Demos gegen Mediengesetz in Ungarn:
250 Menschen gingen in Wien auf die Straße

15.000 nahmen in Budapest an Protesten teil Ungarn-Botschafter: "Vorwürfe sind dreiste Lüge"

Demos gegen Mediengesetz in Ungarn:
250 Menschen gingen in Wien auf die Straße © Bild: APA/Pfarrhofer

Etwa 250 Personen sind Mitte Jänner dem Aufruf acht österreichischer Organisationen gefolgt und haben gegen das neue ungarische Mediengesetz vor der ungarischen Botschaft in Wien demonstriert. Die Organisatoren forderten einmal mehr die Rücknahme des umstrittenen Gesetzestextes und unterstrichen dies mit der Übergabe einer Petition an den ungarischen Botschafter, Vince Szalay-Bobrovniczky.

"Ich finde es erschütternd, dass das neue Mediengesetz am selben Tag in Kraft getreten ist, als Ungarn die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat (Anm.: am 1. Jänner 2011)", ortete Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen (RoG/RSF) mögliche Hintergründe zur Einführung des Gesetzes. Die Zensurmaßnahmen seien ein "Rückfall in Methoden nichtdemokratischer Regierungen", denn "Zensur ist Mord an der Pressefreiheit und am Recht aller Bürger auf Information", so Möhring.

"Dreiste Lüge"
Szalay-Bobrovniczky wehrte sich gegenüber der APA gegen jegliche Vorwürfe der Abschaffung der Pressefreiheit in Ungarn. Dies sei eine "dreiste Lüge, das Gesetz bezeichnete er als "ausgewogen" und "EU-konform". Niemand zensuriere die ungarische Presse, auch die im August geschaffene Medienbehörde (NMHH) sei keine "politische Einrichtung" und von der Regierung "völlig unabhängig", betonte der ungarische Botschafter in Wien.

Für Szalay-Bobrovniczky handelt es sich in der aktuellen Diskussion um eine "verlogene" Kampagne, die von denjenigen gesteuert wird, die es einfach nicht wahrhaben wollen, dass sie die Macht verloren haben." Derzeit warte Ungarn auf die Prüfung der europäischen Institutionen. Sobald diese abgeschlossen ist, sei eine "objektivere Debatte" möglich. Mit einer Zurückweisung des Gesetzes durch die EU-Kommission rechnet Szalay-Bobrovniczky nicht.

Im Zuge der Demonstration wurde dem ungarischen Botschafter eine Petition für "PressefrAIheit" (Anm.: AI/Amnesty International - in Anspielung auf die Forderung nach Einhaltung der Menschenrechte) übergeben. Dabei äußerten sich die Organisationen besorgt über die Situation der ungarischen Medienlandschaft. Szalay-Bobrovniczky bedankte sich, hielt aber fest, dass er keine Bedrohung für die Pressefreiheit sehe.

Aufruf, Druck auszuüben
Die österreichische Regierung riefen die Organisationen auf, Druck auf die ungarische Regierung auszuüben und für die Änderung des Gesetzes Sorge zu tragen. Die Frage möglicher Sanktionen müsse jedoch die EU-Kommission entscheiden, so Möhring gegenüber der APA.

Sechs Menschen bei Gegendemo
In Wien gab es indes auch eine Gegendemonstration mit sechs angemeldeten Personen. Iniitiert wurde diese von Peter Karsay, der sich gegen die "Feindlichkeit gegenüber Ungarn" zur Wehr setzt und in der "zu Unrecht negativen Kritik" an Ungarn eine wirtschaftliche Motivation (Stichwort Bankensteuer) sieht.

15.000 demonstrieren in Budapest
Eine Protestaktion gegen das umstrittene ungarische Mediengesetz hat auch auf dem Budapester Kossuth-Platz stattgefunden. Laut Veranstaltern nahmen rund 15.000 Menschen an der Demonstration teil. Aufgerufen zu der Aktion hatte eine Facebook-Seite, die mit dem Ziel des Protestes gegen das Mediengesetz und zum Schutz der Pressefreiheit ins Leben gerufen wurde. Die Teilnehmer der Demonstration bedankten sich mit Applaus für die Solidarität in Österreich.

Einer der Organisatoren der Budapester Demonstration, der 36-jährige Robert Fölkel, erklärte auf der Bühne vor dem Budapester Parlament, dass diese Aktion nur der Anfang einer Protestwelle gegen die Regierung von Viktor Orban sei. Denn seine Zwei-Drittel-Mehrheit bedeute keineswegs, dass alle Ungarn hinter Orban stünden, wie er das behaupten würde.

Mit der "Kraft der Massen soll Druck auf die Regierung ausgeübt werden, damit diese das Zensurgesetz zurücknimmt und die Pressefreiheit in Ungarn garantiert". Die Organisatoren der Protestaktion fordern, Fachorgane in die Herausbildung der Medienregulierung einzubeziehen.

(apa/red)

Kommentare

Ungarn ist schon viel weiter! In NÖ z.B. verhält sich die ÖVP NÖ so "als ob ihr der ORF NÖ gerhören würde" - und niemand stört sich daran.
Weder am Flugahfen noch beim ORF NÖ, noch viel weniger in der Landesverwaltung ist es ein Nachteil wenn man ein Parteibuch hat. Das Richtige natürlich!
Darum sagt der Volksmund auch: "In NÖ kannst als Roter Bundeskanzler werden, sonst aber nichts; nicht einmal Portier oder Straßenwärter.
Demokratie nennt man das, "Volksdemakartie" heiß es weiter östlicher.

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