Dead Space 3 von

Brutaler Mann im Mond

EA schickt mit Dead Space 3 erneut auf einen Horror-Trip. Zahlt sich die Reise aus?

Dead Space 3 Screenshot © Bild: Electronix Arts

Es war ein kometenhafter Aufstieg: 2008 schnellte der Third-Person-Shooter "Dead Space" nahezu aus dem Nichts ins Bewusstsein der Spieler. In beklemmender Sci-Fi-Atmosphäre ging man in der Rolle des Kommunikationstechnikers Isaac Clarke an Bord des Geisterschiffes Ishimura, um das grauenvolle Geheimnis seiner Funkstille zu lüften. Ein neuer Stern im Genre des Survival-Horror war geboren. Ab sofort kann man das bereits dritte Abenteuer von Clarke auf PC, Xbox oder Playstation bestreiten. Aber zahlt sich der Horror-Trip immer noch aus?

Zweimal schon hat sich Isaac Clarke dem mysteriösen Marker gestellt und ihn besiegt. Um den Preis, daran mental beinahe zugrunde zu gehen. Jetzt, wo die Menschheit - trotz seiner Bemühungen - der Verlockung des Markers als unerschöpfliche Energiequelle erlegen ist, macht sich Clarke eigentlich nur auf den Weg, um seiner ehemaligen Freundin Ellie auf Zuruf aus der Patsche zu helfen. Und landet über Umwege erst wieder auf einem Mond, der sich als vermeintlicher Ursprungsort der Marker entpuppen soll. Und somit auch der größten Bedrohung, nämlich der Nekromorphen-Seuche.

Der Story-Trailer von Dead Space 3

Damit ist man eigentlich schon direkt an der größten Schwachstelle von Dead Space 3 angelangt: Der Story. Im Verlauf der rund 10-15 Stunden dauernden 19 Kapitel des Spiels hat sich Entwickler Visceral Games in Erzählmustern verfangen, die den starken Charakter der Marke "Dead Space" leider ziemlich verwässern. Wen interessiert in diesem Genre etwa eine klischeehafte Dreiecksbeziehung? Warum ist Isaac Clarke, der coole Marker-Bezwinger, über weite Strecken des Spiels zu einem willenlosen Befehlsempfänger verkommen? Einen echten Spannungsbogen vermag die Rahmenhandlung jedenfalls nicht mehr zu aufzubauen. Gerade bei einem Ausflug in die Marker-Heimat eigentlich schade.

Maßgeschneidertes Equipment...ohne Horror

Was Visceral Games neben dem Bereitstellen referenzverdächtiger Grafik zum Glück nicht verlernt hat, ist es, dem Spieler eine exzellente Spielmechanik zu bieten. Egal, ob Spaziergänge in engen Raumschiff-Korridoren, Ausflüge im Weltraum oder Planeten-Expeditionen: Einmal den Controller in der Hand fühlt man sich direkt wie im Kampfanzug von Isaac Clarke. Hinzu kommt ein ausgeklügeltes neues Upgrade-System, das es ermöglicht, Ausrüstungsgegenstände aber vor allem Waffen mithilfe von gefundenen Materialien selbst zusammenzubasteln. Neben einem Haufen optionaler Sidequests bietet das einen enorm hohen Wiederspielwert, der nicht zu unterschätzen ist.

Am meisten zu kämpfen hat Isaac auch im dritten Teil gegen unterschiedliche Auswüchse von Nekromorphen. Erstmals treten aber auch "menschliche" Gegner in Form einer Art Marker-Sekte auf. Das ist nur ein Beispiel einer Tendenz, die in Dead Space 3 ebenfalls neu ist für die Serie: Blutüberströmte und zerfledderte Polygonleichen pflastern zwar nach wie vor den brutalen Weg von Clarke, die perfekt inszenierten "Gänsehaut-Momente" aus den Vorgängern sind aber (leider) verschwunden. Viel eher sieht man sich nun mit einem actionreichen Monster-Shootout konfrontiert, bei dem man besser zuerst schießt und dann fragt. Ob das Fans der Serie ansprechen wird, darf an dieser Stelle bezweifelt werden.

Zweiter Mann an Bord

Die wohl größte Neuerung ist es vermutlich, Teil 3 an jeder Stelle des Spiels im Coop-Modus gemeinsam mit einem Freund bestreiten zu können. In diesem Fall bekommt Isaac Clarke den Soldaten John Carver zur Seite gestellt, der in erster Linie das Spielen spezieller Sidequests ermöglicht, aber auch neue Story-Elemente und Gegenstände freischaltet. Das Drop-in/Drop-out-System wurde von Visceral Games souverän gelöst: Je nachdem, ob man alleine oder zu zweit ist, passt sich dementsprechend auch die Zahl der auftürmenden Gegner an, damit der Schweirigkeitsgrad gleich bleibt. Aber auch hier gilt: Jede Menge brutaler Action, aber kaum bis gar kein Horror.

NEWS.AT-Fazit

Dead Space 3 überzeugt unterm Strich als rasanter Action-Titel mit hohem Wiederspielwert. Während diese Einschätzung für eingefleischte Serien-Fans ein vernichtendes Urteil bedeuten mag, kann man als neutralerer Beobachter auch dieser "horror-freien" Interpretation durchaus Einiges abgewinnen. Wenn man über die maue Story hinwegsehen kann, die hervorragende Spielmechanik genießt und die viel zu seltene Gelegenheit eines überzeugenden Coop-Modus zu schätzen weiß.

Dead Space 3 ist ab sofort für PC, Xbox360 und Playstation 3 im Handel erhältlich und kostet rund 60 Euro.

Bewertung: 4 / 6 4 / 6 4 / 6 4 / 6 4 / 6 4 / 6

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