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Insolvenz angemeldet

3.300 Mitarbeiter betroffen - Unternehmen soll von neuem Eigentümer fortgeführt werden

dayli - Insolvenz angemeldet © Bild: APA/Fohringer

Die Schlecker-Nachfolgegesellschaft dayli ist zahlungsunfähig und muss Insolvenz anmelden. Das Unternehmen hat heute, Donnerstag, beim Landesgericht Linz einen Antrag auf Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung eingebracht. Das Unternehmen soll aber unter neuem Eigentümer fortgeführt werden. Betroffen von der Insolvenz sind rund 3.300 Mitarbeiter in Österreich sowie mehr als 1.000 in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg.

Über die Drogeriekette dayli wurde nun offiziell ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Wirksam wird dieses mit 00.00 Uhr des 5. Juli, gab das Landesgericht Linz am Donnerstag bekannt. Neben den 3.468 Beschäftigten seien rund 950 Vermieter und 1.340 weitere Gläubiger betroffen. Nach Angaben des Gerichts sind bereits 414 Dienstverhältnisse aufgelöst worden oder enden. Der Buchwert der Gesamtpassiva (inkl. Rückstellungen) beträgt laut Status per 30. Juni 56,37 Mio. Euro. Eine Berechnung auf Basis von Zerschlagungswerten ergebe eine Überschuldung von 49,58 Mio. Euro, heißt es.

Zum Insolventverwalter wurde Rudolf Mitterlehner bestellt. Als seine Stellvertreter fungieren Erhard Hackl, Gerhard Rothner, Thomas Zeitler und Elisabeth Achatz-Kandut. Sie alle sind Rechtsanwälte in Linz. "Vorrangige Aufgabe der Insolvenzverwalter ist nun, die Möglichkeiten der Sanierung zu prüfen, die Gestaltung des Fortbetriebes bzw. die Suche nach Interessenten (allfällige Investoren) gemeinsam mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat vorzunehmen", schreibt das Gericht.

Gläubiger können ihre Forderungen bis 13. September 2013 anmelden. Die allgemeine Prüfungstagsatzung und Berichtstagsatzung findet am 27. September 2013 um 10.00 Uhr am Landesgericht Linz statt. Die Abstimmungstagsatzung über den Sanierungsplan ist am 5. Dezember 2013 um 10.00 Uhr am Landesgericht Linz.

Quote von 25 Prozent angeboten

Den Gläubigern wird eine Quote von 25 Prozent geboten, davon 5 Prozent binnen zwei Wochen ab Annahme des Sanierungsplans, jedoch nicht vor Rechtskraft seiner Bestätigung. Weitere 5 Prozent binnen 6 Monaten ab Annahme, weitere 5 Prozent binnen 12 Monaten und weitere 10 Prozent binnen 24 Monaten ab Annahme des Sanierungsplans.

TAP 09 trat Anteile ab

Die TAP 09 Beteiligungs GmbH von dayli-Chef Rudolf Haberleitner hat ihre Anteile unmittelbar vor dem Antrag bei Gericht an die ICU Unternehmensberatung GmbH von Martin Zieger abgetreten, um eine Sanierung und die Finanzierung der Zukunft des Unternehmens zu ermöglichen. Zieger war Geschäftsführer von Hunkemöller, Charles Vögele und Palmers.

Unternehmen soll fortgeführt werden

dayli soll unter dem neuen Eigentümer fortgeführt werden. Offen ist, wie viele der 3.468 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihren Job behalten. "Das Ziel ist die Finanzierung des Unternehmens zu sichern und in Zusammenarbeit mit Politik und Gewerkschaft möglichst viele Arbeitsplätze und die Nahversorgung in Österreich zu sichern,“ betonte der neue Eigentümer Martin Zieger. Die Beteiligungsgesellschaft TAP 09 von Rudolf Haberleitner soll dayli um einen Euro an Ziegers ICU Unternehmensberatung GmbH abgetreten haben.

Das Fortführungskonzept sieht auch ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell vor, das ab nächster Woche den dayli-Mitarbeitern vorgestellt wird, heißt es.

Als Grund für die Pleite führt die Firma an, dass Teile des Nahversorger-Konzepts - dazu zählt auch die Sonntagsöffnung - nicht wie geplant umgesetzt werden konnten. "Die dadurch verursachte öffentliche Diskussion führte zur Verunsicherung von potenziellen Investoren", heißt es am Donnerstag in einer Aussendung des Unternehmens.

AMS-Hotline für Mitarbeiter

Für die mehr als 3.000 betroffenen Mitarbeiter stehen alle arbeitsmarktpolitischen Instrumente "mit voller Vehemenz" zur Verfügung, um sie so rasch wie möglich wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen. Ab morgen gibt es eine eigene AMS-Hotline für sie, berichtete Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) im Nationalrat. Am Nachmittag (16.00 Uhr) wird in einer Informations-Sitzung im Sozialministerium die weitere Vorgangsweise festgelegt.


"Alles, was an Reparaturmedizin vorhanden ist, wird den dayli-Mitarbeitern zur Verfügung stehen", versicherte Hundstorfer. Die noch ausständigen Entgelte, Urlaubsabfindungen und die Kündigungsentschädigungen würden voll vom Insolvenzentgeltfonds übernommen. In allen Bundesländern stünden Insolvenzstiftungen zur Verfügung, mit denen der längere Bezug von Arbeitslosengeld ermöglicht wird. An der Sitzung im Ministerium werden auch Vertreter der Arbeiterkammer, der Gewerkschaft und des Insolvenzentgeltfonds teilnehmen.

GPA-Chef Wolfgang Katzian versicherte dem neuen dayli-Eigentümer, ein "verlässlicher Partner" in der gemeinsamen Bemühung zu sein, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Er "reiche ihm die Hand" und bat ihn, das Konzept auf den Tisch zu legen, damit man es "gemeinsam anpacken kann", sagte Katzian ebenfalls im Nationalrat.

Haberleitner will weitermachen wie bisher

Haberleitner will trotz Insolvenz weitermachen wie bisher. "Ich glaube immer noch an das Nahversorger-Konzept", sagte der 68-Jährige. Von einem Scheitern könne keine Rede sein. dayli werde unter dem neuen Eigentümer Martin Zieger fortgeführt, Haberleitner selbst sieht sich noch immer als Geschäftsführer. Allerdings übernimmt im Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung der Masseverwalter das Ruder. Haberleitner hat somit rein rechtlich nichts mehr zu sagen.

Abgesehen von dem Ende Juni bereits angekündigten Mitarbeiterabbau von 336 Personen und dem Schließen von 103 Filialen sei kein groß angelegter Kahlschlag zu erwarten, so Haberleitner. Wie es Zieger gelingen soll, das Unternehmen fortzuführen? "Zieger wird es am Privatkapitalmarkt versuchen, nicht bei Banken." Zieger verfüge über "ausgezeichnete Investorenkontakte".

Wie viel Geld Ziegers ICU Unternehmensberatung einbringt, sagte Haberleitner nicht. Dass Haberleitner seine Anteile um einen Euro an Zieger abgetreten hat, wie kolportiert wird, kommentierte er nicht. "Über Preise spricht man nicht."

Um die gesamte Umstrukturierung durchzuziehen, hätte dayli allein heuer 76 Mio. Euro gebraucht, so Haberleitner. "Wir haben aber keinen Kredit bekommen." Von Novomatic borgte sich die Firma 10 Mio. Euro. Lieferanten ist dayli etwa 18 Mio. Euro schuldig. Sie sollen eine Quote von 25 Prozent bekommen, also rund 4,5 Mio. Euro. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wartet noch auf 4,6 Mio. Euro. Die "Sozialkosten" bezifferte Haberleitner mit 8 bis 9 Mio. Euro. Laut Unternehmensangaben beträgt die Überschuldung 49,2 Mio. Euro. Die Beschäftigten bekommen ihre Juni-Gehälter und ihr Urlaubsgeld nun aus dem Insolvenzentgeltfonds bezahlt.

Italien und Polen nicht betroffen

Vorerst nicht von der Insolvenz betroffen sind die dayli-Gesellschaften in Italien und Polen. Durch ein Joint-Venture in Polen gebe es dort keine Insolvenzgefahr. Für Italien hingegen könne eine Insolvenz nicht ausgeschlossen werden. Die Gesellschaften in Luxemburg und Belgien mit in Summe 32 Filialen sind in das österreichische Sanierungsverfahren miteingebunden.

Keine Sorgen macht sich Haberleitner um den Warenbestand. Man habe noch 30 Mio. Euro an Warenbeständen und würde etwa 20 Mio. Euro brauchen, um die Regale aufzufüllen. Dass die Filialen fast leer sind, stritt er ab. Eine Warenkreditversicherung werde nach wie vor angestrebt. Warenkreditversicherer verweigerten bisher jedoch die Zusammenarbeit.

Kommentare

Managementfehler wo man hinschaut Und unser Wirtschaftssystem traut weiterhin inkompetenten Leuten die Führung von Firmen zu, Finanz und Politik wirft ihnen das Geld des Steuerzahlers hinterher und wenn gar nichts mehr geht dann wird mit fetten Boni, Abfertigungen und Zahlungen denen auch noch das Leben versüßt um schon bald wieder anderweitig aufzutauchen und das Spiel von vorne zu beginnen. Einfach unglaublich.

Also der Mann dürfte nicht ganz dicht sein.Man habe noch 30 Mio. Euro an Warenbeständen und würde etwa 20 Mio. Euro brauchen, um die Regale aufzufüllen???
Und steht mit 50 Mio in der Kreide?
Der KSV sollte das rasch beenden. Aber ich denke der D.pp bekommt ohnehin nix mehr, auch cash nicht

Die Verantwortlichen gehören hinter Gitter, aber lange!!!! Eine Sauerei und jeder schaut zu!!!!

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