Der Börsencrash geht in die nächste Runde:
Panikverkäufe in Japan drücken auf Nikkei

Zentralbank pumpt Rekordsumme in den Finanzmarkt Versicherungsinstitut muss jetzt Konkurs anmelden

Der Börsencrash geht in die nächste Runde:
Panikverkäufe in Japan drücken auf Nikkei © Bild: Reuters

Dafür hatten Händler in Tokio nur noch ein Wort: Horror. Eine panikartige Flucht ausländischer Anleger bescherte der Aktienbörse der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt den größten prozentualen Tagesverlust seit dem Crash am "Schwarzen Montag" im Oktober 1987. Um 9,62 Prozent oder 881,06 Punkte stürzte der vor allem aus Titeln der Elektronikbranche zusammengesetzte Nikkei in den Keller und schloss beim tiefsten Stand seit fast fünfeinhalb Jahren von 8.276,43 Punkten.

Hinter den Panikverkäufen an der Börse, wo der Nikkei in den vergangenen sieben Handelstagen um rund 27 Prozent abgesackt ist, steht die Angst, dass sich die nicht enden wollende Finanzkrise zu einer globalen Krise mit verheerenden Folgen für die Realwirtschaft auswächst. Vor allem Japans Exportwirtschaft bekommt nun die Folgen zu spüren. So leidet der führende Autobauer Toyota unter der sinkenden Nachfrage in den USA und Europa und muss Medien zufolge seine Ertragsprognose fürs laufende Geschäftsjahr deutlich senken.

Prognosen zurückgeschraubt
Die Volkswirte bei Nomura Securities revidierten angesichts der gewaltigen Probleme der Finanzinstitute in den USA und Europa sowie der Börseneinbrüche ihre Prognosen sowohl für Japan wie auch die USA und Europa nach unten. Es könne sein, dass alle drei Regionen schon in der Rezession steckten. Mit einer "moderaten Stabilität" sei erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres zu rechnen, mit einer echten Erholung aber nicht vor 2010. Derweil denkt die japanische Regierung über ein weiteres "Super-Notprogramm" zur Ankurbelung der Wirtschaft nach.

Noch scheint die Lage jedoch nicht ganz so schlimm wie die Börsencrashs es vermuten lassen. So ist es um China, das für Japan inzwischen zum größten Handelspartner vor den USA geworden ist, nach Einschätzung von Experten noch relativ gut bestellt. Doch was, wenn die Krise nach den USA und Europa auch Asien voll erfasst? Gerade die schnell aufstrebenden Wachstumsländer sind auf einen ungehinderten Finanzfluss angewiesen. Wenn Asien, das für Japan zum wichtigsten Exportmarkt und Produktionsstandort geworden ist, in die Knie geht, wäre das für die zweitgrößte Volkswirtschaft der eigentliche Horror.

Untergang der New City Residence Investment
Dass Japan, das sich bisher weitgehend verschont von den Folgen der US-Hypothekenkrise glaubte, nun immer tiefer in den Strudel gerissen wird, zeigt der Untergang des ersten japanischen Immobilien-Trustfonds (REIT) New City Residence Investment. Viele Marktteilnehmer sind geschockt, weil gerade die gelisteten REITs in den vergangenen Jahren stark zugelegt hatten und nicht nur von Einzelanlegern, sondern auch vielen Finanzinstituten gehalten werden.

Hinzu kommt der Untergang des mittelgroßen Lebensversicherers Yamato Life Insurance. Die fast 100 Jahre alte Yamato musste am Freitag mit Schulden von 269,5 Mrd. Yen (1,96 Mrd. Euro) Gläubigerschutz beantragen. Es ist der erste Zusammenbruch in Japans Versicherungsbranche seit sieben Jahren und zugleich die erste Pleite eines Finanzinstituts in direkter Folge der globalen Krise. Regierungsvertreter bezeichneten die Pleite von Yamato Life unter Verweis auf deren äußerst riskantes Geschäftsmodell zwar als Einzelfall. Doch Ökonomen schließen weitere Zusammenbrüche nicht aus.

Zahl der Pleiten gestiegen
Im vergangenen Monat ist die Zahl der Pleiten in Japan rasant um 34 Prozent gestiegen, so stark wie seit acht Jahren nicht mehr. Wegen der globalen Krise, aber auch wegen der eigenen Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts halten sich Japans Banken mit Krediten an den Unternehmenssektor stark zurück. So kam es jüngst zu einer ganzen Serie an Pleiten im japanischen Immobiliensektor. Dies wiederum trifft die Regionalbanken, von denen einige schon wanken sollen.

Die Frage, inwieweit die Marktbewertungen der Unternehmen des Landes noch fallen werden, bevor sich der Einstieg wieder lohnt, vermag derzeit niemand zu beantworten. Als Folge der Wertvernichtung an der Aktienbörse sind die japanischen Unternehmen trotz eines Jahrzehnts an Reformen und Restrukturierungen und trotz ihrer enormen Bargeldbestände inzwischen regelrecht zu Schleuderpreisen zu haben. Doch nach Einschätzung von Experten wird diese Situation genauso wenig anhalten wie es die Höhenflüge einer Finanzmarktblase tun.
(apa/red)