Demokratische Vorwahl zur US-Senatswahl: Lieberman unterliegt Gegner Ned Lamont

"Strafe" für seine Unterstützung des Irakkrieges Multimillionär Lamont in Politik unbeschriebenes Blatt

Demokratische Vorwahl zur US-Senatswahl: Lieberman unterliegt Gegner Ned Lamont

Die Zustimmung zum Irak-Krieg hat den demokratischen US-Senator Joe Lieberman die Nominierung für eine vierte Amtszeit gekostet. In der parteiinternen Vorentscheidung, der so genannten Primary, konnte sich der Senator des Staats Connecticut nicht gegen den Politikneuling und Kabelfernseh-Millionär Ned Lamont durchsetzen. Lieberman erklärte aber, er werde bei den Senatswahlen als unabhängiger Kandidat ins Rennen gehen.

Den Demokraten ist Liebermans Nähe zu Präsident Bush und seine Unterstützung für den Irak-Krieg schon lange ein Dorn im Auge. So wurde sein Gegenkanditat Lamont vor allem von Bush-Kritikern unterstützt. Zu deren Arsenal gehörte auch ein Video, das Bush zeigt, wie er Liebermann einen herzlichen Bruderkuss gibt.

Nach der Szene im Anschluss an Bushs Rede zur Lage der Nation galt Lieberman als Bushs Lieblingsdemokrat. Das Urteil ist hart: Lieberman, den die Demokraten 2000 noch ins Rennen um die Vizepräsidentschaft geschickt hatten, ist seit 1980 erst der vierte amtierende Senator, der von seiner Partei nicht wieder nominiert wurde.

Die Nicht-Nominierung Liebermans löste heftige Diskussion aus. "Die Menschen werden zurückblicken und sagen, dass das Ende der Bush-Ära hier in Connecticut seinen Anfang genommen hat", sagte ein begeisterter Lamont-Anhänger in Boston. Chuck Schumer, Senator des Staates New York, sagte: "Die Leute sind gespalten, was unsere Außenpolitik angeht. Aber selbst bei denen, die für eine harte Außenpolitik stehen, gibt es kaum Zweifel daran, dass Präsident Bush die Sache verbockt hat."

Jetzt bezahlt paradoxerweise ein Demokrat den Preis dafür. Denn seinem republikanischen Gegenkanditaten, Alan Schlesinger, rechnet ohnehin kaum jemand eine echte Chance zu. Aussagekräftige Umfragen sind zwar noch kaum möglich. Eine Studie der Quinnipiac-Universität Mitte Juli ergab aber, dass Schlesinger in einem Dreierrennen mit lediglich 9 Prozent der Stimmen rechnen könnte.

In nächster Zeit werden sich wohl auch Liebermans letzte Freunde dem Parteifrieden zuliebe hinter Lamont stellen. Das weiß auch Lieberman. Trotzdem rechnet er sich gute Chancen aus, als unabhängiger Kandidat wiedergewählt zu werden. Im Wahlkampf gab er sich überzeugt, dass er die Kongresswahl im November gewinnen werde, wenn auch vielleicht mit weniger Stimmen.

Tatsächlich sieht auch die Quinnipiac-Umfrage Lieberman vor Lamont. Gerade für unentschlossene Republikaner könnte Lieberman als das geringere Übel erscheinen. Die liberalen Organisationen, von denen Lamont unterstützt wird, werden von Republikanern als Gefahr für die Sicherheit dargestellt. "Die Kriegsgegner unter den Demokraten scheinen vergessen zu haben, dass wir nur deswegen nicht erneut im eigenen Land angegriffen worden sind, weil wir unsere Gegner offensiv im Ausland bekämpft haben", sagte der republikanische Senator Mitch McConnell.

Dieses Argument der Republikaner hat bei früheren Kongresswahlen Wirkung gezeigt: 2002 übernahmen die Republikaner die Mehrheit im Senat und 2004 bauten sie den Vorsprung aus. Das Ergebnis der Wahlen im November ist nun von entscheidender Bedeutung für die restliche Amtszeit Bushs.
(apa/red)