David Villa schießt Spanien ins Semifinale:
Der Europameister ringt Paraguay 1:0 nieder

Zwei Elfmeter bei hart umkämpfter Partie vergeben Im Halbfinale wartet Vizeeuropameister Deutschland

David Villa schießt Spanien ins Semifinale:
Der Europameister ringt Paraguay 1:0 nieder © Bild: Reuters/Gray

Europameister Spanien hat sich ins Halbfinale der Fußball-WM in Südafrika gezittert. Die Spanier setzten sich im Viertelfinale gegen Paraguay dank eines späten Tores von Goalgetter David Villa (83.) mit 1:0 (0:0) durch und treffen damit am Mittwoch in einer Neuauflage des EM-Finales von 2008 auf Deutschland. Sowohl Spanien als auch Paraguay hatte zuvor vor 55.359 Zuschauern im Ellis Park von Johannesburg je einen Elfmeter vergeben.

Die Spanier hatten gegen Paraguays Abwehrbeton lange Zeit kein Rezept gefunden, ehe einmal mehr Villa den Bann brechen musste. Der Neo-Stürmer des FC Barcelona, der schon das Achtelfinale gegen Portugal entschieden hatte (1:0), traf nach einem Stangenschuss des eingewechselten Pedro nach sehenswerter Vorarbeit von Andres Iniesta - mit Hilfe beider Pfosten. Mit fünf Toren in ebenso vielen Spielen führt Villa damit auch die WM-Schützenliste an. In den vergangenen zehn Länderspielen hat der 28-Jährige, der schon bei der EURO 2008 Topscorer gewesen war, zehn Treffer erzielt.

Zuvor hatten bereits beide Teams vom Elfmeterpunkt die Führung auf dem Fuß gehabt, die Chancen aber innerhalb kürzester Zeit vergeben. Paraguay-Stürmer Oscar Cardozo scheiterte, nachdem er von Gerard Pique klar am Arm gehalten worden war, an Iker Casillas (59.). Im Gegenstoß brachte Antolin Alcaraz den durchbrechenden Villa zu Fall. Den ersten Penalty hatte Xabi Alonso noch sicher verwertet, Referee Carlos Batres aus Guatemala ließ den Strafstoß aber wiederholen, weil Spieler vorzeitig in den Strafraum gelaufen waren.

Im zweiten Versuch scheiterte der Mittelfeldspieler von Real Madrid an Justo Villar (62.). Ein klares Foul des Paraguay-Keepers, der den eingewechselten Cesc Fabregas am Nachschuss hinderte, wurde nicht geahndet. Doch damit nicht genug der Fehlentscheidungen: Schon vor der Pause hatte Batres ein Tor für Paraguay wegen Abseits zu Unrecht nicht anerkannt. Nelson Valdez hatte getroffen, dürfte bei einer langen Flanke von Edgar Barreto aber auf gleicher Höhe gewesen sein (41.).

Torres überzeugt immer noch nicht
Spaniens Teamchef Vicente del Bosque hatte auf eine unveränderte Startformation gesetzt - und damit an vorderster Front einmal mehr erfolglos dem nach seinen Knieoperationen noch weit von seiner Bestform entfernten Stürmerstar Fernando Torres vertraut. Für die Spanier, bei denen sich zum Teil sogar ungewohnte technische Fehler einschlichen, entwickelte sich daraufhin das erwartete Geduldsspiel. Der Europameister fand vor der Pause durch einen Volley von Xavi über das Tor nur eine einzige Torchance vor (29.).

Auf der Gegenseite hatte Jonathan Santana bereits nach 47 Sekunden einen ersten Warnschuss abgegeben. Die Paraguayer verteidigten geschickt, selbst die Stürmer verrichteten bemerkenswert viel Defensivarbeit. Trainer Gerardo Martino hatte im Angriff von Beginn an Valdez und Cardozo den Vorzug gegenüber Roque Santa Cruz und Lucas Barrios gegeben. Nach seinem Abseitstor hatte Valdez noch eine gute Gelegenheit, verfehlte aber, nachdem er Carles Puyol düpiert hatte, klar (46.).

Spanier drehen in zweiter Hälfte auf
Nach Seitenwechsel und den beiden Elfmetersituationen machten die Spanier zusehends mehr aus ihrem Ballbesitz. Einen Schuss von Villa hatte Villar noch pariert (63.), ein Versuch von Xavi ging knapp am Ziel vorbei (74.), ehe Villa doch noch zuschlug. Es war erst der zweite Gegentreffer, den die defensivstarken Paraguayer bei dieser WM hinnehmen mussten. Die größte Ausgleichschance vergab Santa Cruz, der aus kürzester Distanz an Casillas hängenblieb (89.).

Spanien steht damit erstmals in der Geschichte in einem WM-Halbfinale. Beim vierten Platz der Iberer 1950 in Brasilien war die Finalrunde noch in einer Vierergruppe ausgespielt worden.
(apa/red)