Debatten-Bilanz zum 3. TV-Duell - Peter Hajek: "Gelungener Abend für Gusenbauer"

Peter Filzmaier: Beide Verlierer bei Vorwürfen FPÖ: "seichtes" TV-Duell. Scheuch: BZÖ-Chef Sieger

Einen "souveränen Gusenbauer" sah Peter Hajek vom Meinungsforschungsinstitut OGM in der TV-Konfrontation zwischen SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer und BZÖ-Chef Peter Westenthaler. Gusenbauer habe "auf jeden Angriff von Westenthaler gute Argumente parat gehabt", die insbesondere auf die Bedürfnisse seiner Wähler abzielten. Insgesamt sei es "ein gelungener Abend für Gusenbauer" gewesen. Zurückhaltender kommentierte der Politologe Peter Filzmaier in der "ZIB 3": Die beiden hätten sich einen Kompetenzstreit geliefert - und bei den gegenseitigen Vorwürfen zu BAWAG oder Postenschacher seien eher beide Verlierer.

Es liege der Verdacht nahe, dass hier der "eigentliche Gewinner" die Parteien seien, die nicht dabei waren - denn die beträfen keine von den Vorwürfen, die im Raum stehen geblieben seien, meinte Filzmaier. Er sah das TV-Duell als "Kompetenzstreit". So sei Soziales ein Schlüsselbereich der SPÖ und Westenthaler habe versucht, da mit der Causa BAWAG eine Bresche hineinzuschlagen. Wem es besser gelungen ist, Kompetenz zu vermitteln, wollte Filzmaier nicht beurteilen. Und auch hinsichtlich der Dominanz hält er eine klare Zuschreibung nicht für möglich.

Offensichtlich habe sich Westenthaler aber benachteiligt gefühlt - etwa wenn er immer meinte, dass Gusenbauer länger gesprochen habe, während letztlich er 30 Sekunden vorne lag. Das könnte heißen, dass Gusenbauer dominanter war. Ihre Themen hätten aber beide gut durchgebracht, meinte Filzmaier.

Wesentlich klarer urteilte Hajek: Gusenbauer habe sich im Lauf der Diskussion immer mehr entspannt - "Am Schluss war er schon witzig." Der SPÖ-Chef habe "seine Standpunkte klar vertreten" und Themen wie Bildung, Rekordarbeitslosigkeit oder Belastungspolitik der Regierung mehrfach untergebracht. Sein Gegenüber habe er "sprachlich in Schach gehalten", Westenthaler sei "oft nicht durchgekommen" und habe dann "abgestellt".

Westenthaler sei anfangs "sehr handzahm" gewesen, vermutlich seiner Rolle als Spitzenkandidat bewusst. Der "große Knackpunkt" sei es gewesen, als Westenthaler die Moderatorin Ingrid Thurnherr angriff und über technische Möglichkeiten diskutierte. Hajek interpretierte dies als "starkes Signal der Nervosität".

Hingegen sei es dem BZÖ-Spitzenkandidaten nicht gelungen, für seine Partei klare Themen zu positionieren, abgesehen vom Plan, hunderttausende Menschen abzuschieben. Es sei "ein bisschen schwach" nach sechs Jahren Regierungsbeteiligung auf die Fehler der Großen Koalition vor 1999 hinzuweisen. In der Ausländerfrage sei Westenthaler "eine schwache Kopie von Strache und der FPÖ" gewesen, meinte Hajek.

FPÖ ortet "seichtes" TV-Duell
Während FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky das TV-Duell als "seichte Diskussion" bezeichnete, kürte erwartungsgemäß BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch seinen Parteichef zum Sieger. Scheuch meinte in einer Aussendung, Westenthaler habe klar die soziale Kompetenz des BZÖ herausarbeiten können, während Gusenbauer in Sachen BAWAG-Skandal und ÖGB Kindesweglegung betreibe.

Vilimsky wiederum vertrat die Ansicht, dass das TV-Duell nicht mit einem Schönheitswettbewerb verwechselt werden könne. Der SPÖ-Chef sei schwer angeschlagen gewesen und der BZÖ-Obmann habe alle Nerven weggeschmissen. Westenthaler wisse, dass seine Gruppe nicht mehr im Parlament vertreten sein werde.

Vilimsky kritisierte bei der SPÖ den Pakt mit dem LIF, was dazu führe, dass nun auch der "SPÖ-Grande" und ehemalige GPA-Chef Hans Sallmutter "das sinkende Schiff verlässt". Die SPÖ sei am Zerbröseln.

(apa/red)