Der peinliche Erbstreit im BZÖ

Es ist geradezu rekordverdächtig, wie schnell aus der Trauer um den Unfalltod Jörg Haiders ein fröhliches Hauen und Stechen um seine Nachfolge geworden ist. Da besorgen es sich die Petzners, Westenthalers, Scheibners und Scheuchs hinter den beim Gedenkgottesdienst im Klagenfurter Dom noch Kamera tauglich vors Antlitz gehaltenen Taschentüchern bereits in wildester Raubritter-Manier. Das könnte man fast denken, es handelt sich um die Nachfolge in einem Kaiserhaus.

Dabei wird das Erbe Jörg Haiders wohl ganz schnell zusammen schmelzen. Denn das BZÖ war immer nur er. Alle anderen Personen waren bestenfalls Nebendarsteller in der großen Jörg-Haider-Show, die meisten allerdings nicht mehr als willige Aktentaschenträger. Was mich nervt, ist der fehlende Weitblick vieler Politiker anderer Parteien, die allen möglichen und unmöglichen Nachfolgern Jörg Haiders jetzt schöne Koalitionsaugen machen. Klar, es gibt 21 orange Mandatare im Parlament. Die stellen für die nächsten fünf Jahre eine durchaus respektable politische Größe dar.

Nur ist ausgesprochen fraglich, wie lange diese 21 Mandatare wirklich unter dem dach des BZÖ vereinigt bleiben. Da werden wohl bald die etwas flexibleren und schlaueren Abgeordneten mit fliegenden Fahnen zur FPÖ überlaufen, um dort auch für die Zeit nach der nächsten Wahl Chancen auf eine Fortsetzung ihrer Politkarriere zu haben. Da werden einige auf Freistaat Kärnten machen – und höchstwahrscheinlich langsam aber sicher in der politischen Versenkung verschwinden. Und da würden dann andere Parteien mit ausgesprochen unsicheren Partnern in einer möglichen Koalitionsregierung dastehen, die sicherlich mehr mit internen Streitigkeiten und der Sicherung der eigenen Karriere beschäftigt sind als mit der Arbeit zum Wohle Österreichs.

Und gerade in Zeiten einer großen Wirtschaftskrise wollen die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes wenigsten eine Regierung, auf die sie sich in den nächsten sicherlich schwierigen Jahren verlassen können. Da ist kein Platz für mathematische Koalitionsspielchen.