Der größte Boxkampf des Jahrhunderts:
"Rumble in the Jungle" wird 35 Jahre alt

Muhammad Ali forderte Weltmeister George Foreman "Ali, boma ye!": 100.000 begeisterte Fans in Kinshasa

Der größte Boxkampf des Jahrhunderts:
"Rumble in the Jungle" wird 35 Jahre alt © Bild: APA/DPA/Archiv

"Ich lebe in Amerika, aber Afrika ist die Heimat des schwarzen Mannes. Vor 400 Jahren war ich ein Sklave, und nun fahre ich nach Hause, um bei meinen Brüdern zu kämpfen." Mit diesen Worten machte sich Muhammad Ali im September 1974 auf den Weg nach Zaire zum wohl "größten Boxkampf aller Zeiten". Dort wartete mit George Foreman der ungeschlagene Weltmeister und ein gefürchteter K.o.-Schläger.

Der heute berühmt-berüchtigte Box-Promoter Don King hatte die Idee zu diesem Box-Spektakel und fand in Mobutu, dem damals noch mächtigen Diktator von Zaire, einen Geschäftspartner, der bereit war, zehn Millionen Dollar für die propagandaträchtige Inszenierung des "Rumble in the Jungle" zu investieren.

Wegen einer Verletzung Foremans mußte die Begegnung um fünf Wochen verschoben werden. Ali nutzte diese Verzögerung, um seinen übermächtigen Gegner schon im Vorfeld k.o. zu schlagen und lange vor dem Kampf zu einem "afrikanischen König" zu werden. Während er nämlich aufgrund seiner politischen Haltung, die ihn in den USA zum "Staatsfeind" machte, in Afrika bekannt und beliebt war, wussten die Bürger Zaires über Foreman nur wenig. Aber nicht diese "Unwissenheit", sondern vor allem seine eigene sollte "Big George" zum Verhängnis werden: Foreman brachte seinen Schäferhund mit nach Kinshasa und schockierte damit die Zairer, da die ehemaligen, belgischen Kolonialbesatzer mit ebensolchen Hunden gegen die lokale Bevölkerung vorgegangen waren. Es war also ein leichtes für den wortgewandten "Rapper" Ali, als Repräsentant des unterdrückten Afro-Amerikas schnell zum "local hero" aufzusteigen. Für Foreman blieb dagegen nur die verhasste Rolle des schwarzen Vertreters weißer Interessen.

"Ali, boma ye!"
Angefeuert von 100.000 enthusiastischen Zuschauern, die "Ali, boma ye!" ("Ali, töte ihn!") riefen, schaffte dann Ali am 30. Oktober 1974 die Sensation und stieß den als "unschlagbar" geltenden Foreman vom Box-Thron. Es war die erste Niederlage für den K.o.-König, der 37 seiner bis dahin 40 Kämpfe vorzeitig gewonnen hatte. Auch gegen Ali begann er druckvoll, doch seine gefürchteten Schlagkombinationen verfehlten ihre Wirkung.

"Ist das alles, was du drauf hast George", hatte ihm Ali immer wieder zugeflüstert, ehe bei Foreman mit zunehmender Kampf-Dauer die Kräfte schwanden und er in der achten Runde K.o. ging. Ali hatte den "Koloss" seine Kräfte verzehren lassen und dann eiskalt mit zwei schnellen Links-Rechts-Kombinationen zugeschlagen. Während Foreman bereits zu Boden ging, hatte Ali noch die Chance, einen weiteren Kopftreffer zu landen, zog aber zurück.

Von wegen "They never come back"
Ali hatte den Titel, den man ihm sieben Jahre zuvor aufgrund seiner Wehrdienstverweigerung aberkannt hatte, wieder zurückgewonnen. Mit diesem Sieg hatte er ein weiteres Kapitel seiner Legende geschrieben. Ali wird von vielen Box-Fans und Journalisten als "The Greatest" bezeichnet. George Foreman, der bis zu diesem Tag alle seine 40 Profikämpfe eindrucksvoll gewonnen hatte, erholte sich nur langsam von der Schmach. Doch seine Karriere ging durchaus erfolgreich weiter. Aus dem arroganten Boxer wurde mit der Zeit ein freundlicher, glatzköpfiger Prediger, der in den späten achtziger Jahren noch einmal eine zweite erfolgreiche Box-Karriere hatte. Heute sieht man ihn im amerikanischen Shopping-TV, wo er für seine "George Foreman Lean Mean Fat Reducing Grilling Machine" wirbt.

(apa/red)