Demoskopen am Pranger: Umfrageinstitute lagen in Italien mit Prognosen daneben!

Meinungsforschungsinstitute werden heftig attackiert Justizminister: "Nach Neuseeland verbannen"

Angesichts des bis zuletzt offenen Ausgangs der Parlamentswahl in Italien ist das vermeintlich sichere System der Nachwahlbefragungen (Exit Polls) unter schweren Beschuss geraten. In Zeitungskommentaren und von Seiten politischer Experten war von "Desaster" und "Schiffbruch" die Rede. Justizminister Roberto Castelli von der rechtspopulistischen Partei Lega Nord schlug gar vor, alle Meinungsforscher "nach Neuseeland", auf jeden Fall aber weit weg von Italien zu verbannen.

Im Mittelpunkt der Kritik steht das Nexus-Institut, das die großen Fernsehsender mit Nachwahlbefragungen in 1.050 ausgesuchten Wahlbüros beauftragt hatten. "Bin ich froh, dass Sie keine Flugzeuge fliegen", kommentierte ein kommunistischer Politiker bissig in die Richtung von Fabrizio Masia, dem Nexus-Chef.

Nach Wahlschluss hatte es auf Grund der Nachwahlbefragungen geheißen, das oppositionelle Mitte-links-Bündnis von Romano Prodi habe im Abgeordnetenhaus und im Senat einen Vorsprung von jeweils vier bis fünf Prozentpunkten gegenüber der rechtsgerichteten Regierungskoalition von Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Später stellte sich dann heraus, dass das Prodi-Lager nur über einen hauchdünnen Vorsprung verfügte. Bereits bei der vorigen Parlamentswahl im Mai 2001 hatten die "Exit Polls" nach Schließung der Wahllokale eine überwältigende Mehrheit für Berlusconi ergeben. Diese schmolz dann binnen Stunden immer mehr dahin, und erst nach einem ähnlichen Krimi wie beim jetzigen Urnengang stand schließlich der Sieg des Medienunternehmers und Multimilliardärs Berlusconi fest. (apa/red)