Davis Cup von

ÖTV im Viertelfinale

Jürgen Melzer sorgt für den dritten und entscheidenden Punkt gegen Russland

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    Da ist er, der dritte und entscheidende Sieg für Österreich über Russland! Jürgen Melzer besiegt Alex Bogomolov und schießt den ÖTV ins Davis-Cup-Viertelfinale.

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    Fleißiges Anfeuern beim ÖTV-Team

Nach nur 103 Minuten ließ Jürgen Melzer am Sonntag sein Racket fallen, reckte die Arme in den Himmel und umarmte seine auf den Platz gestürmten Teamkollegen. Der 6:2,6:4,6:1-Erfolg Alex Bogomolow jr. als russische Nummer eins hatte Österreich den langersehnten Aufstieg ins Davis-Cup-Viertelfinale beschert. Österreich steht nach 17 Jahren wieder unter den Top 8 der Welt, erstmals überhaupt in der Zeit nach Thomas Muster.

"Es war eine sehr gute Leistung. Ich bin richtig happy, weil doch viel Druck auf meinen Schultern war", sagte Melzer und fügte erleichtert hinzu: "Jetzt haben wir endlich dieses Viertelfinale, von dem wir schon reden, seit ich Davis Cup spiele." Melzer hatte lediglich zu Beginn gegen Bogomolow kleine Startschwierigkeiten und geriet mit 1:2 und einem Break in Rückstand. "Ich habe das Gefühl gehabt, ich bin der bessere Spieler und habe mit jedem Winner mehr Selbstvertrauen gewonnen. Melzer ließ Bogomolow in der Folge im ersten Satz kein Game mehr machen.

"Er hat mich einfach überrollt"
Im zweiten Durchgang kam Bogomolow von 1:4 noch einmal auf 4:4, danach hatte der Weltranglisten-34. aber keine Chance mehr. "Er hat mich einfach überrollt", gestand der Russe danach. Dass das kleine Österreich den Riesenstaat Russland, immerhin zweifacher Davis-Cup-Sieger, bezwungen hat, wird dem Sport als gesamtes wohl wieder zu erhöhter Aufmerksamkeit verhelfen.

Die Truppe von Neo-Kapitän Clemens Trimmel zeigte trotz der so knappen Doppel-Niederlage vom Samstag, dass sie es verdient, in der Weltgruppe zu stehen. "Es war natürlich ein kleiner Dämpfer gestern Abend, aber trotzdem sind wir heute wieder als Team aufgetreten. Wir haben oft Chancen gehabt in den letzten Jahren, es hat halt nie alles gepasst", erinnerte sich Melzer, der diesen Davis-Cup-Sieg klarerweise als seinen schönsten bezeichnete.

Melzer pendelt nicht mehr
"Davis Cup war für mich immer sehr wichtig. Es wäre schade gewesen, wenn ich mein Leben lang Davis Cup gespielt hätte und wir wären immer nur Pendler (zwischen Weltgruppe und Play-off, Anm.) gewesen. Jetzt überwiegt die Freude, dass wir das hier zu Hause erledigt haben", freute sich der Weltranglisten-40., der sich für die zwei Einzelsiege immerhin auch 80 Punkte für das ATP-Ranking gutschreiben lassen kann.

Jetzt kommt Spanien
Noch in der Stunde des Triumphs musste Melzer freilich auch schon Fragen zum nächsten Gegner beantworten. Niemand Geringerer als Titelverteidiger Spanien wartet am Osterwochenende (6. bis 8.4.) auswärts auf die Österreicher, allerdings ohne seine absoluten Topstars. Rafael Nadal und David Ferrer haben nach dem Titelgewinn für 2012 eine Davis-Cup-Auszeit angekündigt, u.a. auch wegen der Olympischen Spiele.

Sicherlich eine beträchtliche Schwächung, aber Spanien verfügt immer noch über genügend Spieler, die Melzer und Co. das Leben mehr als nur schwer machen können. "Keine Frage, die nehmen sich zwei Top-Ten-Spieler raus, haben aber immer noch einen mit Almagro (Nicolas, aktuell Nummer 11, Anm.). Gegen sie sind wir auf Sand auswärts krasser Außenseiter", erklärte Melzer, um aber doch auch gleich wieder Hoffnungen zu äußern. "Nichtsdestotrotz wenn sie mit Ferrero und Almagro spielen, dann sind die in meiner Reichweite, wenn ich gut spiele. Wir fahren dort nicht hin, um Urlaub zu machen", versprach Österreichs Nummer 1.

Nicht chancenlos in Spanien
Auch im Doppel habe man in Spanien wieder gute Möglichkeiten. "Ich glaube, dass wir ein kompaktes Team haben und dort nicht chancenlos sind. Es wird hoffentlich ein guter Start in meine Sandplatzsaison", meinte Melzer, dessen Saison nun in den USA weitergeht. Er fliegt am Donnerstag nach Amerika, wo er zunächst in Memphis in der Halle antritt. Danach spielt er in Delray Beach, Indian Wells und Miami.

Mit dem insgesamt vierten Viertelfinale einer österreichischen Davis-Cup-Mannschaft gibt es schon bald danach einen weiteren Höhepunkt des Jahres. Die Runde der letzten vier hat das ÖTV-Team bisher übrigens einmal erreicht, als Thomas Muster und Co. 1990 im legendären Halbfinale im Wiener Happel-Stadion gegen die USA knapp mit 2:3 verloren hatten.

Österreich - Russland Endstand 3:2
Freitag:
Jürgen Melzer - Igor Kunizyn 6:2,6:7(3),6:4,3:6,6:1
Andreas Haider-Maurer - Alex Bogomolow jr. 6:1,6:4,6:7(1),6:2
Samstag:
Oliver Marach/Alexander Peya - Nikolaj Dawydenko/Michail Juschnij
6:7(1),7:6(7),5:7,6:3,4:6
Sonntag:
Melzer - Bogomolow 6:2,6:4,6:1
Haider-Maurer - Kunizyn 4:6,6:4,6:7(4)