Das Phantom, das die Welt veränderte:
Aldi-Gründer Theo Albrecht stirbt am 24. Juli

Aus ärmlichen Verhältnissen zu 17 Milliarden Euro Entführung änderte alles im Leben des Deutschen

Das Phantom, das die Welt veränderte:
Aldi-Gründer Theo Albrecht stirbt am 24. Juli © Bild: APA/dpa/Scheidemann

Der Alltag wäre ein anderer, wenn es Theo Albrecht nicht gegeben hätte: Weil er gemeinsam mit seinem Bruder Karl und dem Aldi-Imperium das Einkaufen revolutionierte, trauerte nach dem Tod des 88-Jährigen am 24. Juli ganz Deutschland um seinen geheimnisvollsten Milliardär - und eine einmalige Erfolgsgeschichte.

Er galt als scheu, schweigsam, sparsam - und doch wusste er ganz genau, was er wollte: den Aufbau eines weltweiten Imperiums. Dafür und weil er sein Gesicht seit Jahren vor den Augen der Öffentlichkeit verbarg, trauert heute ganz Deutschland um den Tod des 88-Jährigen.

Geboren in ärmlichen Verhältnissen baute Theo Albrecht gemeinsam mit seinem Bruder das weltumspannende Imperium Aldi auf. Billige Butter, günstiger Sekt und leistbare Konserven anzubieten war die Geschäftsidee der beiden Brüder, die mit einem einfachen Lebensmittelladen in Essen in die Weltspitze vordrangen.

Als 1962 der erste Aldi - kurz für Al brecht Di scount - seine Pforten öffnete, mussten Kunden für die niedrigen Preise noch zahlreiche Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, in einem schmucklosen Geschäft die wenigen ausgewählten Waren aus den Kartons holen. Doch die niedrigen Preise kamen an, die Umsätze explodierten.

Aldi-Äquator
Um den gesetzlichen Offenlegungspflichten zu entgehen, teilte Theo Albrecht noch in den 60ern die Geschäftsfelder mit seinem Bruder Karl auf - der Aldi-Äquator war geboren. Fortan beackerte Theo mit seinem unabhängigen Unternehmen Aldi Nord den nördlichen Teil, während Karl sich Aldi Süd widmete. Beide voneinander unabhängigen Unternehmen prosperierten und wagten schließlich den Gang ins Ausland. In Österreich ist Aldi Süd mit über 400 Hofer-Filialen vertreten.

Entführung
Mit dem zunehmenden Erfolg wuchs auch das Interesse der Öffentlichkeit an den beiden Firmengründern. 1971 hatte Theo Albrecht sein vermutlich einschneidenstes Erlebnis: Mit vorgehaltener Pistole entführten ein Rechtsanwalt und ein Panzerknacker den reichen Geschäftsmann. Drei Wochen musste Albrecht in der Gefangenschaft ausharren, bis das Lösegeld übergeben wurde. Die Verbrecher wurden zwar gefasst, ein Teil des Geldes bleibt jedoch bis heute verschollen.

Von diesem Zeitpunkt an zog sich Theo immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Fotos wurden seltener, bald war er zum Phantom geworden. Das Unternehmen war inzwischen zum globalen Konzern geworden, sodass Albrecht auch die Leitung der Geschäfte ruhigen Gewissens an seine Söhne übergeben konnte. Immer wieder aber, so sagt man, stattete er den Aldi-Filialen inkognito einen Besuch ab. Bis ihn eine schwere Krankheit ereilte, der er schließlich erlag. Seiner Familie hinterlässt er nicht nur ein Vermögen von knapp 17 Milliarden Euro - sondern auch die Gewissheit, Erben eines Mannes zu sein, der die Welt veränderte.
(red)