einem Projekt angefangen, alle Lehrpläne zu reformieren. 2003 haben wir ein UNESCO-Abkommen unterschrieben, wonach der Unterricht in arabischen Schulen und Universitäten zu Freiheit, Frieden und Demokratie motivieren soll. Dagegen gab es einen gewaltigen Protest. Reformen waren für den arabischen Raum ein großes Problem. Was mich aber schließlich gefreut hat: Auf der islamischen Konferenz Ende 2005 in Mekka wurde beschlossen, die Lehrpläne in allen islamischen Ländern zu verändern.

Es wird gesagt, Sie haben im Irak-Krieg eine große Rolle gespielt. Sie sollen am Sturz Saddam Husseins beteiligt gewesen sein. Inwiefern stimmt das?

Das hat das irakische Volk selber getan. Ich habe den Irak immer unterstützt und werde dies auch immer tun bis Irak ein großer selbstständiger Staat sein wird. Ich arbeite hart zur Entwicklung neuer Lehrpläne in den Schulen. Ich verfolge dort überhaupt keine wirtschaftlichen Ziele. Was im Irak derzeit passiert, geht vielfach auf die Einmischung der Nachbarländer zurück, die verhindern wollen, dass der Irak ein demokratisches Land wird. Aber das wird den Terroristen nicht gelingen, die Konflikte werden bald beendet und der Irak geht in naher Zukunft einer großen Aufbauzeit entgegen.

Und wie sehen Sie den Krieg durch Amerika und England?

Amerika und England haben ihre eigenen Söhne geopfert für die Befreiung des irakischen Volkes. Das ist ein großes Opfer, das das irakische Volk hoffentlich nie vergessen wird. Das größte Opfer in unserem Leben ist jenes, wenn ich mein Leben für die Freiheit eines anderen gebe.

Haben Sie sich auch im israelisch-palästinensischen Konflikt engagiert?

Die Israelis und Palästinenser müssen sich versöhnen und zusammen leben. Weil sie in einem Land leben. Ich persönliche unterschiede Menschen nicht nach Rasse oder Religion, das lehne ich total ab. Ich finanziere gemeinsam mit einer englischen Persönlichkeit ein Projekt, wonach palästinensische und israelische Studenten gemeinsam an der London University studieren. Das Ziel ist das Studium und das Zusammenleben gebildeten Menschen, die ein neues Klima des Miteinanders schaffen.

Wie beurteilen Sie den starken Konflikt des Westens mit dem Islam – Stichwort Mohammed-Karikaturen?”

Ich bin dagegen, die Religion wie eine Ware zu benützen. Es gibt das Sprichwort: Religion ist Opium fürs Volk. Wir leben in einer globalen Zeit. Keiner kann auf den anderen verzichten. Ich glaube als Botschafter der UNESCO an die Ziele und Prinzipien der UNO, genau wie der indischen Premier Nehru: UNO ist das Gewissen der ganzen Welt. Das wichtigste Prinzip der UNO aber ist Toleranz. Reaktionen auf den Karikaturenstreit waren gegen diese Toleranz.