Den Brustkrebs immer früher aufspüren mithilfe dreidimensionalen Bildmaterials

Den Brustkrebs immer früher aufspüren mithilfe dreidimensionalen Bildmaterials © Bild: www.kooperationsgemeinschaft-mammographie.de

Wenn Ärzte nach möglichen Brustkrebsherden suchen, steht ihnen immer häufiger auch dreidimensionales Bildmaterial zur Verfügung. Methoden wie die digitale Mammografie mit Tomosynthese eröffnen nach Ansicht des Erlanger Radiologen Rüdiger Schulz-Wendtland die Perspektive, immer kleinere Brustkrebsherde in einem immer früheren Stadium zu entdecken. Einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen der Mammadiagnostik und deren Weg in die Dreidimensionalität gibt der erfahrene Radiologe in der Fachzeitschrift "Geburtshilfe und Frauenheilkunde" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008).

Noch immer werden die meisten Mammakarzinome von der Patientin selbst entdeckt – durch einfaches Abtasten der Brust. Häufig haben solche tastbaren Krebsherde aber bereits einen Durchmesser von mehr als zwei Zentimetern erreicht. Der ideale Zeitpunkt für eine Krebsfrüherkennung ist damit verpasst. In vielen Fällen hat der Tumor bereits Absiedelungen gebildet, und Krebszellen sind in die in Brustnähe liegenden Lymphknoten eingewandert. Wie wichtig es ist, bösartige Veränderungen früh zu erkennen, verdeutlicht Rüdiger Schulz-Wendtland mit einigen Zahlen: Mammakarzinome mit einem Durchmesser von einem halben Zentimeter weisen in rund zehn Prozent der Fälle Lymphknotenmetastasen auf, einen Zentimeter große Tumoren in knapp 30 Prozent und zwei Zentimeter große Tumoren in rund 50 Prozent der Fälle.

Den größten Fortschritt in der Krebsfrüherkennung hat bisher die Röntgenuntersuchung der Brust gebracht. Mithilfe der Mammografie lassen sich sogenannte Mikroverkalkungen - eine mögliche Krebsvorstufe - bereits ab einer Größe von rund einem Achtel Millimeter entdecken. "Diese kleinsten Veränderungen können mit keiner anderen Untersuchungsmethode analysiert werden", betont Rüdiger Schulz-Wendtland. Daher sei die Mammografie heute die wegweisende bildgebende Methode zur Untersuchung der weiblichen Brust.

Digitale Tomografie der Brust
Die Entwicklung der Mammografie ist damit jedoch keineswegs an ihrem Endpunkt angelangt. Mit der Umstellung von der konventionellen Film/Folien-Mammografie auf die inzwischen als Standard geltende digitale Mammografie eröffnen sich weitere diagnostische Möglichkeiten. Die derzeit wichtigste Neuerung ist nach Ansicht von Schulz-Wendtland die digitale Tomografie der Brust. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Verfahren, bei dem die Brust zunächst aus verschiedenen Winkeln mammografisch erfasst wird. Die dabei gewonnenen digitalen Röntgenbilder werden in einem zweiten Schritt zu einem dreidimensionalen Raumbild zusammengesetzt.

"Mithilfe solcher Aufnahmen lassen sich Volumen und Größe eines Tumors wesentlich genauer bestimmen als mit der einfachen Mammografie", erläutert der Erlanger Gynäkologe. Zumindest zur Abklärung bei bereits bestehendem Befund scheint sich das neue Verfahren demnach zu eignen. Ob es sich auch in der Primärdiagnostik durchsetzen werde, könne derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden, so Schulz-Wendtland.

Manche Krebsvorstufen sind nicht zu erkennen
Bei sehr dichtem, fettarmem Brustgewebe stößt auch die Mammografie an ihre Grenzen: Krebsherde zeichnen sich hier oft nur schlecht ab. In diesen Fällen kann die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Brust wichtige Informationen liefern. Auch mithilfe dieses Verfahrens können inzwischen dreidimensionale Bilder angefertigt werden. Auf Ultraschallaufnahmen lassen sich jedoch nicht alle Tumortypen gleich gut erfassen – vor allem manche Krebsvorstufen sind überhaupt nicht zu erkennen.

Daher sei die Sonografie nicht als Screening-Methode geeignet, sagt Rüdiger Schulz-Wendtland. Heute wie in Zukunft werde die höchste diagnostische Sicherheit nur durch eine Kombination verschiedener diagnostischer Methoden erzielt werden können: Dann können sich die Stärken von Tastuntersuchung, Mammografie, Sonografie und Magnetresonanztomografie ideal ergänzen.

Quelle: Redaktion/R. Schulz-Wendtland: Mammakarzinom 2008 – State of the Art, Trends, Kontroversen: Aus der Sicht des Diagnostikers.
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2008; 68 (7): S. 708-716