Der starke Mann der Sozialdemokratie:
SPÖ-Chef Ritsch mit großen Ambitionen

Vorarlberger Parteichef kämpft um den zweiten Platz Scharfe Attacken brachten ihm "Wadlbeißer"-Image

Der starke Mann der Sozialdemokratie:
SPÖ-Chef Ritsch mit großen Ambitionen © Bild: APA/Stiplovsek

Der Bregenzer Michael Ritsch (41) ist der starke Mann der Vorarlberger Sozialdemokratie. Sein erklärtes Ziel bei der Landtagswahl 2009 ist das Halten des zweiten Platzes in der Wählergunst, zudem soll die SPÖ so stark werden, dass die Ländle-ÖVP nicht mehr allein regieren kann. In seiner Heimatstadt Bregenz wird Ritsch bei den Gemeinderatswahlen 2010 neuerlich versuchen, den amtierenden Bürgermeister Markus Linhart (V) vom Thron zu stoßen.

Nach dem Verzicht von Elke Sader auf Klub- und Parteivorsitz wurde Ritsch 2007 jüngster SPÖ-Chef in der Geschichte der Landespartei. Seinen Aufstieg dürfte er auch seinen Erfolgen bei den Gemeindewahlen 2005 zu verdanken haben: Als die SPÖ in der Landeshauptstadt die absolute Mehrheit der Volkspartei brach und Ritsch in einer Stichwahl um den Bürgermeistersessel kämpfte, geriet die ÖVP gehörig ins Schwitzen. Zur Erleichterung der Volkspartei unterlag er dabei dem Amtsinhaber. Einen Dämpfer musste die Bregenzer SPÖ unter Ritsch allerdings im März 2009 hinnehmen, als sich zwei Drittel der Bregenzer Bürger in einer von der SPÖ initiierten Volksabstimmung für das umstrittene neue Hafengebäude aussprachen.

Der Ruf als "Wadlbeißer"
Im Landtag, dem Ritsch seit Oktober 2004 angehört, startete der redegewandte Bregenzer in teils scharfem Ton gezielt Vorstöße gegen die Regierung, besonders gegen Landeshauptmann Herbert Sausgruber. Nachdem ihm daraufhin ein "Wadlbeißer"-Image anzuhängen begann, ging Ritsch - inzwischen auch Parteichef - zu einem gemäßigteren Ton über. Nach 35 Jahren in der Opposition strebt die SPÖ nun selbst in die Landesregierung, so sich die Möglichkeit biete, verkündete Ritsch im Vorfeld der Landtagswahlen. Realistische Chancen sieht der 41-Jährige aber erst nach dem Abgang Sausgrubers. Inhaltliche Anliegen sind Ritsch vor allem Sozial- und Gesundheitsthemen sowie der Bereich Wohnbau, dem er sich auch als Bregenzer Stadtrat intensiv widmet.

Zu den SPÖ-Granden - etwa zu Alfred Gusenbauer und Werner Faymann - pflegt der Vorarlberger SPÖ-Chef ein gutes Verhältnis, was sich mit der Einführung der Korridorvignette zwischen der Schweiz und Deutschland zeigte. Zwar brachte die Maßnahme nach Untersuchungen der Asfinag nur eine geringe Entlastung für den verkehrsgeplagten Großraum Bregenz, Ritsch erfüllte damit dennoch vielen Bregenzern einen Wunsch. Öffentliche Kritik an der Wiener Parteispitze vonseiten Ritschs ist selten. In bundespolitischen Anliegen nimmt der 41-Jährige seine Parteifreunde stets in Schutz und schiebt der mitregierenden ÖVP den Schwarzen Peter zu.

Keine Kurven in der Parteikarriere
Ritschs Parteikarriere verlief geradlinig: Er fing bereits mit 18 Jahren bei der SPÖ-Jugend an. 1990, vier Jahre später, fand sich sein Name auf der SPÖ-Liste bei Kommunalwahlen wieder. 1992 wurde der ehemalige Gendarm Gewerkschaftssekretär und galt bald als ehrgeiziges politisches Talent. 1995 machte er auf der Liste einen erheblichen Sprung nach vorne, er wurde Stadtrat in Bregenz, zuständig für Wohnungswesen und Jugend. Nach der Wahlniederlage 2000 blieb ihm noch das Wohnungswesen. Vier Jahre später zog Ritsch in den Landtag ein, im November 2007 übernahm er den Klubvorsitz.

Ritsch wurde am 9. Juli 1968 in Bregenz geboren. Er ist geschieden, Vater zweier Töchter im Alter von zehn und elf Jahren und lebt in einer Partnerschaft. Abstand von der Stadt- und Landespolitik gewinnt der SPÖ-Chef beim Joggen und auf Städtereisen.

(apa/red)