"Dein Leben ist in der Türkei gefährdet!": Papst-Attentäter warnt Benedikt vor Reise

Festnahme von Benedikt XVI. in Türkei gefordert Plus: Palästinenser drohen mit Angriffen auf Christen

Der türkische Attentäter Ali Agca, der 1981 einen Anschlag auf Papst Johannes Paul II. verübte, hat in einem Brief Benedikt XVI. vor der im November geplanten Reise in die Türkei abgeraten. "Papst Ratzinger, Dein Leben ist jetzt gefährdet, komm absolut nicht in die Türkei. Ich kann dich außerdem nicht empfangen, weil ich mich im Gefängnis befinde", heißt es im zweiseitigen Brief, den die römische Tageszeitung "La Repubblica" auszugsweise veröffentlicht hat.

"In den Jahren zwischen 1980 und 2000 habe ich Verbindungen zu den Geheimdiensten verschiedener westlicher Länder und des Vatikans gehabt. In diesen 20 Jahren habe ich unglaubliche Geheimnisse erfahren", meinte der Rechtsextremist, der sich wegen Mord in der Strafanstalt von Kartal Maltepe in Istanbul befindet.

Agca berichtete über Verbindungen zwischen dem ehemaligen Kardinal Josef Ratzinger und dem 1998 ermordeten Kommandanten der Schweizergardisten, Alois Estermann. "Bekannte Geheimdienste, die Ratzinger beschützten, ermordeten Estermann, seine Frau und den Schweizergardisten Cedric Tornay in seiner Wohnung im Vatikan im Mai 1998", schrieb Agca.

Nach der Polemik um die Ansprache des Papstes in der Regensburger Universität rief Agca den Heiligen Vater auf, zurückzutreten, um wieder in Frieden in seiner Heimat zu leben. An seiner Stelle sollte zum Papst "ein Kardinal des ehrlichen italienischen Staates, Gesichter des Friedens und der Demokratie wie (der neue vatikanische Staatssekretär Tarcisio) Bertone und (der Mailänder Erzbischof Dionigi) Tettamanzi ernannt werden".

Der in der Türkei wegen Mordes an einem Journalisten und wegen zweier Raubüberfälle verurteilte Agca war im vergangenen Jänner erneut verhaftet worden und in dasselbe Gefängnis gebracht worden, aus dem er acht Tage zuvor entlassen worden war. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof des Landes die Gerichtsentscheidung zur Haftentlassung aufgehoben. In der Begründung hieß es, die Haftzeit, die Agca wegen des Papst-Attentats in Italien verbüßt habe, dürfe nicht auf die Straftaten in der Türkei angerechnet werden.

Palästinenser drohen mit Angriffen auf Christen
Eine bisher unbekannte militante Palästinensergruppe hat wegen der Äußerungen mit Angriffen auf Christen im Gazastreifen gedroht. Die so genannte Huda-Armee teilte in einem Fax an Journalisten mit, man werde "alle Kreuzfahrer-Gemeinden in ihren Kirchen und Einrichtungen" ins Visier nehmen, wenn der Papst sich nicht ausdrücklich entschuldige.

In den vergangenen Tagen war es in den Palästinensergebieten bereits zu mehreren Brandanschlägen auf Kirchen gekommen. Das palästinensische Innenministerium ordnete Schritte zum Schutz der Kirchen an.

Festnahme des Papstes in Türkei gefordert
Nach den Islam-Äußerungen von Papst Benedikt XVI. haben Angestellte der obersten türkischen Religionsbehörde ein Gerichtsverfahren sowie die Festnahme des Pontifex gefordert. Benedikt sollte während seines geplanten Türkei-Besuchs im November verhaftet werden, verlangten Angestellte des Amtes für religiöse Angelegenheiten in einer an das Justizministerium gerichteten Petition. Sie forderten darin auch, wegen Verletzung der Glaubensfreiheit und der Beleidigung des Islams ein Ermittlungsverfahren gegen den Papst zu eröffnen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi.

Demonstranten trugen Schilder mit der Aufschrift: "Entschuldige dich oder komm nicht her". Es ist in der Türkei nicht unüblich, dass Privatpersonen oder Organisationen Gerichtsverfahren gegen Persönlichkeiten von internationaler Bedeutung verlangen. Keines der Gesuche hatte bisher Erfolg.

Vatikan will umstrittene Ansprache korrigieren
Erstmals in der Geschichte des Vatikans soll die umstrittene Ansprache von Benedikt XVI. "korrigiert" werden. Wie aus der offiziellen Vatikan-Webseite zu entnehmen ist, will der Heilige Stuhl im Netz eine endgültige Version der Ansprache veröffentlichen, die am Rande einige Erklärungen von Benedikt XVI. enthalten soll. "Die jetzige Version ist nur provisorisch", heißt es in der vatikanischen Webseite.

Gaddafi-Sohn: Papst soll Muslim werden
Mit einem überraschenden Vorschlag hat sich der älteste Sohn des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi in die Kontroverse eingeschaltet. "Ich rufe ihn (den Papst) nicht auf, sich zu entschuldigen, aber ich rufe ihn auf, die Wahrheit zu erkennen und dann Muslim zu werden", sagte Mohammed al-Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis.

"Wir halten an unserem Islam fest, denn das ist unser Weg zur Stärke und zum Sieg in der Auseinandersetzung mit jedem, der versucht, an unserer Religion oder unserem Propheten zu rütteln", erklärte er bei einer Preisverleihung. Der Gaddafi-Sohn, der die staatliche libysche Telefongesellschaft leitet, zeichnete bei dem Festakt Muslime aus, die den ganzen Koran auswendig gelernt hatten.
(apa/red)