Das Problem mit den EURO-VIP-Tickets:
Firmen werden bei Einladungen vorsichtiger

FORMAT: Bestechungsskandale machen vorsichtig Umgang mit Managern und Amtsträgern erschwert

Das Problem mit den EURO-VIP-Tickets:
Firmen werden bei Einladungen vorsichtiger © Bild: APA/Kaserer

Das große Geld verdient der EURO-Veranstalter UEFA mit den diversen VIP-Clubs in den Stadien. Von den insgesamt 1,05 Millionen verfügbaren Karten ging etwa ein Drittel in Form von bis zu 13.000 Euro teuren Packages an Sponsoren und andere Unternehmen - die ihren Gästen allerlei Annehmlichkeiten wie den Aufenthalt in einer Hospitality-Area samt feinem Do-&-Co-Buffet bieten wollen.

Gäste einzuladen war für österreichische Firmen aber noch nie so kompliziert wie bei dieser Fußball-Europameisterschaft. Der Siemens-Schmiergeldskandal und andere Bestechungsaffären haben ihre Schatten auch auf die EURO geworfen. Abschreckend wirkte auch eine Anzeige gegen Utz Claassen, den Chef des deutschen Energieversorgers EnBW, nach dessen Einladung von sieben Landes- und Bundespolitikern zu Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Höhere Vorsicht
Träger öffentlicher Ämter dürfen nach dem heuer in Kraft getretenen Strafrechtsänderungsgesetz solche Aufmerksamkeiten gar nicht mehr annehmen. Aber auch der Umgang mit Managern von Privatunternehmen ist nicht mehr so entspannt wie früher. "Die Sensibilität ist gestiegen, sowohl bei uns im Haus als auch bei unseren Kunden", sagt Erich Hampel, General des EURO-Sponsors Bank Austria. "Daher binden wir verstärkt unsere Juristen ein, um rechtlich ganz sicher zu sein."

Beamten oder Vertretern von rechnungshofgeprüften Unternehmen und Institutionen ließ die Bank Austria keine Fußballkarten zukommen. Das gilt auch für die Telekom Austria. "Wir haben zum Beispiel auch die wichtigsten Kunden bewusst nicht eingeladen, damit keine schiefe Optik entsteht", erklärt Michael Fischer, bei der Telekom für Sponsoring und Lobbying verantwortlich.

Der Verbund musste seine besten Kunden, die Landesenergieversorger wie Wienstrom, von der Gästeliste streichen. Die sind wie der Verbund selbst mehrheitlich in öffentlicher Hand. Vorstand Hannes Sereinig: "Dass eine Amtsperson eine andere einlädt, geht sowieso nicht."

Kunden oder Lieferanten, mit denen aktuell Vertragsverhandlungen laufen, wurden ebenfalls nicht berücksichtigt - oder nur nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung.

Ähnlich ging die Post AG vor. "Die, die wir wieder ausladen mussten, haben das aber gleich verstanden", umschreibt Generaldirektor Anton Wais seine Probleme.

Um nicht auf den Tickets sitzen zu bleiben, mussten viele Unternehmen improvisieren. Telekom-Manager Fischer meint: "Wir haben es uns nicht einfach gemacht und bei den Einladungslisten sicher den fünffachen Aufwand gehabt, weil wir natürlich trotz der teilweise selbst auferlegten Einschränkungen auf die Qualität der Gäste Wert legen."

Ausweichquartiere
Flexibler sind die Telekom Austria und ihre Tochter mobilkom beim Burgtheater, das in eine lebhafte Fußball-Arena umgebaut wurde. Täglich genießen dort etwa 700 Menschen die Spiele sowie das kulturelle und kulinarische Rahmenprogramm. Die Bank Austria etwa kann Amtsträger in ihren UniCredit-Tower am Wiener Heldenplatz laden. Das fällt unter die Bagatellgrenze.

Die komplette Geschichte finden Sie im FORMAT Nr. 25/08!