"Der Kunde bleibt auf der Strecke": ÖBB-
Betriebsrat Haberzettl kritisiert Management

Gewerkschafter: "Kunde in den Vordergrund stellen" Strukturreform 2004 als Ursache für viele Probleme

"Der Kunde bleibt auf der Strecke": ÖBB-
Betriebsrat Haberzettl kritisiert Management © Bild: APA/Fohringer

Wenn ein Betriebsratschef zum Rundumschlag gegen sein Unternehmen ausholt, ist Schluss mit lustig. So fällt auch Wilhelm Haberzettls Kritik an der Konzernführung schonungslos aus. Der mächtige rote ÖBB-Gewerkschafter gibt den Konzernchefs Nachhilfe in Sachen Management und hält ihnen vor, was seiner Meinung nach zuletzt alles schief gelaufen ist. "Wir müssen den Marktbereich wieder in den Mittelpunkt stellen", fordert der ÖBB-Betriebsratschef. Derzeit fielen die Entscheidungen sehr baubereichslastig: "Der Kunde bleibt auf der Strecke". Sein Wunsch an die neue ÖBB-Führung: Das Management müsse so agieren, "dass der Kunde im Vordergrund steht, nicht die Baufirma".

Mit der Strukturreform 2004 seien die ÖBB in die "schlimmste überhaupt vorstellbare Situation" getrieben worden, prangert Haberzettl die Bahnreform der schwarz-blauen Regierung an. Die zahlreichen Beschwerden von Kunden an der Bahn zeigten das Strukturproblem auf: "Wenn Unanständigkeiten im Betriebsalltag zur Regel werden, sind das Managementfehler". Es gebe gar keine Möglichkeiten mehr, flexibel auf Zugverspätungen oder andere Probleme zu reagieren, weil bei Personal und Betriebsmitteln zu viel gekürzt worden sei: "Hier wurde am falschen Platz gespart".

Sparen will Haberzettl hingegen bei der stark gewachsenen Führung: Durch die Reform 2004 habe sich die Zahl der ÖBB-Manager in der ersten Führungsebene versechsfacht, kritisiert er. Die Köpfe der ersten Führungsebene sollten um 40 Prozent reduziert werden. Durch die Reform entstandene Doppelgleisigkeiten seien noch lange nicht beseitigt: Durch die Wieder-Zusammenführung der Infrastruktur Bau und der Infrastruktur Betrieb gebe es dort nun alle Strukturen doppelt, das sei auch eine Aufgabe für den "internen Arbeitsmarkt".

Frühpensionisten verteidigt
Die Kritik am niedrigen Pensionsantrittsalter bei den ÖBB will der Gewerkschafter so nicht im Raum stehen lassen. "Huber und Nigl waren die fleißigsten Zwangspensionierer der ÖBB", verweist er auf den ehemaligen Bahnchef und den früheren Personalchef der Bahn. So seien Mitarbeiter in Pension geschickt worden, die Leistungen dann privatisiert und die Arbeit privat vergeben. Auch sei die frühe Pension für die Betroffenen finanziell kein gutes Geschäft: Wer etwa mit 52 in den Ruhestand geschickt werde, habe 17 bis 20 Prozent Abschläge auf die Pension zu verkraften - und zwar auf ewig. Die neue Vorgabe von Infrastrukturministerin Doris Bures (S), das Pensionsantrittsalter bei der Bundesbahn jährlich um ein Jahr anzuheben, hält Haberzettl für durchaus machbar.

Die Kür des künftigen ÖBB-Vorstandschefs Christian Kern, Wunschkandidat der Sozialdemokraten, sei im Aufsichtsrat einstimmig erfolgt - auch mit den Stimmen des ÖVP-Freundeskreises - und die Industriellenvereinigung habe dem Verbund-Manager Kern fast Rosen gestreut. Dies könne "ein neuer konstruktiver Anfang" werden, meint Konzernbetriebsratschef Wilhelm Haberzettl.

Andererseits wolle die ÖVP den Güterverkehr privatisieren und mache auch in anderen Bereichen Druck auf die Privatisierung - eine Teilprivatisierung des Güterverkehrs wäre aber aus Sicht Haberzettls "grob fahrlässig". In besseren Zeiten würden hier die besten Erträge erwirtschaftet. Haberzettl vermisst überhaupt ein Grundsatzbekenntnis des Koalitionspartners zur ÖBB - die ÖVP solle sich endlich zur "Anerkennung des eigenen Kindes" durchringen.
(apa/red)

Kommentare

Warum kriegen ausgeschiedene, unerfolgreiche Vorstände noch Abfertigungen nachgeschmissen Herr Haberzettl ? Ein Privater wäre längst pleite ,wenn so wenig wie bei der Bahn gearbeitet wird,so früh in Pension gegangen wird und so großzügige Managerbezüge ausbezahlt werden !

überraschung lieber herr oberbetriebsrat!
ihre haltung kann ich nicht nachvollziehen das öbb\'ler in die pension gehen ,wo andere noch arbeiten (stahlarbeiter e.t.c)mein vater wahr noch heizer auf einer dampflock das wahr noch knochen arbeit aber nicht heute.die verantwortung ist heute noch genau so groß wie damals aber leichter.kommen sie von ihrem hophen roß runter und stellen sie sich der realität.
mfg.

Seite 1 von 1