Das Probe-Jahr von Kanzler Gusenbauer:
NEWS-Analyse zum einjährigen "Jubiläum"

Umfrage: Außenpolitisch top, innenpolitisch schwach Wie er an Profil gewinnt, aber noch keinen Bonus hat

Das Probe-Jahr von Kanzler Gusenbauer:
NEWS-Analyse zum einjährigen "Jubiläum"

Sie wurden immer wieder miteinander verglichen: Beide seien "farblos", hätten keine "Führungsqualitäten" und seien schlicht "die Falschen für die Parteispitze". Doch beide - Angela Merkel und Alfred Gusenbauer - schafften es am Ende doch. Heute ist Merkel Deutschlands Bundeskanzlerin und Gusenbauer Österreichs Regierungschef. Und wie Merkel versucht Gusenbauer nun via Außenpolitik auch im Inland zu punkten. Ein Jahr nach der Nationalratswahl will er all jenen, die ihn immer noch belächeln und ihm mangelnde Leadership vorwerfen, jetzt endlich zeigen, dass er "sehr wohl ein Volkskanzler" sei.

Die aktuelle NEWS/market-Umfrage dürfte dem roten Bundeskanzler zu denken geben: Zwar finden stolze 61 Prozent, dass Gusenbauer "im Ausland eine eher gute Figur" mache, aber gleich 42 Prozent glauben, dass Gusenbauer "nicht die richtigen Konzepte für die Zukunft Österreichs" habe.

Die rot-schwarze Zwangsehe samt ihren Dauerquerelen hinterlässt eben ihre Spuren. Nur 28 Prozent geben denn auch an, dass sie im Vergleich zum 1. Oktober des Vorjahres einen "eher verbesserten Eindruck" vom Kanzler hätten. Besonders trist für Gusenbauer: Ganze 47 Prozent würden Gusenbauer für "die kommende Nationalratswahl nicht als SPÖ-Spitzenkandidat nominieren". market-Chef Werner Beutelmeyer analysiert kritisch: "Das sind extrem schwache Werte für einen Kanzler. Eigentlich inferior."

Gusenbauers Offensive
Gusenbauer selbst will sich von diesen Umfragewerten dennoch nicht entmutigen lassen. Im kleinen Kreis frohlockt der Kanzler immer wieder, dass "man vor der letzten Nationalratswahl auch nicht an meinen Sieg geglaubt hat. Und dann habe ich es allen gezeigt." Im exklusiven NEWS-Interview gibt er sich ebenfalls optimistisch. Zwar gibt er zu, dass sich viele in der Regierung "mit den kleinlichen Streitereien selber viel kaputt machen". Aber er meint auch, dass "das letzte Wort noch nicht gesprochen" sei.

Auf dem Weg der Besserung
Das glaubt auch der Innsbrucker Politikwissenschaftler Fritz Plasser: "Gusenbauer startete als Kanzler sehr, sehr zögerlich. Er hatte erhebliche Probleme, die Rolle als Kanzler anzunehmen und ein eigenständiges Profil zu entwickeln. In den vergangenen zwei Monaten war allerdings eine beginnende Trittsicherheit und ein erkennbares Rollenbild zu bemerken."

Das sieht man hinter vorgehaltener Hand auch in der ÖVP so - freilich mit wenig Freude. Ein ÖVP-Spitzenmann etwa meint: "Er hält sich geschickt aus allen Streitereien heraus und versucht sich als Staatsmann zu profilieren."

Auch der ehemalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer und nunmehrige PR-Profi und Agenturchef Dietmar Ecker sieht das so: "Ich habe Gusenbauer vor einem Jahr durchaus skeptisch gesehen. Aber er fasst immer stärker Tritt. Er wächst immer stärker in die Rolle des Staatsmannes hinein. Er steht für Ruhe und Stabilität." Seine "Außenpolitik hilft ihm dabei". Das sieht der ÖVP-nahe Meinungsforscher Peter Ulram freilich anders: "Gusenbauer ist im Moment sehr mit Außenpolitik beschäftigt. Ich glaube, es ist auch eine bewusste Flucht in die Außenpolitik. Denn die meisten Leute wissen nicht, wie Gusenbauer Österreich gestalten will."

Den kompletten Beitrag können Sie im NEWS Nr. 39/07 nachlesen!