Der Aufreger dieses Wahlkampfs: FPÖ-
Chef Egger muss viele Spagate bewältigen

Nach "Exil-Juden"-Sager nicht mehr in der Regierung Spagat zwischen Liberaler Linie und Strache-Linie

Der Aufreger dieses Wahlkampfs: FPÖ-
Chef Egger muss viele Spagate bewältigen © Bild: APA/Pfarrhofer

Bei seiner ersten Landtagswahl als Spitzenkandidat und noch ziemlich unbeschriebenes Blatt kassierte FPÖ-Obmann Dieter Egger (40) 2004 eine Ohrfeige. In bewegten Jahren mit seiner Partei, die sich 2005 zwischenzeitlich von der Bundesorganisation abspaltete, hat sich Egger aber als unumstrittener Ländle-FPÖ-Chef bewiesen. Seine "Blauen" sieht er nun wieder obenauf. Im Vorfeld der Landtagswahl verkündete Egger, man wolle die absolute Mehrheit der ÖVP brechen und wieder zweitstärkste Kraft werden. Mit dem Sager über den Direktor des Jüdischen Museums Hohenems ("Exil-Jude aus Amerika") hat Egger für den Aufreger des Wahlkampfs gesorgt, Landeshauptmann Sausgruber schließt daher eine Fortsetzung der ÖVP-FPÖ-Koaltion nach der Wahl aus.

Egger muss neben der Aufarbeitung dieses Skandals in seiner Funktion als Parteichef und Regierungsmitglied gleich mehrere Spagate schaffen. Die Übermacht der ÖVP in der Landesregierung, deren einziger FPÖ-Landesrat Egger ist, macht es dem Hohenemser schwer, sich zu profilieren - zumal ihm vom Riesenressort von Vorgänger Hubert Gorbach nach der Wahlniederlage 2004 nur mehr wenig medienwirksame Bereiche wie Hochbau, Wasser- und Abfallwirtschaft blieben. So balanciert Egger mit seinem fünfköpfigen Landtagsteam stets auf einem schmalen Grat zwischen Regierung und Opposition, von der ÖVP gelegentlich daran erinnert, was vom "kleinen" Regierungspartner erwartet wird.

Egger selbst sieht seine Partei als eine, die die ÖVP mit ihren Ideen vor sich her treibt, als Verteidiger der Heimat und der gesellschaftlichen Werte. Als sich etwa die ÖVP dazu veranlasst sah, eine hochkochende Diskussion um den Bau von Minaretten mit einem rasch initiierten "Verhinderungs"-Gesetz zu beenden, verbuchte das die FPÖ als Erfolg für sich.

Spagat zwischen Vorarlberg und Wien
Auch innerparteilich fällt der Spagat manchmal schwer. Traditionell sind die Vorarlberger Freiheitlichen eher liberal ausgerichtet. Wenn auch offiziell zwischen Egger und Bundespartei-Chef Heinz-Christian Strache bestes Einvernehmen herrscht, kommt im Ländle die Wiener Wortwahl bisweilen nicht gut an. Bei der jüngsten EU-Wahl verzichtete Egger darauf, "Abendland in Christenhand" plakatieren zu lassen. Dies sei nicht der Stil der Ländle-FPÖ, entgegnet Egger, der sich mehr als Sachpolitiker verstanden wissen will. Für die Landtagswahl lehnte Egger bereits im Vorfeld den befürchteten "Ausländer-Wahlkampf" ab.

Egger folgte dem 2003 als Minister nach Wien gewechselten Gorbach als geschäftsführender Parteiobmann und Landesstatthalter (Landeshauptmannstellvertreter) nach. Angesichts einer dünnen Personaldecke erwies sich der Unternehmer mit jugendlich-frischem Anpacker-Image als beste Wahl. Manchen zu glatt und zu wenig kantig, bemühte er sich sogleich um Profil. Beim ersten Wahlgang unter Egger, der Landtagswahl 2004, wurde die Ländle-FPÖ infolge des inferioren Zustands der Bundespartei aber halbiert und fiel auf 12,9 Prozent (minus 14,5 Prozentpunkte) zurück.

Zuerst weg und dann wieder da Wenig später musste er einen weiteren Sturm überstehen: Die Abspaltung des BZÖ kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, kurz vor der Vorarlberger Gemeinderatswahl 2005. Um zu retten, was zu retten war, trennte Egger seine Landespartei von der Bundes-FPÖ, um sich ein Jahr später nach einigen Unfreundlichkeiten wieder einzugliedern. Im Juni 2008 wurde Egger als Parteiobmann mit 94,95 Prozent bestätigt.

Der FPÖ-Chef wurde am 13. Jänner 1969 in Hohenems geboren. 1995 stieg er als Stadtvertreter und Fraktionsobmann der Freiheitlichen in die Politik seiner Heimatstadt ein. 1999 wurde er Landtagsabgeordneter, im Jahr 2000 Klubobmann. Egger ist seit 1990 verheiratet, er hat einen Sohn und eine Tochter. Seine Freizeit verbringt er am liebsten in der Natur und beim Tennis.

(apa/red)

Kommentare

Politik braucht mehr Persönlichkeiten und weniger (gar keine) Sprücheklopfer Manche Politiker, die offensichtlich nicht mit Leistungen aufwarten können, versuchen ihren mageren Bekanntheitsgrad vor einer Wahl noch schnell durch provokante und dumme Sprüche zu erweitern. Dass dieser weithin unbekannte An-Ecker so ungebildet ist, dass er nicht einmal weiß, dass eine Botschaft vom Empfänger interpretiert wird und niemals vom Absender, ist traurig für ihn. Man kann auch nicht jemanden Duzen, mit dem das nicht ausgemacht ist und wenn sich der so angesprochene das verbietet, dann sagen "ja mei, das Du-Wort ist doch kein Schimpfwort".
Bedauernswert sind solche stillosen und bildungsbedürftige Zeitgenossen.

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