Das Völkermordtribunal in Kambodscha: Rote-Khmer-Henker bleibt weiter in Haft

Keine Freilassung aus Respekt zu den Regime-Opfern Trägt Mitverantwortung für Tod von 14.000 Menschen

Das Völkermordtribunal in Kambodscha: Rote-Khmer-Henker bleibt weiter in Haft

Erstmals seit dem Ende des Terrorregimes der Roten Khmer vor fast 30 Jahren haben Millionen von Kambodschanern einen einstigen Peiniger vor dem Völkermordtribunal gesehen. Der Chefhenker des Regimes, Kang Keng Iev, alias Duch oder Deuch, beantragte bei der live im Fernsehen übertragenen Anhörung Haftverschonung. Er ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Es war die erste öffentliche Sitzung des Tribunals, das erst nach jahrelangen zähen Verhandlungen gemeinsam von den Vereinten Nationen und der kommunistischen Regierung Kambodschas eingerichtet worden war.

Der frühere Gefängnischef Duch (Deuch), der für die Gräueltaten des Pol-Pot-Regimes aus den 70er Jahren in Kambodscha mitverantwortlich sein soll, soll nach Auffassung der der Staatanwälte des Rote-Khmer-Tribunals weiter in Haft bleiben. Am zweiten Tag der öffentlichen Anhörung in Phnom Penh forderte der kanadische Staatsanwalt Robert Petit, den 65-Jährigen aus Respekt vor den Opfern des Regimes nicht auf Kaution freizulassen.

Teil-Verantwortung
Duch trage als früherer Leiter des Tuol-Sleng-Foltergefängnisses "mindestens einen Teil der Verantwortung" für den Tod von etwa 14.000 Menschen, sagte Petit. Außerdem bestehe Fluchtgefahr. Duch saß bereits seit 1999 in einem Militärgefängnis ein. Eine Entscheidung wollen die Richter zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Staatschef weist Anschuldigungen zurück
Unterdessen wies der frühere Staatschef Khieu Samphan alle Anschuldigungen zurück. Der Festgenommene erklärte in einer veröffentlichten Dokument, als Staatsoberhaupt nur eine "repräsentative Funktion vergleichbar mit der des Königs" in Kambodscha wahrgenommen zu haben. "Alle wichtigen Entscheidungen" habe der ständige Ausschuss der Kommunistischen Partei getroffen, in dem er seinen Angaben zufolge nicht Mitglied war.

Mit Khieu Samphan nahm das Tribunal den letzten der fünf überlebenden mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Gräueltaten des Regimes der Roten Khmer fest. Der Führer Pol Pot war 1998 gestorben. In der vergangenen Woche wurden Ex-Außenminister Ieng Sary und seine Frau, Ex-Sozialministerin Ieng Thirith, festgenommen. Auch der frühere Chef-Ideologe Nuon Chea wartet auf seinen Prozess. Allen Angeklagten werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie zum Teil auch Kriegsverbrechen zur Last gelegt. Die formelle Eröffnung von Prozessen wird erst im kommenden Jahr erwartet. Dem Regime der Roten Khmer fielen rund zwei Millionen Menschen zum Opfer.

(apa/red)