Dem Tod ins Auge geblickt: Laudas Feuer-Unfall am Nürburgring jährt sich zum 30. Mal

Nur 6 Wochen nach Horror-Crash wieder im Cockpit Wiener steckte Unfall-Trauma extrem schnell weg

Dem Tod ins Auge geblickt: Laudas Feuer-Unfall am Nürburgring jährt sich zum 30. Mal

Der grauenvolle Unfall hat ihn für immer gezeichnet, aber den starken Willen von Niki Lauda nicht gebrochen. Vor 30 Jahren wurde der Wiener auf dem Nürburgring Opfer einer Feuerhölle. Doch wenn Österreichs dreifacher Formel-1-Weltmeister auf die legendäre Rennstrecke in der Eifel zurückkehrt, kann ihn die Erinnerung an den fürchterlichen Crash, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte, nicht mehr erschüttern.

Lauda hat den unglückseligen 1. August 1976, an dem auch die Wiener Reichsbrücke einstürzte, schon seit langem vollständig verarbeitet. "Ich bin nach sechs Monaten wieder so gefahren wie früher oder sogar besser, und das kann man nur dann, wenn man ein Problem hundertprozentig gelöst hat. Die schnelle Rückkehr gehörte zu meiner Strategie, nicht lange daheim zu sitzen und darüber nachzugrübeln, warum und wieso mir das Ganze widerfahren ist", betont der Airline-Chef, wenn er auf das schlimmste Ereignis seiner Motorsport-Karriere angesprochen wird.

Die Fans des Nürburgrings werden noch immer daran erinnert. In Halle 1 der "Erlebnis-Welt" der berühmt-berüchtigten Rennstrecke sind Bilder von Laudas Crash zu sehen. "Der Lauda-Unfall ist Teil der Legende 'Grüne Hölle', Teil unserer Geschichte", sagt Walter Kafitz, der Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH. "Es war das letzte Jahr der Formel 1 auf der Nordschleife. Es endete mit einem Fanal. Dazu muss man stehen." Damals erhielt der Nürburgring keine Zulassung mehr für die Formel 1. Auf neuer Strecke gab es 1984 und 1985 ein Comeback. Seit 1995 scheint der Nürburgring wieder regelmäßig im WM-Kalender der Königsklasse auf.

Laudas "Barbecue"
Lauda selbst hat heute als 57-Jähriger zum Unglück mittlerweile so viel Distanz, dass er es teilweise sogar sarkastisch kommentiert. So bezeichnete er seinen Unfall Jahre später u.a. als "Barbecue". Er habe das Trauma mit konsequenter Arbeit und neuem Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten schon nach einem halben Jahr vollständig überwunden, "deshalb konnte ich natürlich leicht und locker vom 'Barbecue' reden". Dennoch hat Laudas Gedächtnis die schlimmsten Minuten einfach ausgeblendet. "Ich weiß noch, dass ich aus der Box gefahren bin. Dann hört die Erinnerung auf. Sie setzt erst wieder ein auf dem Weg in irgendein Krankenhaus."

Es war ein regnerischer Nachmittag gewesen. Laudas Ferrari brach aus, raste frontal in die Leitplanken und brannte lichterloh auf der Strecke. Als der ihm folgende Brett Lunger in das Wrack prallte, verlor Lauda seinen Helm und wurde ohnmächtig. Der italienische Kollege Arturo Merzario zog den Weltmeister aus dem Auto. Lauda wurde mit lebensgefährlichen Verbrennungen und Lungenverätzungen sowie Kiefer- und Rippenbrüchen ins Krankenhaus gebracht. Als der Wiener später den Film von dem Crash sah, erschrak er mächtig: "Ich habe gedacht: Da hat einer einen irren Unfall."

Brandnarben als Erinnerung
Es folgten der Überlebenskampf in einer Mannheimer Klinik, mehrere Hauttransplantationen - und das Leben mit dem verbrannten Gesicht. In seinem 1996 erschienen Buch "Das dritte Leben" beschreibt dies Lauda so: "Am Donnerstag zeigt man mir einen Spiegel. Ich muss meine Augenschlitze mit den Fingern spreizen, um deutlich sehen zu können: Der Kopf ist auf das Dreifache angeschwollen, die Riesenmelone steckt direkt auf den Schultern, Hals und Nase sind überhaupt nicht zu erkennen. Da reißt's dich schon ein bisserl, wenn du das siehst."

Lauda schaffte trotzdem das scheinbar Unmögliche: Sechs Wochen nach dem Unfall kehrte er in Monza zurück in den Grand-Prix-Zirkus und wurde sensationell Vierter; das "zweite Leben" begann. Ein Jahr später gewann er seinen zweiten WM-Titel. Mit den berühmen Worten "Ich will nicht mehr blöd im Kreis herumfahren" trat er 1979 zurück, um drei Jahre später wieder ein Comeback zu geben und 1984 Titel Nummer drei zu feiern.

Die Karriere nach dem Rennsport - "Das dritte Leben" - gehört(e) hauptsächlich der Fliegerei, auch wenn Lauda 2001 und 2002 als Jaguar-Teamchef kurzfristig wieder permanent in die Formel 1 zurückgekehrt war. Der Mann mit der roten Kappe ist heute Boss seiner eigenen Fluglinie "NIKI", nachdem er Ende 2000 als Vorstand seines ersten Unternehmens "Lauda Air Luftfahrt AG" zurückgetreten war. Als Airline-Chef hatte er auch die schwerste Krise seines Leben zu durchstehen: Am 26. Mai 1991 starben 223 Menschen beim Absturz der Lauda-Air "Mozart" in Thailand auf dem Flug von Bangkok nach Wien. Das war das Schlimmste in seinem Leben, betont Niki Lauda.

(apa)