Depression bei den Umweltaktivisten:
Enttäuschung trotz geringer Erwartungen

EU geht zu wenig auf die Entwicklungsländer ein Europa hat keine Vorreiterrolle im Klimaschutz mehr

Depression bei den Umweltaktivisten:
Enttäuschung trotz geringer Erwartungen © Bild: Reuters/Pempel

In Posen macht sich noch vor dem offiziellen Ende der UNO-Klimakonferenz Depression unter den Umweltaktivisten breit. Die Erwartungen seien niedrig angesetzt gewesen, aber das im Raum stehende Endergebnis sei dennoch eine Enttäuschung, so der Tenor. Für Ärger sorgte vor allem die EU, die nach Ansicht der Aktivisten zu wenig auf die Wünsche der Entwicklungsländer eingehe. Außerdem drohe ein verwässerter Klimadeal in Brüssel.

Die Szenerie ist passend: Tagein, tagaus liegen dichte Wolken über der Gastgeberstadt Posen, dazu mischt sich der Geruch verheizter Kohle. Die Euphorie der Klimakonferenz in Bali im Vorjahr ist hier aber nicht nur wegen des kalten Regenwetters verschwunden. Die Stimmung der Umweltschützer bringt am besten eine Installation mit Eisbärenpuppen, die als Sandler verkleidet wurden, auf den Punkt. Sie stehen verteilt auf dem Gelände und halten Pappkartonschilder mit Sprüchen wie "Tired of no Progress ("Ich habe es satt, dass es keinen Fortschritt gibt", Anm.).

Für die Bali-Roadmap, die einen Verhandlungsplan dafür festlegte, wie man 2009 in Kopenhagen zu einem neuen Klimaabkommen für die Zeit nach Kyoto gelangen wird, sehen die Aktivisten bereits ein Jahr später schwarz: "Wir haben erst zehn Prozent dessen erreicht, was verhandelt werden sollte", kritisiert etwa Bernhard Obermayr von Greenpeace.

Silva Hermann von Global 2000 sieht die Konferenz ebenfalls kritisch. Herzeigbare Erfolge gebe es nicht, bemängelt sie. Kritik üben die Umweltschützer vor allem an der EU, die sich um Zugeständnisse an die ärmeren Länder winde. Als Hoffnungsträger gelte Europa in der Klimafrage damit nicht mehr, meint Obermayr. Stattdessen erwarte man sich jetzt einen entscheidenden Vorstoß der USA, wenn die neue Administration unter Präsident Barack Obama im Amt ist.

Der österreichische Umweltminister Nikolaus Berlakovich verweist hingegen auf die Vorreiterrolle Europas. Im Gegensatz zu den anderen Industrieländern habe die EU bereits konkrete Reduktionsziele formuliert, betonte er.
(apa/red)