"Der Euro buchstabiert Europa": Sarkozy legt in Davos starkes Bekenntnis zu Euro ab

Sarkozy will Abschaffung des Euros niemals zulassen Bankmanager sollen mehr Verantwortung übernehmen

"Der Euro buchstabiert Europa": Sarkozy legt in Davos starkes Bekenntnis zu Euro ab © Bild: EPA/Gillieron

"Wir werden dem Euro niemals den Rücken kehren, wir werden den Euro niemals aufgeben." Mit diesen Worten bekannte sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zur europäischen Währung. Weniger rühmliche Worte hatte er hingegen für die Bankenchefs übrig.

"Der Euro buchstabiert Europa", betonte der französische Staatspräsident in Davos. Er könne da auch für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen. Frankreich und Deutschland hätten drei barbarische Kriege hinter sich. "Jetzt ist Europa der stabilste Kontinent der Welt", sagte Sarkozy. "Wir lassen niemals zu, dass der Euro abgeschafft oder zerstört wird." Wer gegen den Euro spekuliere, sollte vorsichtig sein, worin er investiere. "Frau Merkel und ich werden niemals - hören Sie mir zu: niemals - den Euro fallen lassen."

Mit dem Vorstandschef der US-Investmentbank JP Morgan Chase lieferte sich das streitlustige französische Staatsoberhaupt einen Schlagabtausch über die Verantwortung der Banken für die Finanzkrise. Sarkozys Plädoyer für Vertrauen in den Euro traf in dem Schweizer Nobel-Skiferienort auf ein Publikum, das schon mit zuversichtlichen Einschätzungen zur Überwindung der Euro-Schuldenkrise überhäuft worden war.

Sogar der "Doktor Doom" genannte Schwarzseher unter den amerikanischen Ökonomen, Nouriel Roubini, der als einer von wenigen die Finanzkrise kommen sah, äußerte sich optimistisch über die Zukunft der europäischen Währungsunion. Der Chef der weltgrößten Werbeagentur WPP, Martin Sorrell, sagte, er sei verblüfft über das wachsende Vertrauen von Volkswirten und Vorstandschefs in die Fähigkeit der Euro-Zone, ihre Schuldenprobleme zu überwinden.

Lob von Morgan Chase
Die Euro-Länder haben auf dem Höhepunkt der Krise Griechenlands einen Rettungsschirm aus dem Boden gestampft, der in diesen Tagen für das erste Land in seiner Obhut, Irland, erfolgreich Milliarden am Kapitalmarkt einsammelte. Derzeit ringen die Mitglieder der Währungsunion darum, den Rettungsfonds noch zu verstärken und eine Wirtschaftskoordinierung neuer Qualität zu vereinbaren, um schwache Staaten aus der Krise zu ziehen.

Der Chef von JP Morgan lobte den Kampf der Regierungen gegen die Schuldenspirale. "Denn wenn sie nicht hier reparieren, werden sie dort reparieren - und das ist das Bankensystem", sagte Dimon. Er hatte in einem Panel geklagt, das Eindreschen auf die Banker müsse ein Ende haben. Es sei "unproduktiv und unfair". Nicht alle Geldhäuser könnten in einen Topf geworfen werden, kritisierte Dimon, dessen Bank die Krise unbeschadet überstanden hat.

Sarkozy wettert gegen Banker
Für die Banken hatte Sarkozy kein Lob über. "Die Welt hat mit zig Millionen Arbeitslosen bezahlt, die waren überhaupt nicht Schuld und haben für alles bezahlt", schnauzte Sarkozy Dimon an. "Das hat eine Menge Wut ausgelöst, eine ganze Menge." Er gönne den Bankern ihre Boni, wenn alles gut laufe, ergänzte der Franzose. "Aber wenn es nicht klappt, findet man keinen Verantwortlichen mehr." Die Bankmanager müssten dann auch die Verluste teilen. Auch auf Dimons Appelle, bei der Regulierung nicht über das Ziel hinaus zu schießen, ging Sarkozy ein. Er habe gar nichts gegen Verbriefungen. "Aber wenn ein Offshore-Land Garantien abgibt, die sein Bruttoinlandsprodukt 700 Mal überschreiten, sind wir dann in einer Marktwirtschaft oder einem Irrenhaus?

Abfuhr an Spekulation auf Rohstoffmärkten
Sarkozy, der derzeit auch die Rolle des Präsidenten der G-20-Gruppe bekleidet, hatte schon vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt, mit strengeren Regeln den Einfluss von Spekulanten an den Rohstoffmärkten eindämmen zu wollen. Spekulation und Armut schaukelten sich gegenseitig hoch, sagte er. Der Handel benötige mehr Transparenz. Spekulanten dürften große Mengen an Rohstoffen nicht länger ohne jeglichen Einsatz an Geld handeln.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier demonstrierte unterdessen in Brüssel, dass er mit Sarkozy auf einer Linie ist. Die EU-Kommission hatte in dieser Woche die Veröffentlichung eines Papieres abgesagt, in dem der Zusammenhang von Spekulation an Terminmärkten und den Preisen für Agrarrohstoffe verneint wurde. Barnier sagte dennoch, Sarkozy habe Recht, wenn er dieses Thema angehen wolle und kündigte weitere Regulierungen an. So will er in Betracht ziehen, nach dem Vorbild der US-Warenterminbörse in Chicago Limits für Handelspositionen zu ermöglichen.

(apa/red)