Das sagen Styling-Experten zum TV-Duell: Gusenbauer punktete mit telegenem Outfit

Minuspunkt: Sozialdemokrat mit zu dickem Make-up Kanzlers neue Kleider: 'Schüssel bekennt nicht Farbe'

Professionelle Performance und angemessenes Styling attestieren Kommunikations- und Stilberater den beiden Kanzlerkandidaten nach deren TV-Duell. Während Wolfgang Schüssel seinen Kontrahenten Alfred Gusenbauer kommunikationstechnisch überrundete, konnte der Sozialdemokrat den Kanzler hinsichtlich des TV-gerechten Outfits ausstechen, meinten der Medienkommunikationstrainer Guido Meyn und Stilberaterin Irmie Schüch-Schamburek.

"Schüssel war ein Stück authentischer, hatte ein abwechslungsreicheres Gestikrepertoir und eine variantenreichere Tonalität", so Meyn. Gusenbauer hingegen sei viel zu tief gesessen - "er hätte in jedem Fall seinen Sessel höher stellen müssen" - wodurch er gedrungen wirkte und die Kleidung zerknautscht schien. Durch das tiefe Sitzen habe sich der rote Spitzenkandidat auch Bewegungsspielraum genommen, was dadurch verstärkt wurde, dass er eine Hand oft unter dem Tisch hatte.

Minuspunkte muss Gusenbauer auch auf Grund seines zu dick aufgetragenen Make-ups hinnehmen. Gusenbauer, der sich ja bereits nach einer "Pressestunde" über angeblich saunaartige Temperaturen im Studio beschwert hatte, wollte Schweißperlen vermutlich um jeden Preis vermeiden, weshalb er ein wenig zu tief in den Schminkkoffer gegriffen habe. Schüssel habe in Summe klarer und griffiger gewirkt und die größere kommunikative Spanne gezeigt. Auffällig sei gewesen, dass beide Kandidaten nie die gleiche Sitzposition eingenommen hätten, wodurch sie ihre inhaltlichen Unterschiede nach außen unterstrichen haben, so Meyn.

Beim Outfit gilt: "Schüssel bekennt nicht Farbe und bei Gusenbauer passen Inhalt und Form nicht zusammen", konstatierte Schüch-Schamburek. Der Kanzler habe für seinen Auftritt einen anthrazitfarbenen Anzug gewählt, der aber auf den TV-Schirmen meist als schwarz wahrgenommen wurde. "Schwarz ist keine optimale Farbe, um sich zu präsentieren. Diese Farbgebung ist nicht positiv besetzt und wirkt distanziert," so die Stilberaterin. Auch die Krawatte des Kanzlers habe farblich undefiniert - nämlich variierend zwischen gelb, orange und aprikot - gewirkt. Das "Feinkarierte" verleite außerdem zu Rückschlüssen auf einen kleinkarierten Charakter, wohingegen Gusenbauer mit den breiten schrägen Blockstreifen Kraft, Dynamik und Stärke signalisiert habe.

Ein geschickteres Händchen habe der SPÖ-Spitzenkandidat auch bei der Anzugwahl bewiesen, da er durch das hellere grau freundlicher und amikaler gewirkt habe. Gusenbauer konnte so den höheren emotionellen Sympathiewert einfahren, meint Schüch-Schamburek. Relativiert wird das durch den Schnitt seines Anzuges: "Die Arme waren zu weit geschnitten, das Sakko hat Falten geschlagen. Dadurch entsteht das Signal, dass Inhalt und Form nicht zusammenpassen." Sehr gut gewählt seien die jeweils randlosen Brillen gewesen. Das signalisiere Klugheit, Wissen und Erfahrung und vermittle Seriosität - "niemand stellt sich einen Verbrecher mit Brille vor".

In Summe hätten die Kanzlerkandidaten mit ihrem Auftritt eine sehr professionelle Performance gezeigt. Auch in punkto Authentizität hätten beide punkten können und waren - "meilenweit etwa von Westenthaler und Strache entfernt", so Meyn. Im Authentizitätsranking liegt laut dem Medienkommunikationstrainer der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen auf Platz eins, gefolgt von Wolfgang Schüssel. Alfred Gusenbauer nimmt Platz drei ein, während sich Peter Westenthaler (B) und Heinz-Christian Strache (F) die letzten Plätze teilen.

(apa/red)