Datenleck von

Heurige Schülertests abgesagt

Sollen nächstes Jahr nachgeholt werden. Zentralmatura nicht betroffen.

Datenleck - Heurige Schülertests abgesagt © Bild: APA/DPA/Jens Büttner

Die Diskussion um die Sicherheit von Schülerdaten beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) hat zur Absage sämtlicher für das Frühjahr geplanter Bildungstests geführt. Damit fallen sowohl die Bildungsstandard-Erhebungen als auch die Feldtestungen für die PISA- und TIMSS-Studie aus. Österreich kann deshalb auch nicht am PISA- und TIMSS-Haupttest 2015 teilnehmen. Die OECD hingegen sieht "keinen Grund, die PISA-Feldtestungen in Österreich abzusagen".

"Ich muss das Vertrauen der SchülerInnen und LehrerInnen zurückgewinnen", begründete Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) den kompletten Teststopp. "Ich kann keine Testungen durchführen lassen, solange keine Datensicherheit beim Bifie gewährleistet ist." Auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma waren im Vormonat ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht. Die Ministerin lässt deshalb eine Überprüfung der Bifie-Datensicherheit durchführen, die mehrere Monate dauert und bis zu den geplanten Testzeitpunkten nicht abgeschlossen sein wird.

Tests auf dem Prüfstand

"Wir haben genug aufzuarbeiten und können ein Jahr Zwangspause vertragen", argumentierte die Ministerin. In dieser Zeit will sie gemeinsam mit Experten alle internationalen Schülertests auf den Prüfstand stellen - Heinisch-Hosek nannte dabei vor allem die TIMSS-Studie, die Mathe- und Naturwissenschaftskenntnisse von Zehnjährigen überprüft. Mit den Mathe-Bildungsstandards in der vierten Schulstufe teste man schon national die gleiche Materie. In der Testpause will sie auch in Zusammenarbeit mit dessen Aufsichtsrat und anderen Experten eine "Redimensionierung" des Bifie überlegen.

Durch den Stopp aller Tests erspart man sich nach Angaben des Ministeriums heuer 3,6 Mio. Euro. Dem gegenüber stehen bereits angefallene Kosten etwa für die Standard-Erhebungen, die nun nutzlos sind: Dem Vernehmen nach hat allein der Druck der nun nicht mehr verwendbaren Aufgaben rund 900.000 Euro gekostet, dazu kommen Verträge mit externen Testleitern und Auswertern, die gelöst oder neu abgeschlossen werden müssen.

Opposition kritisiert, Gewerkschaft begrüßt

Für verfrüht hält der Sprecher der VP-Landesschulratspräsidenten, Fritz Enzenhofer (OÖ), die Maßnahme der Ministerin. Die Bildungsstandard-Erhebungen hätte man problemlos durchführen und erst nach Klärung der Datensicherheit einspeisen können. "Und wenn die Sicherheitsprüfung negativ ausfällt, kann ich sie noch immer wegwerfen." Die FPÖ begrüßt den Teststopp, vermutet aber Sparerwägungen Heinisch-Hoseks dahinter. Die Grünen sprechen von einer "Panikreaktion", das Team Stronach meint, dass sich die Ministerin vor den Tests "drückt". Die Lehrer-Gewerkschaft begrüßte das Aussetzen der Bildungsstandards.

Vom Teststopp nicht betroffen sind die Schulversuche zur im Mai stattfindenden Zentralmatura. Hier läuft eine eigene Erhebung durch TÜV Austria, die bis Ende März beendet sein wird. Sollte diese negativ ausgehen, würden den Schulen vom Ministerium Beispiele zur Verfügung gestellt, die vom Bifie bereits erarbeitet wurden, aber nicht auf dessen Servern liegen. Am Abend will die Ministerin die Schulpartner über das weitere Vorgehen informieren.

Absage für Bildungspsychologin "bedauerlich"

Ein Stopp der Bildungstests PISA, TIMSS und der Bildungsstandards wäre für Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) "sehr bedauerlich". Ohne solche Studien würden Daten als Korrektiv fehlen, "es ist auch wichtig, die Erfolge von Maßnahmen zu sehen." Der kontinuierliche Vergleich mit anderen Ländern, die sich ebenfalls weiterentwickeln, sei ebenfalls nötig.

"Wenn wir uns dem internationalen Vergleich nicht mehr stellen, ist das kein gutes Signal nach Innen und nach Außen", so die Verfechterin evidenzbasierter Politik. Es könne nicht die Lösung sein, als Reaktion auf die Zunahme von Datenangriffen einfach keine Daten mehr zu erheben, betonte Spiel. Man müsse aber - etwa durch Anonymisierung der Daten - dafür sorgen, dass dem Einzelnen bzw. einzelnen Institutionen im Falle eines Lecks kein Schaden entstehen kann.

Sie verstehe zwar die Nervosität von Eltern, Schülern und Lehrern in Bezug auf deren Daten. Gleichzeitig mahnt Spiel, nicht in "Überaufgeregtheit" zu verfallen. "Man sollte ruhig und sachlich abwägen zwischen der Datensicherheit und den Konsequenzen eines Datenlecks auf der einen Seite und dem Nutzen der kontinuierlichen Teilnahme an Vergleichsstudien auf der anderen."

Auf einem rumänischen Testserver einer Partnerfirma des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), das für Bildungstests zuständig ist, waren im Vormonat ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek lässt deshalb eine Überprüfung der Bifie-Datensicherheit durchführen, die mehrere Monate dauert und bis zu den geplanten Testzeitpunkten nicht abgeschlossen sein wird.

OECD sieht keinen Grund zur Absage

Die OECD sieht "keinen Grund, die PISA-Feldtestungen in Österreich abzusagen". Das berichten "Standard" und "Presse" in ihren Online-Ausgaben. Ein Nachholen der eigentlich für April und Mai geplanten Vortestungen sei nur bis zum Sommer möglich. Ohne Teilnahme am Feldtest darf Österreich nicht beim eigentlichen PISA-Test im Frühjahr 2015 mitmachen. Österreich wäre laut OECD der erste Staat, der nach seiner Erstteilnahme an PISA einen Studiendurchgang auslässt.

Info-Hotline für Fragen zu Zentralmatura

Das Unterrichtsministerium richtet eine Info-Hotline für Fragen zu Zentralmatura und den abgesagten Bildungstests ein. Das hat Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) den Schulpartnern am Dienstagabend bei einem Informationsgespräch u.a. mitgeteilt. Während man im Ministerium von einem "sehr positiven, konstruktiven" Treffen spricht, blieben aus Schülersicht bei der Zentralmatura Fragen offen.

Kommentare

Wie lange noch?

SPÖ+ÖVP hinterlassen nicht nur ein Chaos in den Staatsfinanzen sondern beweisen ihre Unfähigkeit immer wieder bei der Bildung.
Versprochen (vor der Wahl) "Bildung und damit die Chancen unserer Kinder und Jugendlichen sind die zentrale Zukunftsfrage unserer Gesellschaft".

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