Der neue Chef von Renault im Interview:
"Wir werden 9000 Jobs streichen müssen"

FORMAT: Patrick Pélata über Absatzeinbrüche Übertriebene Ängste und gestrichene Autoprojekte

Der neue Chef von Renault im Interview:
"Wir werden 9000 Jobs streichen müssen" © Bild: Reuters/Benoit Tessier

Patrick Pélata, neuer Chef von Renault, spricht im FORMAT-Interview über die Bedrohungslage für die Automobilindustrie und Ängste vor Protektionismus.

Format: In der Krise werden derzeit bisher oft undenkbare Kooperationen überlegt. So gibt es Gerüchte, BMW und Mercedes könnten künftig wesentlich enger zusammenarbeiten als bisher. Wären neue Kooperationen auch für Renault ein Weg?

Pélata: Wir haben mit Nissan schon seit Jahren eine funktionierende Partnerschaft und sind froh, in so einer schwierigen wirtschaftlichen Lage keine neuen Kooperationen ausprobieren zu müssen.

Format: Auch Fusionen werden nach Ansicht von Experten zunehmen. Wird Ihr Konzern da mitmischen?

Pélata: Nein, wir richten unsere Aufmerksamkeit auf unseren eigenen Konzern. Aber dass es nach der Krise weniger Autohersteller als bisher geben wird, ist sicher. Solange der Boden nicht erreicht ist, werden wir aber keine Aktionen sehen. Außerdem scheitert es noch an den Finanzierungen.

Format: Der Umsatz Ihres Konzerns ist 2008 um sieben Prozent gesunken, der operative Gewinn ist um 80 Prozent eingebrochen. Wie wollen Sie auf diesen Rückgang reagieren?

Pélata: Das Kundenverhalten hat sich grundlegend geändert. Luxusautos verkaufen sich derzeit schlecht. Wir werden daher drei Projekte der gehobenen Klasse, die 2012 und 2013 auf den Markt hätten kommen sollen, auf Eis legen. Wir stellen etwa den Nachfolger der Großraumlimousine Espace zurück. Dafür wollen wir uns noch stärker auf unser Angebot bei Kleinwagen konzentrieren.

Format: Die Autoabsätze der Kleinwagen Renault Clio und Twingo haben sich gut gehalten. Beim Billigauto Dacia, der ebenfalls zu Ihrem Konzern gehört, ist das Geschäft praktisch zusammengebrochen. Wie erklären Sie sich das?

Pélata: Zum einen ist der Heimmarkt Rumänien fast völlig zum Erliegen gekommen. Zum anderen wurden so viele Autos mit hohen Rabatten verkauft, dass der Dacia sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis nicht richtig ausspielen konnte. Sobald die hohen Lagerbestände abgebaut sind, wird auch die Nachfrage steigen.

Format: Werden auch Jobs gestrichen werden müssen?

Pélata: Wir müssen 9.000 Stellen streichen. Mehr ist nicht nötig, aber ich spreche nur für 2009.

Format: Peilen Sie ein bestimmtes Unternehmensziel an?

Pélata: Sinkende Margen und ein höherer Geldbedarf haben unseren Cashflow 2008 auf minus 3,1 Milliarden Euro gedrückt. Durch unseren strikten Sparkurs und das Ziel, nur so viele Autos wie nötig zu produzieren, wollen wir rasch wieder einen positiven Cashflow erzielen.

Format: Die Pläne der französischen Regierung, die Autoindustrie mit staatlicher Milliardenhilfe zu unterstützen, sind in vielen Ländern Europas nicht gut angekommen. Was halten Sie von den Vorwürfen, französische Autohersteller würden so einen Wettbewerbsvorteil erhalten?

Pélata: Die Ängste sind größer als die tatsächlichen Gefahren eines Protektionismus. Es wird ohnehin jede Regierung ihre Autoindustrie stützen, das ist normal. Die USA machen es bereits, Japan und Spanien werden folgen. In Europa sind zwölf Millionen Menschen von der Autoindustrie abhängig, es wäre dumm, ihnen nicht zu helfen.

Format: Wie sieht die staatliche Hilfe konkret aus?

Pélata: Der Staat gewährt uns einen Kredit zu einem Zinssatz von sechs Prozent. Am Markt müssten wir jetzt neun Prozent zahlen. Vor der Krise waren es im Schnitt 3,4 Prozent. Das ist ein Darlehen zu vernünftigen Bedingungen, sollte aber nicht überbewertet werden.

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