Der "Amerikanische Traum" in 2 Versionen:
Zwei Einwandererkinder kämpfen um Macht

Demokrat Angelides weist auf griechische Wurzeln hin Wirtschaftsstandort: "Arnie" gegen höhere Steuern

Bei den kalifornischen Gouverneurswahlen am 7. November können die Wähler zwischen zwei Kandidaten auswählen, die beide Einwanderer-Biographien aufweisen: Der in der Steiermark geborene Arnold Schwarzenegger (59), seit drei Jahren amtierender Gouverneur und vorher Hollywood-Filmstar und Bodybuilder, wird vom kalifornischen Finanzminister Phil Angelides (53) herausgefordert, dessen Großeltern aus Griechenland in die USA eingewandert waren.

Amtsinhaber Schwarzenegger und sein Herausforderer Angelides vertreten zwar beide den "Amerikanischen Traum", heißt es in einem Kommentar von Robert Salladay in der "Los Angeles Times": Beide sind Multimillionäre, obwohl sie bzw. ihre Familien ursprünglich arm waren, und haben die Chancen in den Vereinigten Staaten genutzt. Doch die beiden haben verschiedene Lehren aus ihrer Geschichte gezogen. Der Republikaner Schwarzenegger setzt auf die Eigeninitiative und sieht daher staatliche Unterstützung als überflüssig an, während der Demokrat Angelides darauf verweist, wie wichtig die "helfende Hand" des Staates auch für den sozialen Aufstieg ist.

Beide Kandidaten verweisen auf arme Kindheit
Diese unterschiedliche Interpretation des "Amerikanischen Traums" durch Schwarzenegger und Angelides wirkt sich im laufenden kalifornischen Wahlkampf aus. Zwar verweisen beide auf ihre bescheidenen Wurzeln - so schildert der 1947 in Thal bei Graz geborene Schwarzenegger, wie er in seiner Kindheit und Jugend in der Steiermark durch die Armut in der Nachkriegszeit eingeschränkt war. Als er in die USA kam, habe er nur ein paar Dollar in der Tasche gehabt und sich aus eigener Kraft hochgearbeitet. Angelides wiederum beschreibt, wie seine Großmutter durch Näharbeiten die Familie über Wasser gehalten habe und die Großeltern sich alles absparten, um ihrem Sohn eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

Doch während Schwarzenegger hervorhebt, wie wichtig die Eigeninitiative für seinen Aufstieg war und er nicht auf irgendeine staatliche Unterstützung setzte sondern sich von Beginn an etwa eine private Krankenversicherung leistete, betont Angelides die Bedeutung eines sozialen Netzes. Seine Familie habe Krisensituationen nur durch Hilfe von staatlicher Seite überstanden. Er selber habe sein Harvard-Studium nur durch ein Stipendium finanzieren können. Daher trete er für Steuererhöhungen für die Reichen und das Schließen von Steuerschlupflöchern für Konzerne ein - diese Steuergelder sollten für Hilfsprogramme für Arme und eine Entlastung des Mittelstands verwendet werden.

"Arnie" gegen höhere Steuern
Für Schwarzenegger hingegen sind Steuererhöhungen - wie schon in seinem ersten Wahlkampf vor drei Jahren - ein rotes Tuch. Kalifornien müsse ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben, höhere Steuern wären da kontraproduktiv, meint der Republikaner. Dass Angelides offen für höhere Steuern eintritt, wird vom Wahlkampfteam "Kalifornier für Schwarzenegger" als Hauptargument gegen den Herausforderer eingesetzt. Und obwohl die Kalifornier mehrheitlich demokratisch gesinnt sind - Steuererhöhungen sind auch bei den meisten Demokraten unpopulär.

Der von Schwarzenegger und Angelides verkörperte "Amerikanische Traum", die Möglichkeit des Aufstiegs "vom Tellerwäscher zum Millionär" zumindest innerhalb weniger Generationen, ist jedoch laut einer Studie der American University praktisch eine Illusion. Der Austro-Amerikaner und der US-Grieche, beide heute Multimillionäre, sind demnach extreme Ausnahmen. Im Widerspruch zur in den USA vorherrschenden Ansicht ist der soziale Aufstieg im so genannten "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" sogar schwerer als in Europa.

Ein Kind einer armen Familie hat in den USA nur eine einprozentige Chance, den Aufstieg in die reichsten fünf Prozent zu schaffen, während ein Kind einer reichen Familie zwanzig mal so oft auch als Erwachsener selber reich ist. In Europa hingegen wirken sich Reichtum oder Armut der Eltern weit weniger auf das Einkommen der Kinder aus, die soziale Mobilität ist also höher. In den USA haben wachsende Ungleichheiten in den letzten Jahren die Aufstiegschancen weiter geschmälert. Es scheint paradox, aber umso unwahrscheinlicher der Aufstieg wird, umso stärker wird der Glauben daran: Die Überzeugung, man könnte auch als Armer durch harte Arbeit reich werden, hat sich in den letzten Jahren noch mehr verbreitet. 80 Prozent der Amerikaner träumen den "Amerikanischen Traum".
(APA/red)