"Der schönste und der beste Gegner":
'Hicke' freut sich auf Duell mit Deutschland

Teamchef sieht DFB-Elf als den klaren Favoriten Rückendeckung für schwachen Andreas Ivanschitz

"Der schönste und der beste Gegner":
'Hicke' freut sich auf Duell mit Deutschland © Bild: APA

Der Tag des Entscheidungsspiels in der Gruppe B gegen Deutschland rückt näher, und bei Österreichs Teamchef Josef Hickersberger ist die Vorfreude auf das Duell mit dem großen Rivalen deutlich spürbar. "Für mich ist das der schönste und beste Gegner", erklärte der 60-Jährige und wies in diesem Zusammenhang unter anderem auf seine sechsjährige Tätigkeit als Spieler in der deutschen Bundesliga hin.

Seit dieser Zeit seien ihm die Deutschen "sehr sympathisch", sagte Hickersberger, der nach eigenen Angaben vor dem Match "voller Emotionen" steckt. Er richtete vor dem emotionsgeladenen Match die Bitte an das österreichische Publikum, Respekt vor der Hymne des Gegners zu zeigen. "Denn die hat ja ein Österreicher (Anm.: Joseph Haydn) komponiert. Mir hat imponiert, dass die Polen während unserer Hymne applaudiert haben, das können wir glaube ich auch."

Besser vorbereitet als im Februar
Bei aller Fairness im Vorfeld der Partie - mit österreichischen Geschenken auf dem Rasen darf der dreifache Welt- und Europameister laut "Hicke" nicht rechnen. "Ich bin überzeugt, dass wir am Montag bessere Voraussetzungen als am 6. Februar haben. Zu diesem Zeitpunkt waren die Spieler der österreichischen Bundesliga gerade in der Endphase der Vorbereitung."

Dennoch habe man die Deutschen in dieser Partie gehörig in Bedrängnis gebracht. "Es ist uns in diesem Spiel gelungen, Deutschland Paroli zu bieten. Wir haben etliche Chancen vorgefunden. Wenn wir nur die Hälfte davon am Montag haben, würde das schon viel bedeuten können", vermutete Hickersberger, der bis zum Anpfiff verstärkt an der auch gegen Polen sichtbar gewordenen Abschlussschwäche seines Teams arbeiten will. "Aber mit ein paar Tagen Training kann man keine Weltklasse-Stürmer erzeugen."

Die Ausgangsposition ist für den Teamchef klar. "Es geht um alles oder nichts, um den Aufstieg oder das Ende unserer Träume. Daher freue ich mich besonders, dass Deutschland unser Gegner ist." Er hoffe, dass seine Truppe eine ähnlich gute Tagesform wie in der ersten Hälfte gegen Polen erwische, "und dann brauchen wir wie immer gegen große Nationen auch etwas Spielglück, das wir gegen Kroatien und Polen nicht gehabt haben".

Welches System führt zum Erfolg?
Im Moment beschäftigt den Niederösterreicher vor allem die Frage, mit welchem System man gegen die Deutschen am ehesten reüssieren könnte. "Es geht darum, wie wir unsere Chancen, zu gewinnen, am besten optimieren und Deutschland am meisten in Bedrängnis bringen können", sagte Hickersberger, der sich in punkto Taktik aber wenig überraschend in Schweigen hüllte und offen ließ, ob seine Mannschaft mit einer Dreier- oder Vierer-Kette beginnen wird.

Das System werde sich in jedem Fall an den Qualitäten des Konkurrenten orientieren. "Man muss sich schon auf die Spielweise Deutschlands einstellen. Es ist nicht so, dass wir unser Ding spielen können und auf die Stärken der Deutschen keine Rücksicht nehmen müssen", meinte Hickersberger.

Besonderen Respekt zeigte der ÖFB-Betreuer vor DFB-Kapitän Michael Ballack. "Er ist für mich der Schlüsselspieler der Deutschen, ein absoluter Weltklassespieler. So viele davon hat Deutschland nicht, aber er ist einer", erklärte "Hicke", der auch vor den Stürmern Miroslav Klose und Mario Gomez warnte.

"Deutsche haben Lufthoheit"
Vor allem deren Kopfballstärke und der deswegen besonders schmerzvolle Ausfall des gesperrten Sebastian Prödl bereiten Hickersberger Kopfzerbrechen. "Die Deutschen haben die Lufthoheit. Das können wir trotz der Eurofighter nicht gebrauchen."

Ebenfalls im Magen liegt dem Nationaltrainer die Fähigkeit der DFB-Auswahl, sich nach Rückschlägen schnell wieder zu steigern. "Ich vermag mich nicht wirklich zu erinnern, wann Deutschland zuletzt zweimal hintereinander verloren hat." So lange ist dies jedoch noch nicht her, zuletzt verloren die Deutschen zwei Pflichtspiele in Folge bei der EM 2000 - 0:1 gegen England und 0:3 gegen Portugal.

Allein schon aufgrund der nach der Niederlage gegen Kroatien angespannten Stimmung im eigenen Land werden Ballack und Co. laut Hickersberger alles versuchen, so schnell wie möglich wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. "Die Deutschen werden ganz anders auftreten als gegen uns im Februar oder gegen Kroatien. Sie werden uns ernst nehmen und mit großem Einsatz bei der Sache sein."

Auch deswegen befinde sich seine Mannschaft in einer klaren Außenseiterrolle. "Man gewinnt nicht oft gegen Deutschland, zumindest nicht als österreichische Nationalmannschaft", mahnte der Teamchef, ergänzte aber auch: "Es ist nicht mehr so wie früher Gary Lineker gesagt hat, dass beim Fußball am Ende immer die Deutschen gewinnen."

Rückendeckung für Ivanschitz
Die Partie wird laut Hickersberger "interessant und spannend bis zum Schluss", auf alle Eventualitäten könne er allerdings nicht vorbereitet sein. "Es ist wie beim Schach: Man hat für die Eröffnung einen Plan und spielt eine bestimmte Variante. Aber nicht einmal ein Schach-Weltmeister hat für jede Situation einen Plan, das gibt's auch im Fußball nicht - zumindest nicht bei mir."

Neuerlich nahm der Teamchef den bisher bei der EM unter den Erwartungen gebliebenen Andreas Ivanschitz in Schutz, den er "besser gesehen hat, als er von den Medien benotet wurde, auch wenn er noch nicht so präsent wie in den Testspielen gegen Deutschland und die Niederlande war. Aber ich habe Vertrauen zu ihm. Er ist Kapitän und wird es bleiben".

(apa/red)

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