Der große Kampf um die Unentschlossenen:
Wer kann bei den 2,8 Mio. Wählern punkten?

NEWS: Rekordwert an unentschiedenen Wählern Österreicher von Regierung enttäuscht und verärgert

Der große Kampf um die Unentschlossenen:
Wer kann bei den 2,8 Mio. Wählern punkten? © Bild: APA/Parigger

Der Kampf wird beinhart. Denn auch die Parteien wissen, dass das Match noch völlig offen ist: Bis zu 2,8 Millionen der 6,3 Millionen Wahlberechtigten wissen siebeneinhalb Wochen vor der Nationalratswahl noch nicht, wem sie ihre Stimme geben wollen. Das ist eine Rekordzahl. Denn einerseits zählt die Bindung an eine Partei immer weniger. Und noch nie wurden in so kurzer Zeit so viele WählerInnen von einer Regierung enttäuscht und verärgert.

Das heißt auch, dass besonders viele der SPÖ- und ÖVP-Wähler vom letzten Mal sich frustriert in den sogenannten Wartesaal zurückgezogen haben - und beobachten, wer ihnen welches Angebot für die Wahl macht. Schließlich sind die beiden Kanzlerkandidaten neu in dieser Funktion. Meinungsforscher orten besonders viele ehemalige SPÖ-Wähler in Warteposition. Und noch eine Unsicherheit macht Ifes-Chefin Imma Palme aus: "Selbst diejenigen, die angeben, schon entschlossen zu sein, sind nicht fix entschlossen. Sie können ihre Meinung noch ändern." Mit so viel Bewegung waren weder Meinungsforscher noch Wahlwerber bisher konfrontiert.

Möglicher Erdrutschsieg
Luigi Schober, Chef der Werbeagentur Young & Rubicam, der den letzten Nationalratswahlkampf für die SPÖ und davor den Präsidentschaftswahlkampf betreute, glaubt überhaupt an einen Erdrutsch: Er ortet bis zu 60 Prozent Unentschlossene - "Ich kenne nur Unentschlossene" - und erwartet diesmal extreme Wählerbewegungen. An deren Ende könnten dann drei annähernd gleich große Parteien zwischen 23 und 28 Prozent liegen.

ÖVP baut ab
Für die aktuelle Sonntagsfrage, die das market-Institut für NEWS stellte, wurden die erhobenen Rohdaten auf die Parteien hochgerechnet. Das Ergebnis zeigt die Beweglichkeit: Gegenüber der Umfrage vor vier Wochen hat die ÖVP vier Prozentpunkte eingebüßt, liegt aber mit 29 Prozent vor der SPÖ mit 26 Prozent. Die FPÖ, die schon auf 22 Prozent geklettert war, hat auf 20 Prozent abgebaut, die Grünen halten bei 14 Prozent. "Und derzeit haben", sagt market-Chef Werner Beutelmeyer, "BZÖ, Liberales Forum und die Liste Dinkhauser Chancen auf den Einzug ins Parlament."

Junge, Protestwähler, Gebildete
Grundsätzlich gilt, sagt Politikforscher Peter Ulram vom Institut Fessel-GfK: "Je jünger die Wahlberechtigten, desto weniger sicher sind sie, wen sie wählen werden." Dazu kommen die weniger Gebildeten, die bei Wahlen ihren Protest ausdrücken. Es haben sich aber auch viele Grün- und Dinkhauser-Sympathisanten noch nicht festgelegt, weiß Ulram. Andreas Kirschhofer, Chef des Imas-Instituts, sieht neben den jüngeren Wählern auch Großstädter und Menschen mit höherer Bildung, die klassische Wechselwähler sind und ihre Entscheidung erst spät treffen. Und wie sind die Unentschlossenen zu gewinnen? Peter Ulrams Rat: "Sie tunlichst nicht verärgern."

Faymann in günstiger Position
Mariusz Jan Demner von Österreichs erfolgreichster Werbeagentur Demner, Merlicek & Bergmann sieht den von ihm betreuten Werner Faymann dabei in einer günstigen Position: "Der neue und daher noch nicht so profilierte Mann hat dabei eine sehr gute Ausgangsposition. Die SPÖ macht den Unentschlossenen mit ihm ein neues Angebot." In der ersten Werbe-Welle gehe es um die Distanz vom erlebten Streit und die Botschaft: Da ist einer, der es anders macht. Das wird nicht more of the same. Das musste schnell gehen, erklärt Demner: "Sonst festigt sich die enttäuschte Haltung der Wähler, und der Frust entlädt sich in Protest oder Stimmenthaltung. Danach freilich werden inhaltliche Angebote stehen." Die zielen, und das überrascht nicht, unter anderem auf den Kampf gegen die Teuerung und für "soziale Wärme". Die Kunst dabei werde sein, es so klar und "verdaulich" zu bringen, dass man damit glaubwürdig punkten kann. Das, davon ist Werber Demner überzeugt, wird Faymann auch gelingen.

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