Delikt "Abkehr vom Islam": So reagieren islamische Staaten auf Glaubensfragen

Todesstrafe in einigen Staaten dafür vorgesehen

Eigentlich garantiert die UNO-Menschenrechtserklärung das Recht auf freien Religionswechsel. Dennoch müssen Menschen in etlichen islamisch dominierten Staaten mit dem Tod oder langen Haftstrafen rechnen, wenn sie sich vom Islam abwenden. Dies gilt insbesondere für jene Länder, deren Rechtssystem auf dem islamischen kanonischen Recht, der "Sharia", fußt. Die Bedrohung gehe aber nicht nur vom Staat, sondern auch von fundamentalistischen Gruppen und fanatischen Einzelpersonen aus, sagte der Referent für Religionsfreiheit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Walter Flick. Er sprach von einer wachsenden Bedrohung von Konvertiten.

Nach IGFM-Angaben haben Mauretanien und der Sudan die Todesstrafe für den "Abfall vom Glauben" - die in beiden Ländern im Zug der "Re-Islamisierung" ab 1980 eingeführt worden war - noch immer im Strafrecht verankert. Das im August 2005 an die Macht gekommene mauretanische Militär-Regime habe trotz der angekündigten Bemühungen um "offene und demokratische Verhältnisse" den entsprechenden Strafrechtsartikel noch nicht abgeschafft.

Auch in Saudiarabien und dem Iran - zwei "theokratisch" regierten Ländern - droht Konvertiten die Todesstrafe. Im Iran berufen sich die Justizbehörden nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) auf Anweisungen des verstorbenen Ayatollah Ruhollah Khomeini, die als "autoritative Rechtsquelle" betrachtet werden. Unter Präsident Mahmud Ahmadinejad habe sich die Lage von Nichtmuslimen und Konvertiten aus dem Islam deutlich verschlechtert.

Länder wie Pakistan oder Ägypten geben sich nach außen liberaler. Dennoch ist dort die Abkehr vom islamischen Glauben so verpönt, dass "Apostaten" wegen anderer vorgeschobener Verbrechen bestraft werden. In Pakistan beispielsweise müssen sie nach Erkenntnissen von ai aus dem Jahr 2003 mit Anklagen wegen "Blasphemie" rechnen. In Ägypten sind der IGFM mehrere Fälle von Konvertiten bekannt, die in Verbindung mit ihrem Glaubenswechsel zum Christentum in Haft genommen oder in psychiatrischen Anstalten interniert wurden.

Außerdem laufen "Apostaten" häufig Gefahr, durch fanatische Muslime verletzt oder getötet zu werden, berichtet Flick. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Ermordung des iranischen Pastors Ghorban Tori am 22. November 2005. Der 50-jährige Tori, ein ehemaliger Muslim, der evangelikaler Christ geworden war, wurde aus seinem Hause entführt; wenige Stunden später wurde seine Leiche vor die Haustüre geworfen. Nach 30 Minuten kam die Geheimpolizei, um das Haus des Pastors, der Frau und vier Kinder hinterließ, nach Bibeln und verbotener christlicher Literatur zu durchsuchen. Der Mord erfolgte nur wenige Tage, nachdem Präsident Ahmadinejad vor Provinzgouverneuren erklärt hatte, die evangelikale Hausgemeindenbewegung im Land müsse gestoppt werden.

Positiv hat sich die Lage christlicher Konvertiten nach Erkenntnissen der IGFM in den vergangenen Jahren in der Türkei entwickelt. So könne der katholische Bischof Louis Pelatre in Istanbul jährlich Konvertiten aus dem Islam in die katholische Kirche aufnehmen. Allerdings habe sich in den vergangenen Wochen nach mehreren Attentaten auf christliche Geistliche eine gespannte Stimmung entwickelt. (apa)