Der große Goldrausch hat nun eingesetzt:
Metall genießt Ruf eines sicheren Hafens

Gold kann im schlimmsten Fall nicht wertlos werden Aufwärtstrend bei Festgold hält bereits seit Jahren an

Der große Goldrausch hat nun eingesetzt:
Metall genießt Ruf eines sicheren Hafens © Bild: APA/dpa

Kaum ein Investment hat derart von der Finanzkrise profitiert wie das Gold. Die Nachfrage hat die Vorräte von Banken und Münzhändlern praktisch aufgezehrt. Offen ist allerdings, ob das hohe Preisniveau anhält.

Das edle Metall ist heute gefragt wie schon seit 25 Jahren nicht, die Hersteller von Münzen und Barren kommen mit der Produktion kaum nach. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise stürmen die Anleger nämlich weltweit die Goldvorräte. Und das, obwohl der Preis für das gelbe Metall seit seinem Höchststand von 1014 Dollar im Juli 2008 längst wieder auf 730 Dollar Ende Oktober nachgegeben hat.

Gold kann im schlimmsten Fall nicht wertlos werden
Aber wie nachhaltig ist der aktuelle Goldrausch nun wirklich? Schon die letzte Preisrally Ende der siebziger Jahre entpuppte sich als bloße Spekulationsblase. Danach galt das edle Metall jahrelang als langweiliges Investment, das nicht einmal Zinsen brachte und zudem auch noch lästige Lagerkosten verursachte. Derzeit sind die Experten freilich davon überzeugt, dass sich der Preis für Gold seit einigen Jahren in einem langfristigen Aufwärtstrend befindet, der durch die aktuelle Finanzkrise weiteren Auftrieb bekommen hat.

Wer von der Entwicklung des Goldwerts profitieren will, muss aber nicht unbedingt auf Barren und Münzen zurückgreifen, sondern kann auch auf spezielle Wertpapiere ausweichen – beispielsweise auf Minenaktien. Damit besitzt man zumindest einen kleinen Anteil an den Minen der Rohstoffkonzerne. Und mit dem Kauf eines entsprechenden Branchenfonds kann man sein Geld gleich über ein ganzes Portfolio an Minengesellschaften streuen.

Gold-Zertifikate riskant
Eine weitere Möglichkeit zu investieren, ist auch der Kauf von Zertifikaten, die den Goldpreis abbilden. „Solche Wertpapiere sind aber keine Alternative für jene, die das gelbe Metall als sicheren Hafen aufsuchen“, warnt Marcus Fasching, Ögussa-Geschäftsführer. Zertifikate seien bloße Schuldverschreibungen: Muss der jeweilige Emittent zusperren, könnte das Geld weg sein, weist Fasching auf die Gefahr eines solchen Investments hin. Deshalb waren für viele Anleger Zertifikate offenbar auch nicht die Antwort auf die Krise. Sie wollten lieber das physische Gold in Händen halten.

Nachfrage steigt seit Jahren
Doch Gold ist nicht erst seit Ausbruch der aktuellen Krise ein begehrtes Metall. Tatsächlich nimmt die physische Nachfrage schon seit Jahren zu und erreichte im Vorjahr laut dem Edelmetall-Consultant Gold Field Mineral Services (GFMS) 3518 Tonnen. Zwei Drittel davon landen jährlich in der Schmuckbranche. Diese spielt vor allem in den Schwellenländern eine besonders große Rolle, wo glänzende Juwelen ein wichtiges Statussymbol sind. In den vergangenen Jahren ist der Wohlstand in diesen Regionen noch dazu kräftig angestiegen. Das hat die Nachfrage nach Schmuck weiter angeheizt, besonders in Indien, dicht gefolgt von China. Weitere 461 Tonnen landen in der Industrie und in der Zahntechnik. Etwas größer ist die Nachfrage hingegen von Investoren, die im Vorjahr 656 Tonnen einkauften – rund 27 Prozent der Gesamtnachfrage.

China überholt Südafrika
Allerdings: Während das edle Metall immer begehrter wird, schrumpft zugleich die Förderung. Und das könnte langfristig den Preis weiter antreiben. Allein im Vorjahr sank die Minenproduktion gegenüber 2006 um 0,4 Prozent auf 2435 Tonnen. Vor acht Jahren wurden – zum Vergleich – noch 2573 Tonnen gefördert, ein historischer Spitzenwert, wie GFMS errechnet hat. Seither kämpft vor allem der einst größte Produzent Südafrika mit schweren Rückgängen. Vor rund zehn Jahren produzierte das Land jährlich 600 Tonnen. Im Vorjahr wurden nur noch 270 Tonnen gefördert, wodurch Südafrika auf Platz zwei unter den Förderländern abgerutscht ist – hinter China. Während speziell die südafrikanische Minenindustrie mit einer Reihe von Streiks und einer veralteten Infrastruktur zu kämpfen hat, machen der gesamten Branche zudem die hohen Energiekosten zu schaffen, welche die Produktion enorm verteuern. Dazu kommt, dass jahrelang nur jene Lagerstätten ausgebeutet wurden, die am günstigsten zu bearbeiten waren. Vor allem in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es wenig Anreiz zu investieren. Damals sank der Goldpreis auf einen Tiefstand von 300 Dollar – weitere Preisrückgänge wurden befürchtet. Deshalb fingen viele Minengesellschaften an, ihre Förderungen auf Jahre hinaus mit Termingeschäften abzusichern, anstatt sich dem freien Markt auszusetzen.

Wichtige Funktion als Wertsicherung
Im Gegensatz zu Papiergeld kann das edle Metall nicht beliebig vervielfältigt werden. Allerdings hat diese Eigenschaft wiederum etwas Positives an sich: Gerade in Zeiten hoher Inflation hat eine Anlage in Gold eine wichtige Funktion als Wertsicherung. Branchenexperten meinen, dass der Aufwärtstrend durch den jüngsten Rückgang des Goldpreises keineswegs gebrochen ist.

Den ganzen Artikel lesen Sie im aktuellen trendINVEST 05/08!